Sonderveröffentlichung
Themenspecial Stadtmagazin Bensheim

60 Orte zum toben und spielen

Rutschen, schaukeln, klettern oder im Sand spielen: Für Kinder zählen die 60 Spielplätze im Stadtgebiet sicher zu den Lieblingsorten in Bensheim. Wie wichtig sie sind, zeigte sich kürzlich in der Hochphase der Corona-Krise, als die Spielplätze geschlossen werden mussten.

Bild: stock-adobe.com/ BillionPhotos.com

3.07.2020

Sie gehören ganz selbstverständlich zum Stadtbild, auch wenn sie zu den freiwilligen Leistungen einer Stadt gehören. Doch wie wichtig Spielplätze für Kinder sind, haben wir in der Hochphase der Corona-Pandemie feststellen können, als diese Freizeitstätten bei schönstem Frühsommerwetter nicht genutzt werden durften. Seit Anfang Mai sind die Spielplätze in Hessen wieder geöffnet, und Eltern lernten die in Bensheim vorhandene gute Infrastruktur einmal mehr zu schätzen.   

Nicht nur Kinder brauchen Spielplätze für ein gesundes Aufwachsen und das spielerische Überwinden von kulturellen, sozialen und sprachlichen Grenzen. Auch für die Großen sind es Orte, an denen Kontakte zwischen Eltern geknüpft werden können. Über 60 Spielplätze sind im Stadtgebiet von Bensheim verteilt – ein Indiz für eine familienfreundliche Stadt. Damit das so bleibt, werden jährlich rund eine halbe Million Euro in das Anlegen neuer Spielplätze sowie die Modernisierung und die Unterhaltung der vorhandenen Erlebnisräume investiert.
  
Bei der Stadtverwaltung sind dafür die beiden Landschaftsarchitekten Ulrich Mattern-Guther und Werner Hohenadel zuständig – Mattern-Guther seit nahezu 30 Jahren und Hohenadel seit 17 Jahren. Und in dieser Zeit haben sich die Ansprüche und Anforderungen an Spielplätze enorm verändert. „Früher reichten schon Schaukel, Rutsche, Sandkasten und höchstens noch ein Drehkarussell auf ebener Rasenfläche“, so Mattern-Guther. Diese Hauptelemente gibt es zwar immer noch, aber sie haben ihr Aussehen massiv verändert.

Gleichzeitig wird dem kreativen und freien Spiel der Kinder mehr Raum gegeben. Überall dort, wo geklettert werden kann, sind Fallschutzböden heute Standard. Viele Spielplätze sind zudem mit Wasser ausgestattet, wie beispielsweise am Hospitalbrunnen in der Innenstadt oder im Kronepark in Auerbach. Wo es möglich ist, wird das vorhandene fließende Gewässer genutzt, um naturnahe Wasserspielbereiche zu schaffen. So in der Bleiche unterhalb der Nibelungenstraße oder der vor wenigen Jahren neu geschaffene Spielbereich hinter dem alten Rathaus in Gronau.

„Jeder Spielplatz ist ein Unikat“, sagt der zuständige Landschaftsarchitekt Ulrich Mattern-Guther.

Bei allen Spielplätzen steht die Sicherheit im Vordergrund, denn gerade dieser Aspekt „hat sich in den vergangenen Jahren massiv verändert“, weiß Werner Hohenadel. Die Zeiten, als die heutige Großelterngeneration sich ihre Spielräume in der freien Natur oder auf der Straße noch selbst eroberte, sind lange vorbei. Das Thema Sicherheit steht aber nicht nur bei der Stadt, sondern auch bei Eltern hoch im Kurs. Wenn die Sprossen einer Leiter vermeintlich einen zu großen Abstand haben, so ist das keine Fehlplanung. Vielmehr soll damit verhindert werden, dass zu kleine Beine sie erklimmen.

So können Eltern sicher sein, dass sich auf jedem Spielplatz nur geprüfte Spielgeräte befinden, dass jeder neue angelegte Spielbereich nur nach einer Sicherheitsprüfung freigegeben wird und bestehende Anlagen in regelmäßigen Abständen einer Sicht- und einer technischen Kontrolle unterzogen werden. Speziell dafür wurde ein Spielplatz- Kataster angelegt und sind im Bauhof zwei Mitarbeiter abgestellt.
    
Abgesehen von der Sicherheit hat sich die Spielplatzwelt in den vergangenen Jahren auch optisch enorm gewandelt. Heute geht es unter anderem um die Schaffung von Natur- und Erlebnisräumen. Da dienen Baumstämme als Einfassung, Kletter- und Sitzgelegenheit gleichermaßen und ein großer Steinfindling kann an der polierten Stelle auch als Rutsche genutzt werden. Die Gestaltung eines Spielplatzes hängt auch ganz von seinem Standort ab – und entsprechend gibt es hier nichts von der Stange. Vielmehr ist „jeder Spielplatz ein Unikat“, sagt Ulrich Mattern-Guther. So findet sich beispielsweise die höchste Schaukel auf dem Spielplatz im Kronepark in Auerbach, in der Leo-Grewening-Straße in den Kappesgärten gibt es als Alleinstellungsmerkmal einen Tischkicker und das weiße Tuch findet sich nur am Spielplatz in der Bleiche, denn nur hier haben in früheren Zeiten die Bensheimer ihre Wäsche an der Lauter gebleicht.
    
Vor zwei Jahren war dieser Spielplatz erneuert und um Spielgeräte für Kinder mit und ohne Handicap erweitert worden. Zuvor war in unmittelbarer Nähe ein Zugang zur Lauter und ein Flachwasserbereich geschaffen worden. Auch in diesem Jahr sind im Spielbereich Bleiche weitere Investitionen geplant.

Insgesamt stehen im Haushaltsplan jährlich rund 500000 Euro für Spielplätze bereit. Der größere Anteil entfällt mit rund 350000 Euro auf die Unterhaltung der über 60 Spielflächen in Bensheim. Das beinhaltet die Bauhofleistungen für Reinigung, Grün- und Baumpflege sowie die Prüfung und Wartung der Geräte und jeweiligen Anlagen. Die restlichen 150000 Euro werden in Ersatz- oder Neubeschaffungen und in die Überarbeitung der in die Jahre gekommenen Anlagen investiert. Ist ein kompletter Neubau geplant, kann sich der Ansatz auch um 100000 Euro oder mehr erhöhen. Von Jeanette Spielmann
   

WEITERE PLÄNE FÜR DIE BLEICHE

Ausstattung und Größe der gut 60 Spielplätze sind so vielfältig und unterschiedlich wie die jeweiligen Standorte. Zu den kleineren gehört beispielsweise der Spielbereich am Kirchberghäuschen, zu den großen Anlagen mit 5500 Quadratmetern der Bereich an der Robert-Bosch-Straße, unter anderem mit Basketball, Tischtennis und Seilbahn.

Die jüngste Neuanlage ist der kürzlich freigegebene Spielplatz am Hochstädter Haus. Aktuell wird in den städtischen Gremien die Projektvorlage für weitere Maßnahmen am Spielplatz Bleiche beraten, dessen Umgestaltung im Dezember 2016 beschlossen wurde.

Ziel des inklusiven Konzeptes war es, Spielmöglichkeiten für behinderte wie nichtbehinderte Kinder zu bieten. Ein Großteil der unter Einbeziehung einer Elterninitiative entwickelten Maßnahmen wurde 2017 und 2018 umgesetzt. Dazu gehörte auch die Öffnung zur Lauter.

Die neuen Pläne, über die von den städtischen Gremien noch zu entscheiden ist, sehen die Erneuerung der Zaunanlage an der steilen Uferböschung vor. Außerdem sollen weitere Spielgeräte aufgestellt werden – eine große Schaukelanlage mit Vogelnestschaukel, einem Kleinkinder- und einem normalen Schaukelsitz sowie eine spezielle Wippe, die vielseitig genutzt werden kann. Unterstützt wird dieses Projekt von der in Bensheim ansässigen Firma Baldur- Garten, die dafür eine Spende in Höhe von 30000 Euro zur Verfügung stellt.
   

Geplante Investitionen

Aktuelle Einzelmaßnahmen in diesem Jahr

Spielplatz Bleiche
35000 Euro für die Anschaffung weiterer Spielgeräte und die Erneuerung des Zauns

Spielplatz Zell
25000 Euro für die Ergänzung des Fallschutzes und des Mobiliars

Spielplatz am Fuchsloch
18000 Euro für die Anschaffung eines Kombigerätes mit Fallschutz

Spielplatz Dammstraße/Karl-Fuchs-Straße und Spielplatz Arminstraße
Je 9000 Euro für ein Kombi-Bewegungsgerät (Schaukel-/Drehspiel)

Taunusanlage
8000 Euro für ein Bodentrampolin

Haus am Dorfplatz in Schönberg
8000 Euro für eine Nestschaukel

Wilmshausen
8000 Euro für ein weiteres Spielgerät auf dem Bolzplatz