Sonderveröffentlichung
Themenspecial Stadtmagazin Bensheim

100 Bänke zum Platz nehmen

100 Bänke zum Platz nehmen

Ines Harjes am Blauen Türmchen. Bild: Thomas Neu

8.05.2020
Wie in Frankreich, Italien oder Polen auf einer Bank im Grünen sitzen und entspannen – das ist auch in Bensheim machbar. Auf der Wiese neben dem Rathaus stehen entlang des Rundweges sechs Bänke aus den Bensheimer Partnerstädten und laden zum Verweilen ein. Sie sind so unterschiedlich wie die Partnerstädte selbst und stehen dort seit April 2018. Ihren Ursprung haben sie in dem im Oktober 2016 von den Stadtverordneten beschlossenen Programm „100 Bänke für Bensheim“. Vier Jahre gab man sich Zeit, das Programm zu erfüllen – und im Februar dieses Jahres wurde auf dem Spielplatz am Hochstädter Haus die letzte Bank aufgestellt. Die erste in diesem Programm und mit entsprechender Plakette ausgestattete Bank steht seit Herbst 2016 am seitlichen Eingang zum Friedhof Bensheim-Mitte von der Heidelberger Straße aus. Dieser Standort war auf Wunsch der Bewohner des Caritasheims St. Elisabeth gewählt worden.

Die Idee mit den Bänken aus den Partnerstädten Bensheims hatte die ehemalige Stadtverordnetenvorsteherin und Vorsitzende des Freundeskreises Hostinné Carola Heimann. Damit stieß sie in den Partnerstädten und bei den Freundeskreisen auf große Resonanz und schnell wurde aus der Idee Realität. Offiziell eingeweiht wurden die sechs Bänke auf dem „Weg der Partnerstädte“ rund um die Rathauswiese im Rahmen des traditionellen Treffens zum Auftakt des Bergsträßer Weinfrühlings vor zwei Jahren. Die regionaltypischen Bänke präsentieren sich ganz individuell, wobei vor allem die Bank aus der polnischen Partnerstadt Klodzko durch ihre besondere Rückenlehne ins Auge fällt. Sie zeigt eine aus dem Metall ausgestanzte Silhouette der Partnerstadt mit entsprechendem Schriftzug. Als Sitzfläche dienen zwei massive Holzstämme.

Auf einer Bank in der Sonne sitzen – das ist in Hessen selbst in Corona-Zeiten immer erlaubt, wenn auch am besten alleine oder mit gebührendem Abstand zum Sitznachbarn. 100 zusätzliche Park- und Ruhebänke sind durch ein eigenes Programm in den vergangenen vier Jahren in Bensheim dazugekommen.

Von Jeanette Spielmann

Ganz aus Holz ist die Bank aus dem tschechischen Hostinné, eher filigran und elegant erscheint das Sitzmöbel aus dem italienischen Riva. Mohács, Amersham und Beaune sind ebenfalls mit reinen � Holzbänken vertreten. Beteiligt haben sich neben den Partnerstädten auch das Bensheimer Architektur- und Ingenieurbüro Planen & Bauen, die Sparkasse Bensheim und die GGEW AG. Überhaupt wurde das Programm großzügig von Sponsoren unterstützt. Über ein Drittel der Bänke, insgesamt 38, wurde durch Spenden finanziert, wobei unter den Sponsoren sowohl Firmen als auch Privatpersonen waren. Das trug dazu bei, dass der Ansatz von 66000 Euro im Haushalt am Ende zwar um 10000 Euro überschritten wurde, aber dank der Spenden in Höhe von insgesamt rund 28500 Euro dennoch weniger ausgegeben wurde.
  
Die Bänke aus den Partnerstädten am Rathaus (oben und unten) sind Teil des Programms „100 Bänke“. Die erste Bank wurde nahe des Caritasheims aufgestellt (Mitte, r.), die letzte am Hochstädter Haus. | Bilder: Thomas Neu
Die Bänke aus den Partnerstädten am Rathaus (oben und unten) sind Teil des Programms „100 Bänke“. Die erste Bank wurde nahe des Caritasheims aufgestellt (Mitte, r.), die letzte am Hochstädter Haus. | Bilder: Thomas Neu
Nicht nur auf der Rathauswiese, überall in der Kernstadt und in den Stadtteilen wurde durch das Aufstellen der zusätzlichen Bänke die Aufenthaltsqualität deutlich erhöht. So begrüßten schon 2017 insbesondere Anwohner im Umfeld der Taunusanlage die drei neuen Bänke, die am Berliner Ring zwischen Obi- und Europaallee- Kreisel aufgestellt wurden. Rund die Hälfte der 100 Bänke fand ihren Standort in der Kernstadt, der Rest verteilt sich auf die Stadtteile beziehungsweise im Umfeld beliebter Spazier- und Wanderwege. Lediglich in Schönberg und in Wilmshausen gab es bisher keine umsetzbaren Vorschläge.

Der Vollständigkeit halber muss aber auch auf Schattenseiten dieses prinzipiell positiven Projektes hingewiesen werden. Denn nicht alle freuten sich über die neuen Sitzgelegenheiten, es gab auch Kritik, weil infolge der Nutzung der Bänke sich verschiedentlich Anwohner gestört fühlten. Aus diesem Grund steht beispielsweise am Berliner Ring in Höhe der Taunusanlage nur noch eine Bank. Die beiden anderen wurde auf andere Standorte verteilt.

Zu den besonderen Sitzgelegenheiten zählen zum einen die Rundbank um den alten Baum auf dem Festplatz in Fehlheim sowie die Sitzauflagen am Beauner Platz und im Weiherhausstadion. Je nach Standort handelt es sich bei den übrigen Modellen um klassische Parkbänke für den Stadtbereich oder naturnah gestaltete Bänke für den Außenbereich. Das Programm war im Oktober 2016 auf Anregung von Bürgermeister Rolf Richter von der Mehrheitskoalition in der Stadtverordnetenversammlung vorgeschlagen worden. Damals hatte es bei neun Gegenstimmen und drei Enthaltungen allerdings keine einhellige Zustimmung gegeben. FDP-Fraktionschef Holger Steinert sprach damals sogar von einem „unspezifischem Unsinn getreu dem Gießkannenprinzip“.

Dennoch kann man bei den 100 Bänken für Bensheim ohne Zweifel von einem erfolgreich abgeschlossenen Projekt sprechen, dessen Ergebnisse sicher schon viele Passanten und Spaziergänger dankbar in Anspruch genommen haben.
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