Sonderveröffentlichung
Themenspecial Die Flames - Die neue Saison im Blick

Ahlgrimm setzt auf viel Erfahrung im Tor und noch mehr jugendlichen Elan auf dem Feld

Trainerin Heike Ahlgrimm stellt ihr Team vor: „Die Stimmung in der Mannschaft ist so gut wie selten in den letzten Jahren“

Die Flames setzen in dieser Saison auch auf die Durchschlagskraft von Ines Ivancok im linken Rückraum.

11.09.2020
Die HSG Bensheim/Auerbach geht mit einem verjüngten Team in ihre vierte Saison in Folge in der Frauenhandball-Bundesliga. Der Altersdurchschnitt des 15er-Kaders der Flames liegt bei 23,8 Jahren. Älteste und derzeit einzige Ü30-Spielerin ist Sarah van Gulik mit genau 30 Jahren. Die Jüngsten im Aufgebot sind die beiden 18-jährigen Julia Niewiadomska und Lotta Heider. Das HSG-Trikot am längsten trägt Lisa Friedberger, die seit 2015 in der Weststadthalle aufschlägt.

„Es macht großen Spaß, mit den Mädels zu arbeiten, in der Truppe steckt viel Dynamik“, sagt Trainerin Heike Ahlgrimm. Dazu kommt: Das Ensemble harmoniert prächtig im zwischenmenschlichen Bereich. „Die Stimmung in der Mannschaft ist so gut wie selten in den letzten Jahren“, berichtet die Trainerin weiter. Gemeinsam mit Heike Ahlgrimm stellen wir im Folgenden die Bundesliga-Mannschaft der Flames vor.
   
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Tor

„Bei den vielen jungen Mädels bin ich froh, dass ich zwei Torfrauen mit Erfahrung habe“, sagt Heike Ahlgrimm mit Blick auf das Duo im Kasten. Jessica Kockler (29) und Helen van Beurden (29) bilden die Flames-Mauer zwischen den Pfosten. „Auf beide ist Verlass, sie strahlen Ruhe aus, sind unser Rückhalt und haben uns in den letzten Jahren einige Punkte geholt.“ Die Einsatzzeiten werden in der Regel gleichmäßig auf die großgewachsenen Torhüterinnen verteilt. „Wenn eine nicht in Form sein sollte, kann ich auf die andere bauen.“

Jessica Kockler wurde von Heike Ahlgrimm erneut zur Kapitänin bestimmt. „Sie ist meine Ansprechpartnerin, aber auch der Ansprechpartner für die Spielerinnen und somit das Bindeglied zwischen der Mannschaft und mir.“ Außerdem ist Kockler die „Kümmerin“ innerhalb des Teams. „Die Mädels können mit allem zu ihr kommen.“
 
Unter Hochspannung: Flames-Trainerin Heike Ahlgrimm.
Unter Hochspannung: Flames-Trainerin Heike Ahlgrimm.
Rückraum Mitte

Mit Sarah van Gulik, Lisa FriedbergerundJulia Niewiadomska haben die Flames in puncto Spielsteuerung drei Optionen. „Sarah ist eine sehr wichtige Spielerin für die Mannschaft, die Verantwortung übernimmt und viel Erfahrung hat.“ Lisa Friedberger (23) besitzt die Fähigkeit, ein Spiel lesen zu können, so Ahlgrimm über ihre Vize-Kapitänin. „Sie wird immer besser und wertvoller für das Team.“ Außer Bundesliga-Handball stemmt Friedberger noch einen Vollzeitjob als Polizistin. „Höchsten Respekt dafür, dass sie beides nebeneinander so gut schafft.“ Die polnische Jugendnationalspielerin Julia Niewiadomska stammt aus der Flames-Akademie und ist nach der Schnuppersaison ’19/20 nun nahezu komplett beim Bundesliga-Team dabei, sie wird zusätzlich in der A-Jugend-Bundesliga und – sofern es der Spielplan zulässt – auch für die Junior-Flames in der Oberliga spielen. „Julia ist ein riesiges Talent und bekommt bei uns die nötige Zeit, sich zu entwickeln. Sie wird auf ihre Einsatzzeiten kommen.“

Rückraum links

Mit Ines Ivancok (22) und Alicia Soffel (21) verfügen die Flames über ein abschlussstarkes Tandem im linken Rückraum. Ivancok war in der vergangenen Runde zweitbeste Torschützin der HSG, Neuzugang Soffel landete in der Scorerliste der Bundesliga ’19/20 unter den Top-Zehn. Die Qualität und Wucht auf dieser Position wird zu einer gewissen räumlichen Verschiebung im Spiel der Flames führen, kündigt Ahlgrimm an. Im Vorjahr waren die Aktionen im Angriff auf Bundesliga-Top-Torschützin Julia Maidhof im rechten Rückraum zugeschnitten. Nach Maidhofs Wechsel zur SG BBM Bietigheim wird sich die Ausrichtung der Offensive verändern. „Wir werden sicher mehr über den linken Rückraum kommen.“ Dass diese Umorientierung Erfolg verspricht, zeigt die Torquote des Duos in den Testpartien. „Das hat sehr gut funktioniert. Ines hat sich bei uns sehr gut weiterentwickelt, Alicia hat in Mainz bewiesen, dass sie eine sehr gute Spielerin ist.“

Rückraum rechts

Zwei Versuche, Leonie Kockel vom BVB loszueisen, scheiterten – im dritten Anlauf ist es den Flames gelungen, die Linkshänderin an die Bergstraße zu lotsen. Die 20-Jährige kam in der vergangenen Saison im Dortmunder Starensemble auf wenig Einsatzzeiten. Von den Qualitäten der ehemaligen deutschen Junioren-Nationalspielerin ist Heike Ahlgrimm überzeugt. „Leonie wird viele überraschen.“ Mit den Leistungen des Neuzugangs während der Vorbereitung war die Trainerin „absolut zufrieden“. Kockel ist die einzige Rückraum-Linkshand im Kader. Für den Job auf Halbrechts ist auch Simone Spur Petersen, eine Rechtshänderin, vorgesehen. Die 26-Jährige war seit einem Kreuzbandriss im April 2019 ausgefallen und arbeitet nach dem Einstieg ins Mannschaftstraining vor einigen Wochen an ihrem Comeback. „Simone braucht noch Zeit, wir werden nichts überstürzen.“

Rechtsaußen

Die rechte Außenbahn ist mit einem talentierten Doppel besetzt: Sarah Dekker (19) und Lotta Heider (18). „Sehr jung, aber schon sehr gut“, beschreibt Heike Ahlgrimm die Rechtsaußen. „Wir können uns auf beide freuen.“ Lotta Heider kam vom Zweitligisten TSV Nord Harrislee nach Bensheim und ist noch ohne Erstliga-Erfahrung. „Lotta versteht Handball und ist als Persönlichkeit sehr weit. Sie wird sich schnell an die Bedingungen in der 1. Liga gewöhnen.“ Für Sarah Dekker ist es die zweite Spielzeit bei der HSG. Die holländische U19-Vize-Europameisterin hat eine starke Premieren-Saison im Oberhaus abgeliefert. „Sarah hat viel gespielt und sich sehr gut entwickelt. Man vergisst manchmal fast, wie jung sie noch ist.“

Linksaußen

Auf der linken Außenbahn ist ein Gespann unterwegs, das am gleichen Tag Geburtstag hat. Christin Kühlborn und Elisa Stuttfeld sind beide am 25. August geboren. Kühlborn ist 27, Stuttfeld 21 Jahre alt. Beide gehen in ihre zweite Runde für die Flames. „Christin hat ein sehr großes Wurfrepertoire.“ Dazu zählen Dreher, Heber oder gedrehte Heber. „Das findet man im Frauenhandball sehr, sehr selten“, lobt Heike Ahlgrimm die außergewöhnliche Wurf-Begabung der Linksaußen. Elisa Stuttfeld gehört zu den ausdauerstärksten und schnellsten Spielerinnen im Team. „Elisa hat sich gesteigert und an ihrer Wurftechnik gearbeitet, ich bin sehr zufrieden mit ihr.“

Kreis

Im vergangenen Jahr hatten sich einige Kritiker gewundert über die Verpflichtung einer Kreisläuferin aus der 3. Liga, erzählt Ahlgrimm. Isabell Hurst (20) war im Sommer 2019 vom HC Leipzig nach Bensheim übergesiedelt. „Isi ist das beste Beispiel dafür, dass der Sprung aus der 3. in die 1. Liga zu bewältigen ist. Sie hat eine sehr starke Vorbereitung absolviert, ist eine unglaubliche Kämpferin, die sich überall reinwirft und keinem Duell aus dem Weg geht. Außerdem ist sie eine erstklassige Abwehrspielerin und kann bei der 3-2-1-Formation die offensive Position spielen.“ Zweite Kreisspielerin ist Dionne Visser, die ebenfalls im Vorjahr nach Bensheim gewechselt war. „Dio war auf dem Sprung in die holländische Nationalmannschaft, als sie zu uns kam.“ Ein Knorpelschaden im rechten Knie bremste die 23-Jährige im Oktober 2019 aus, eine Operation folgte. Nach ihrer Rückkehr ins Training im Juli hat sie mit kleineren muskulären Problemen zu kämpfen. „Dio ist sehr emotional auf dem Feld und kann das Team und das Publikum mitreißen. Sie wird ihr Level bald wieder erreichen.“ Eric Horn