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Sonderveröffentlichung
Themenspecial Stadtmagazin Bensheim

Ausflugsziel mit Rundumblick

Auf dem 262 Meter hohen Hemsberg steht der 19 Meter hohe Turm, ursprünglich als Bismarck-Denkmal erbaut. Heute kennen das Bauwerk alle nur unter dem Namen Hemsbergturm. Bild: Thomas Zelinger

16.07.2021
Hoch auf den Hemsbergturm: Das Bauwerk wurde 1902 eingeweiht und ist heute ein beliebtes Ausflugsziel – vor allem an Wochenenden, wenn Dieter Krastel die Wanderer bewirtet.

Auch ohne einen „Hemsberg-Cappuccino“ ist der Besuch lohnenswert. Aber eben nicht komplett. Wer die fast 70 Stufen über die Holzwendeltreppe auf die Aussichtsplattform bezwingen will, sollte das Getränk aber besser hinterher genießen. Den Namen Bismarck nimmt in Bensheim kaum einer in den Mund. Das rund 22 Meter hohe Granitbauwerk nennt man schlicht und einfach Hemsbergturm.
Hörakustik Feirer
Er ist lokale Geschichte und Wahrzeichen, Postkartenmotiv und Ausflugsziel. Umrahmt von viel Grün und einem artenreichen Naturschutzgebiet. An der steinernen Fassade tummeln sich massenweise Eidechsen, die sich gern die Sonne auf den Rücken brennen lassen. Der schattige Biergarten wurde im Frühjahr aufgepeppt. Mit neuen Tischen und Stühlen sowie riesigen Sonnenschirmen. Gut 130 Gäste finden Platz. Nach mehr als sieben Monaten Corona-Zwangspause hat Dieter Krastel das gemütliche Refugium nochmals verschönert.

Weht die Fahne, ist auch der Wirt vor Ort und serviert seinen Gästen kleine rustikale Gerichte, gekühlte Getränke sowie Kaffee und Kuchen. Anfang 2019 hatte er den Turmschlüssel von seinem Vater Günter übernommen. Der bekam am 8. Januar 1971 die offizielle Schankerlaubnis von Bürgermeister Wilhelm Kilian. Gemeinsam mit seiner Frau Gisela hat er die Turmschänke ebenso liebevoll wie traditionsbewusst gemanagt. Jetzt führt der Sohn Regie. Seine Lebensgefährtin Annette Menzel und Tochter Martina schmeißen die Küche: Wurst- und Schinkenplatten, Eier mit Leberwurst, Strammer Max. Die Nussecken sind legendär. Bei Mutter Gisela war es der „Riwwelkuche“.
Dieter Krastel (links) bewirtet auf dem Hemsberg die Gäste. Hans-Peter Ott ist Vorsitzender des Hemsbergturm-Vereins, der seit 2017 die Verantwortung für den Turm vom Bensheimer Odenwaldklub übernommen hat. Bilder: Thomas Zelinger
Dieter Krastel (links) bewirtet auf dem Hemsberg die Gäste. Hans-Peter Ott ist Vorsitzender des Hemsbergturm-Vereins, der seit 2017 die Verantwortung für den Turm vom Bensheimer Odenwaldklub übernommen hat. Bilder: Thomas Zelinger
Eine Familienwirtschaft. Dafür lohnt sich das Schwitzen beim Aufstieg. Von Zell aus gelangt man über den Hambacher Weg und eine holprige Schotterpiste zum Ziel. Aber nur zu Fuß. Oder mit dem Rad. Das dauert etwa eine halbe Stunde. Genauso viel Zeit sollte man einplanen, wenn man aus Bensheimer Richtung über Hahnbergweg und Blütenweg oder über den Burgensteig anrückt. Fremde Autos sind tabu. Der Allrad von Dieter Krastel schafft es hüpfend und grollend bis hinauf. Alles, was er oben braucht, muss mühsam zum Turm transportiert werden. Die örtliche Kerwejugend hilft dabei gern mit schwerem Gerät. „Der Zusammenhalt in Zell ist fantastisch.“

Das Bauwerk auf dem 262 Meter hohen Bensheimer Hausberg wurde im Juli 1902 fertiggestellt. Bereits fünf Jahre zuvor hatten der Postdirektor a. D. Ernst Hallwachs und der hiesige Unternehmer Wilhelm Euler die Idee, auf dem Gipfel ein Bismarckdenkmal zu errichten. Der Turm wurde nach Plänen von Heinrich Metzendorf gebaut, die Kosten beliefen sich auf rund 10000 Mark. In den Jahren 2007 bis 2009 wurde der Turm saniert. Das Dach wurde abgedichtet, Fenster und Türen wurden gestrichen. Der Forst hat Sichtschneisen in den Wald geschlagen. Vom Turm aus sieht man die Starkenburg, das Areal der ehemaligen Odenwaldschule in Ober-Hambach sowie das Schönberger Schloss. Man ahnt die leicht geschwungene Achse zwischen Hemsbergturm, Blauem Türmchen und Auerbacher Fürstenlager.

„Der Zusammenhalt in Zell ist fantastisch.“

„Zur Eröffnung 1902 gab es hier kaum höhere Bäume“, erläutert Hans-Peter Ott. Der Zeller ist von Anfang an Vorsitzender des Hemsbergturm-Vereins, der 2017 aus einer Initiative von Zeller Bürgern und den Ortsbeiratsmitgliedern von Zell und Bensheim-Mitte gegründet wurde. Weil der Odenwaldklub Bensheim nicht mehr die Verantwortung für den Turm übernehmen wollte, formierte sich eine Gruppe aus Liebhabern und Fans, um das Kulturdenkmal zu pflegen, zu betreiben und zu erhalten. Ein OWK-Mitglied ist bis heute im Vorstand vertreten.

„Das war ja unser Spielplatz früher“, so Ott, der mit seinem Team regelmäßig hier oben ist und nach dem Rechten sieht. Mindestens drei Stunden jeden Sonntagmorgen sind Pflicht. Es gibt immer was zu tun: das Mauerwerk von Bewuchs befreien, die Orchideen wässern oder die kleinen Pfade rund um den Turm erhalten. Zuletzt hat der Verein neue Pflastersteine verlegt und den Aufgang zum Turmeingang hergerichtet und begradigt. Ott und seine Mitstreiter sorgen für eine blühende Umgebung auf steinig-kargem Boden. 3600 Quadratmeter misst das Gelände. Eine Wasserversorgung gibt es nicht. In zwei Tanks wird Regenwasser gesammelt. Im unteren Bereich nahe Rutsche und Schaukel hört man ein Stromaggregat knattern.
Oben auf der Aussichts-Plattform des Hemsbergturms genießt man einen tollen Blick in die Rheinebene und in den Odenwald. Am Fuße des Turms lassen sich die Gäste gerne im Biergarten nieder. Bilder: Thomas Zelinger
Oben auf der Aussichts-Plattform des Hemsbergturms genießt man einen tollen Blick in die Rheinebene und in den Odenwald. Am Fuße des Turms lassen sich die Gäste gerne im Biergarten nieder. Bilder: Thomas Zelinger
Im Turmzimmer ist es dunkel. Der zweigeschossige Anbau mit Walmdach stammt aus den 50er Jahren, diente als Klubzimmer und Wanderheim. Eine etwas klamme Stube, die nach Vergangenheit riecht und regelmäßig gelüftet wird. Hans-Peter Ott reißt die Fenster auf und erzählt: Früher hatte der Turmwart den Schlüssel für das Zimmer, das als Nachtlager für Wanderer gern genutzt wurde. Später haben die Zeller hier regelmäßig Karten gekloppt. Wer sich hier verschanzt, wird nicht gefunden. In dem Holzbau, der 1979 von Zeller Bürgern errichtet wurde, finden regelmäßig Gottesdienste statt. Der Verein plant einen Anbau. Langfristig. Dann könnte man auch die kleine Turmküche auslagern und dort mehr Platz gewinnen, so der Vorsitzende, der auf die alten Lautsprecher unter dem Giebel verweist: Die stammen aus dem Bierkeller und beschallten einst die Sitzungen der Grieseler Rote Funken. Am Hemsbergturm hat fast alles seine eigene Biografie.

Am Hemsbergturm hat fast alles seine eigene Biografie.  Auch der „Cappuccino“ in der weißen Kaffeekanne.

Auch der „Cappuccino“. In der legendären weißen Kaffeekanne stecken Früchte der Saison. Der Schnaps ist ein Klassiker. Bei unserem Besuch war es Apfel-Birne. Thomas Tritsch

Weitere Informationen
unter www.hemsbergturm-verein.de
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