Sonderveröffentlichung
Themenspecial Stadtmagazin Bensheim

Aus Hanf wird "Grünes Gold"

Im vergangenen Jahr wurde in der Promenadenstraße ein Laden mit CBD-Produkten eröffnet.

Bild: adobe-stock.com-Iarygin Andrii

3.07.2020
Ein stilisiertes weißes Hanfblatt ziert das schwarze Schild mit dem Schriftzug „Grünes Gold“. Gut sichtbar prangt es über dem kleinen Laden in der Promenadenstraße. Das charakteristisch gezackte Blatt dürfte bei dem ein oder anderen Passanten für Stirnrunzeln sorgen, wird es doch meistens unweigerlich mit den Drogen Haschisch oder Marihuana in Verbindung gebracht. Dadurch ist ein Gewächs in Verruf geraten, das zu den ältesten Kultur-, Nutz- und Arzneipflanzen der Erde gehört und über Jahrhunderte hinweg in vielfältiger Weise Verwendung fand. Dass Cannabis, so lautet der botanische Name, eine heilende Wirkung haben kann, davon war bereits die Benediktinerin Hildegard von Bingen überzeugt, die die Pflanze im 12. Jahrhundert in ihrem Kräutergarten anbaute.
     
Für seine berauschende Wirkung ist die im Hanf enthaltene psychoaktive Substanz Tetrahydrocannabinol, kurz THC, verantwortlich. Der Inhaltsstoff Cannabidiol (CBD) dagegen hat weder Rausch- noch Suchtpotenzial – und soll stattdessen zahlreiche positive Eigenschaften mit sich bringen und beispielsweise Schmerzen und Entzündungen lindern. Neben medizinischem Cannabis, das nur auf Rezept erhältlich ist, haben sich CBD-Produkte mittlerweile zu einem Trend entwickelt. „Grünes Gold“ wurde 2018 in Darmstadt gegründet, seither sind weitere Läden eröffnet worden – neben Wiesbaden, Frankfurt, Mainz und Kelsterbach auch in Bensheim.

Yannik Bechtel führt als Franchise-Nehmer den Laden „Grünes Gold“. | Bild: Thomas Neu
Yannik Bechtel führt als Franchise-Nehmer den Laden „Grünes Gold“. | Bild: Thomas Neu
Als Franchise-Nehmer führt Yannik Bechtel das kleine Geschäft gegenüber dem Neumarkt-Center. Durch persönliche Kontakte zum Unternehmensgründer wurde er auf CBD aufmerksam. Bei „Grünes Gold“ spielt Hanfextrakt die Hauptrolle: der eingedickte Auszug aus der Hanfblüte, der in unterschiedlicher Konzentration – zwischen 5 und 24 Prozent – mit einem hochwertigen Öl vermischt wird. Zu 100 Prozent bio und vegan, ohne chemische Inhaltsstoffe, so wirbt „Grünes Gold“ auf der eigenen Homepage für seine CBD-Produkte. Die positive Wirkung von Cannabidiol sei mittlerweile in mehreren Studien bestätigt worden, berichtet Yannik Bechtel. Unter anderem soll CBD bei Migräne und Kopfschmerzen ebenso wie bei Rheuma oder Arthrose helfen.
      

Das CBD-Öl hat mich schmerzfrei gemacht“, sagt der Ladeninhaber Yannik Bechtel.


Der Inhaber selbst leidet seit vielen Jahren unter Rückenschmerzen.
„Das CBD-Öl hat mich schmerzfrei gemacht.“ Auf herkömmliche Schmerzmittel könne er weitgehend verzichten. Auch bei Depressionen oder Ängsten soll Cannabidiol helfen, für Stressabbau und Entspannung sorgen. Selbst Tiere profitieren laut Bechtel von Cannabidiol. Ein spezieller „Sport-Extrakt“ wurde in Kooperation mit dem Beachvolleyball-Nationalteam Karla Borger und Julia Sude entwickelt. Er soll zu einer besseren Leistungsfähigkeit und Regeneration beitragen und die Konzentrationsfähigkeit steigern. „Die positiven Effekte von CBD auch für Sportler sind mittlerweile anerkannt“, betont Yannik Bechtel.
     

Der Inhaber kommt ursprünglich aus der Lebensmittelbranche. Nach einer Ausbildung zum Bäcker legte er sein Abitur mit Schwerpunkt Ernährungswissenschaften ab. Zuletzt war Bechtel zehn Jahre lang als Leiter eines Rewe-Marktes in Darmstadt mit 60 Mitarbeitern tätig. Bevor er mit „Grünes Gold“ im vergangenen Jahr seinen eigenen Shop eröffnete, erwarb er den Arzneimittelschein. „Ich habe mich viel weitergebildet und mir ein breites Allgemeinwissen angeeignet“, erzählt er.

Wichtig ist ihm, seine Kunden ausführlich beraten zu können. Viele kommen laut Bechtel auf Empfehlung oder durch Mundpropaganda. „Es ist toll, wenn man so viele positive Rückmeldungen bekommt“, erzählt er von begeisterten Stammkunden. Rund 70 Prozent derer, die seinen Laden besuchen, haben sich zuvor mit dem Thema CBD beschäftigt, schätzt Bechtel. Viele seien auf Empfehlung von Ärzten oder auch Apothekern auf Cannabidiol gestoßen. Mit negativen Vorbehalten oder Vorurteilen müsse er sich dagegen nur ganz selten auseinandersetzen.
     
Yannik Bechtel verschweigt aber auch nicht, dass die Rechtslage rund um CBD nach wie vor schwierig ist. Die Öle beispielsweise dürfen nicht als Arznei- oder Medizinprodukte verkauft werden, was wiederum zur Folge hat, dass keinerlei Dosierempfehlung oder Heilversprechen mitgeliefert werden darf. In einigen Bundesländern sei es noch nicht möglich, Läden wie „Grünes Gold“ zu eröffnen. Mit Kontrollen müsse jederzeit gerechnet werden – dann würde vor allem überprüft, dass der gesetzlich erlaubte THC-Wert in den Produkten nicht überschritten wird. Deshalb ist dem Team von „Grünes Gold“ Aufklärung und Offenheit wichtig. Bevor ein neuer Laden eröffnet wird, „stellen wir uns erstmal bei den Behörden vor und erklären, was wir machen“. Yannik Bechtel hofft, dass sich CBD-Produkte weiter auf dem deutschen Markt etablieren werden. „Schließlich ist Cannabis die älteste Medizin der Welt.“ Von Barbara Cimander
      

Produktpalette

Aus Hanf wird Grünes Gold Image 3
Tee, Kosmetik, Schokolade

Bei „Grünes Gold“ sind neben Hanf-Extrakten sogenanntes Aromawerk – CBD-Blütenessenzen –, Beauty-Produkte, Hanfblätter-Tee oder Hanfschokolade erhältlich. Bio-Kosmetik mit Cannabidiol und Hanfsamenöl soll für ein ebenmäßiges Hautbild auch bei empfindlicher Haut sorgen und beispielsweise Neurodermitis und Schuppenflechte lindern sowie bei unreiner Haut helfen.

Kontakt
Promenadenstraße 6-8
Bensheim
Telefon 06251/8609739
E-Mail: bensheim@gruenes.gold
www.gruenes.gold