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Sonderveröffentlichung
Themenspecial Stadtmagazin Bensheim

Auf dem Weg zur Vollkommenheit

Die 15 Jahre alte Pia Hoffmann ist ein großes Talent im Taekwondo-Verein Bergstraße. Im Sommer holte sie sich bei einem internationalen Wettbewerb in Dänemark gleich zwei Goldmedaillen. Bereits mit 12 Jahren erreichte sie den 1. Meistergrad und damit den schwarten Gürtel.

Pia Hoffmann in Aktion. | Bild: Thomas Neu

11.10.2021
Es ist ein langer Weg, den wenige bis zum Ende gehen. Oder auch nur dazu bereit sind. Pia Hoffmann ist eine Ausnahme. „Sie ist für ihr Alter enorm weit“, sagt Carsten Gauger, Träger des 5. Dan und Cheftrainer des Taekwondo-Vereins Bergstraße. Schon als 12-Jährige hat Pia, die in ihrem Verein bereits als Co-Trainerin aktiv ist, ihre Prüfung zum 1. Poom erfolgreich bestritten. Das ist der 1. Meistergrad in der Klasse unter 15 Jahre. Seither trägt sie den schwarzen Gürtel. Wer wie sie beim 2. Dan angekommen ist, hat sich viel Wissen und Können angeeignet. Nun kommt es darauf an, dies zu perfektionieren, den Geist zu schulen und persönlich zu reifen. Mit dem Schwarzgurt endet die Ausbildung nicht. Sie fängt gerade erst an.

Die junge Bensheimerin ist im Team der Hessischen Taekwondo Union (HTU). Anfang September fand in Gehrden bei Hannover das zweite Bundesranglisten-Turnier im Bereich Poomsae statt. Dort trafen sich die Elitesportler des deutschen Nationalkaders und viele weitere Spitzensportler, um letzte Ranglistenpunkte zu sammeln und eventuell ein Ticket für die anstehende Europameisterschaft im November zu lösen. In der Klasse weiblich 15 bis 17 Jahre holte sich Pia die Bronzemedaille. Der Ruf in den Bundeskader scheint nur eine Frage der Zeit.
 
Taekwondo Bergstraße
Bei den Danish Open im Juli qualifizierte sich die 15-jährige Bensheimerin in der Kategorie Individual A – Junior zunächst als beste deutsche Athletin auf Platz zwei hinter der einheimischen Konkurrenz. Im Finale konnte sie sich dann durch eine konstant starke Leistung in beiden Formen die Goldmedaille sichern. Noch vor der amtierenden Europameisterin und etlichen weiteren Sportlern aus der internationalen Taekwondo-Elite. Bereits 2019 hatte sie von den Belgian Open im Poomsae eine Bronzemedaille mit an die Bergstraße genommen. In der Kadettenklasse weiblich (12-14 Jahre) setzte sie sich in einem stark besetzten Teilnehmerfeld durch.

Was versteht man unter Poomsae? Der Begriff bezeichnet vorgeschriebene Bewegungsabläufe im Taekwondo. Sie sind Bestandteil der Prüfungsordnung der Deutschen Taekwondo Union (DTU). Bei diesem Formenlauf werden festgelegte Techniken in vorgegebener Reihenfolge nach einer bestimmten Choreografie durchgeführt. Das unterscheidet die Disziplin vom Vollkontaktkampf gegen einen oder mehrere Gegner. In den Bewegungsformen werden die Abläufe geübt, wie sie in einer Kampfsituation eingesetzt werden können. Dabei werden nicht nur Techniken, sondern vor allem ein Gefühl für deren Kombination im Kampf vermittelt, erklärt die Sportlerin, die sich früh für diese Variante der koreanischen Kampfkunst entschieden hat. „Ich war eher durch Zufall bei einem Schnuppertraining im Verein“, sagt sie. Damit waren die Weichen gestellt. Pia Hoffmann hatte ihren Weg begonnen.
Drei bis vier Mal die Woche kommt sie mindestens eine Stunde zum Training. Seit der Gründung im Jahr 2012 hat sich der Taekwondo-Verein Bergstraße mit aktuell 230 Mitgliedern schnell zum größten und erfolgreichsten Taekwondo-Verein in Südhessen entwickelt. Vor drei Jahren ist der Club mit dem Namen „Dojang“ – koreanisch für Trainingsraum – von der Hauptstraße an den Berliner Ring 163e umgezogen. Carsten Gauger bietet ein Trainingsangebot für unterschiedliche Alters- und Leistungsgruppen an. Das älteste aktive Mitglied ist 67 Jahre alt. Viele Vereinssportler nehmen erfolgreich an nationalen und internationalen Wettbewerben im Bereichen Technik und Wettkampf teil. Pia Hoffmann hält Gauger für eines der größten Talente im Stall. In ihrer Altersklasse gehöre sie sicherlich zu den Top 10 in Europa.

Taekwondo ist eine Kampfkunst aus Korea mit einer 1800 Jahre alten Tradition.

Die koreanische Kampfkunst hat eine etwa 1800 Jahre alten Tradition. In Deutschland ist Taekwondo erst seit den 60er Jahren bekannt. Heute zählt die nationale Szene etwa 60000 Mitglieder. Relativ wenig gegenüber anderen Sportarten, doch die Zahlen gehen nach oben. Im Taekwondo vereinen sich Bein-, Dreh- und Sprungtechniken mit der mentalen Entwicklung und sukzessiven Reife des Sportlers. Durch das Training erfährt der Schüler eine körperliche und geistige Veränderung. Die gesamte Ausstrahlung wird selbstsicherer. Körperhaltung, Gleichgewichtssinn, Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit werden ebenso geschult wie das Denkvermögen. Taekwondo steigert das Körperbewusstsein und Selbstwertgefühl, so Carsten Gauger. Seine erfolgreiche Schülerin bestätigt das.

Der Taekwondo-Verein Bergstraße bietet Trainingseinheiten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an. Rechts oben Trainer Carsten Gauger. | Bilder: Thomas Neu
Der Taekwondo-Verein Bergstraße bietet Trainingseinheiten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an. Rechts oben Trainer Carsten Gauger. | Bilder: Thomas Neu
Pia Hoffmann trägt einen Dobok mit schwarzem Gürtel – und schwarzem Revers. Das ist Dan-Trägern vorbehalten. Doboks sind die traditionellen Kampfanzüge im Taekwondo. Sie bestehen aus einer Jacke, einer Hose und einem Gürtel. Die Grundbekleidung eines jeden Kampfsportlers. Trotz ihrer vielen Erfolge in den vergangenen Jahren arbeitet die Meisterschülerin weiter hart und leidenschaftlich an ihrer Technik, Körperbeherrschung und mentalen Stärke, die bereits heute außergewöhnlich ausgeprägt sei, wie ihr Trainer betont. „Früh anfangen lohnt sich!“

Pia Hoffmann gehört in ihrer Altersklasse zu den Besten in Europa.
Pia Hoffmann gehört in ihrer Altersklasse zu den Besten in Europa.
Es gibt insgesamt zehn Schüler- und zehn Meistergrade. Der 10. Dan steht für absolute Vollkommenheit und gilt als Ehrentitel. Die sportliche Graduierung endet beim 9. Dan. Ab Stufe 7 darf man sich Großmeister nennen. Pia Hoffmann blickt entschlossen nach vorn. Und hofft, dass neben dem Wettkampf auch der Formenlauf irgendwann eine olympische Disziplin sein wird. Jetzt richtet sie alle Aufmerksamkeit auf die Weltmeisterschaften im Poomsae, die 2022 in Korea stattfinden sollen. Die Pandemie hat auch die Taekwondo-Szene beeinträchtigt. Etliche Wettbewerbe mussten verschoben werden.

Auch der Bergsträßer Verein hatte zwischenzeitlich ein Online-Training angeboten oder die Übungen in kontaktloser Form durchgeführt. Pia Hoffmann ist froh, dass nun unter Beachtung der 3G-Regel wieder ein Präsenztraining in überschaubaren Gruppen möglich ist. „Man kann manche Übungen auch zu Hause durchführen, aber das ist nicht das gleiche wie im Trainingsraum“, so das Taekwondo-Talent aus Bensheim, von dem man sicher noch einiges hören wird. Thomas Tritsch
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