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Sonderveröffentlichung
Themenspecial Stadtmagazin Bensheim

Bensheim hilft – weltweit

Seit über 15 Jahren engagiert sich der Verein „Bensheim hilft“ für die Opfer von Naturkatastrophen.


19.02.2021
Es ist eine Jahrtausend-Katastrophe: Am 26. Dezember 2004 wütet ein verheerender Tsunami in ganz Südostasien. Auf einer Länge von 1200 Kilometern kommt es am Meeresboden zu enormen Verwerfungen. Unvorstellbare Wassermassen geraten in Bewegung. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 800 Kilometern pro Stunde schieben sich Billionen Tonnen Ozean gegen die Küste. Rund 230000 Menschen in 14 Ländern werden durch das Seebeben getötet. Darunter viele Kinder und Frauen. In Indonesien, Thailand, Sri Lanka und Indien werden ganze Landstriche verwüstet.

Bensheim ist weit weg. Aber die Welle der Betroffenheit erreicht auch die Bergstraße. Aus der ersten Fassungslosigkeit entwickelt sich bald eine solidarische Bewegung: Engagierte Bürger schließen sich zum Verein „Bensheim hilft“ zusammen und sammeln Spenden, um die in Not geratenen Menschen zu unterstützen. Auch über 15 Jahre danach fließen weiterhin gezielte Hilfen an Orte, wo die Bevölkerung Opfer von Naturkatastrophen oder anderen außergewöhnlichen Ereignissen wird. Durch die enge Zusammenarbeit mit den in Bensheim ansässigen Hilfsorganisationen Karl-Kübel-Stiftung (KKS) und Christoffel-Blindenmission (CBM) kann der Verein weltweit agieren.
                
Die beiden Nicht-Regierungsorganisationen sind mit ihrer Arbeit international tätig. Über langjährige Partner vor Ort gewährleisten sie, dass die finanzielle Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Seit seiner Gründung hat „Bensheim hilft“ rund 610000 Euro gesammelt und weitergegeben. Eine stolze Bilanz, die durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und Veranstaltungen generiert wurde.

Durch die Corona-Pandemie wurde im vergangenen Jahr die Arbeit des Vereins erheblich ausgebremst.

2020. Die Welt erlebt eine andere, diesmal globale Katastrophe. Durch die Corona-Pandemie wurde seit Frühjahr auch die Arbeit des Vereins erheblich ausgebremst. Noch 2019 konnten die Aktiven durch das Kuchenbüfett beim Frühlingssonntag, dem Erlös aus dem Adventskonzert der Philharmonie Merck und – ganz wichtig – dem Stand auf dem Bensheimer Weihnachtsmarkt rund 9000 Euro erwirtschaften. Der Verkauf von hausgemachten Plätzchen und Marmeladen auf dem Marktplatz ist seit Jahren eine zuverlässige Einnahmequelle.
 
Weltweite Hilfe von „Bensheim hilft“: 2019 wurden mit der Karl-Kübel-Stiftung als Partner Flutopfer in Assam/Indien unterstützt (l.), 2015 wurde nach dem schweren Erdbeben in Nepal der Bau einer Schule mitfinanziert (o.r.), auf den Philippinen nach dem schweren Wirbelsturm 2013 ein Kindergarten. Bilder: KKS/Ajaya Kumar Behera (l.), Verein
Weltweite Hilfe von „Bensheim hilft“: 2019 wurden mit der Karl-Kübel-Stiftung als Partner Flutopfer in Assam/Indien unterstützt (l.), 2015 wurde nach dem schweren Erdbeben in Nepal der Bau einer Schule mitfinanziert (o.r.), auf den Philippinen nach dem schweren Wirbelsturm 2013 ein Kindergarten. Bilder: KKS/Ajaya Kumar Behera (l.), Verein

 
Die Bilanz für das vergangene Jahr hingegen fällt ernüchternd aus. Sämtliche Aktivitäten, mit denen der Verein Einnahmen erzielen kann, wurden abgesagt. Auch das traditionelle Helferfest musste ausfallen. Als Alternative zum Weihnachtsmarkt hat der Vorstand eine kleinere Variante an den vier Adventssonntagen auf die Beine gestellt: Auf dem privaten Hof der stellvertretenden Vorsitzenden Henriette Volk an der Ritzhaubstraße wurden die süßen Leckereien häppchenweise verkauft – natürlich immer unter Beachtung der Corona-Regeln, wie Vorsitzende Monika Buhse betont: „Immerhin ein Tropfen auf dem heißen Stein.“
 
Ein Schild weist nach dem Erdbeben in Nepal auf die Hilfe aus Deutschland hin. Bild: Verein
Ein Schild weist nach dem Erdbeben in Nepal auf die Hilfe aus Deutschland hin. Bild: Verein
Denn die finanzielle Unterstützung aus Bensheim wird nach wie vor dringend benötigt. Naturkatastrophen passieren weiterhin. Zwar kleinräumiger und zeitlich reduzierter als die Pandemie, doch für die Betroffenen sind sie ebenfalls eine existenzielle bis tödliche Gefahr. Beides zusammen bedeutet eine völlig neue Herausforderung. Denn während die Menschen angesichts der direkten Gefahr der Katastrophen ihr Leben retten und sich in Sicherheit bringen, ist ein striktes Einhalten der COVID-19-Schutzmaßnahmen kaum mehr möglich. Das Infektionsrisiko steigt und mit dem Virus droht eine weitere Verschlimmerung der Lage vor Ort.

Naturkatastrophen, die an Häufigkeit und Intensität zunehmen, treffen die Ärmsten einer Gesellschaft am drastischsten. Eine Tatsache, die immer mehr Menschen dazu bringt, ihre Heimat zu verlassen. Durch die Pandemie wird die Situation der Geflüchteten zusätzlich verschärft, da Abstandsregeln in überfüllten Camps kaum möglich sind. Bei Nothilfemaßnahmen geht es daher zuvorderst darum, die Länder zu stärken und gemeinsam mit dem Staat langfristige Maßnahmen umzusetzen.

Neue Boote und Netze für Fischer in Indien.

Monika Buhse erzählt von der letzten Hauptversammlung im Oktober 2020, bei der KKS und CBM von ihren weltweiten Projekten berichtet haben. Nach Überflutungen in Ostafrika hatte die CBM rund 800 Familien unterstützt. „Bensheim hilft“ hatte dafür 10000 Euro zur Verfügung gestellt. Doch mit Corona seien auch die Vorsorgemaßnahmen zum Erliegen gekommen.

Die Kübel-Stiftung hatte 2020 insgesamt 7700 Euro aus Bensheim an 400 Familien in West-Bengalen in Form von Lebensmittelpaketen geschickt. Nach Ausbruch der Pandemie und einer im ganzen Land verhängten Ausgangssperre kam es zu einer der größten Massenwanderung in der Geschichte des Landes. Millionen Menschen verloren ihr Einkommen und machten sich auf den Weg zurück in ihre Heimatorte. Mit dem Geld von „Bensheim hilft“ konnten die Familien für etwa 14 Tage mit dem Notwendigsten versorgt werden. Auch am Aufbau landwirtschaftlicher Projekte war der Verein indirekt beteiligt. Hilfe zur Selbsthilfe: Das ist nach wie vor das zentrale Prinzip, auf das der Verein mit seinen aktuell 115 Mitgliedern großes Augenmerk legt. Das war schon damals so. Unter Regie der Gründungsvorsitzenden Beatrice Herrmann, Frau des damaligen Bürgermeisters Thorsten Herrmann, formierte sich unter großem öffentlichem Interesse am 3. Januar 2005 der Verein „Bensheim hilft“.
 
Während der Corona-Pandemie starteten „Bensheim hilft“ und Karl-Kübel-Stiftung ein Nothilfeprojekt in West-Bengalen/Indien. Bilder: KKS
Während der Corona-Pandemie starteten „Bensheim hilft“ und Karl-Kübel-Stiftung ein Nothilfeprojekt in West-Bengalen/Indien. Bilder: KKS
 
Rasch konnten mit der Christoffel-Blindenmission und der Karl-Kübel-Stiftung Partner gefunden werden, die über die notwendigen Kontakte in das Katastrophengebiet verfügten und dem jungen Verein halfen, Hilfsprojekte zu definieren und deren Umsetzung zu begleiten. Die ersten Aktivitäten waren Spenden für den Wiederaufbau nach dem Tsunami in Ostasien und auf Haiti sowie eine Unterstützung für Flutopfer in Pakistan.

An der indischen Südwestküste wurde mit der KKS und mit Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ein Hilfsprogramm initiiert, das die Wiederbeschaffung von durch die Katastrophe zerstörten Fischerbooten zum Ziel hatte. Über eine Selbsthilfegruppe von Frauen konnten neue Katamarane, Netze und Boote angeschafft werden. Auch eine Reparaturwerkstatt für Bootsmotoren wurde gefördert. Eine Maßnahme, die sich längst von selbst trage und Erträge erziele, wie die Vorsitzende erläutert. Bald standen auch die Fischer wirtschaftlich wieder auf gesunden Füßen. Monika Buhse erzählt von einem viele Jahre später aufgenommen Foto, auf dem noch das Logo ihres Vereins zu sehen ist. „Das hat uns gezeigt, wie nachhaltig das Projekt angelegt war.“

Auch Kleinbauern und Flüchtlinge gehören zu den Menschen, die über den Verein in den vergangenen Jahren immer wieder Hilfe erfahren haben.

Die Vorsitzende selbst kam 2007 über Beatrice Herrmann zum Verein. Zwei Jahre später wurde sie zur zweiten Vorsitzenden gewählt. 2015 rückte sie an die Spitze. Bei den nächsten Vorstandswahlen im Jahr 2022 will sie wieder kandidieren. Auch ihre Vorstandskollegen hätten bereits ihre Bereitschaft zum Weitermachen signalisiert. Mit dem Tod der zweiten Vorsitzenden Doris von Werner, die in Bensheim auch als Stadtführerin bekannt war, hatte man im Dezember einen großen Verlust beklagen müssen.

Monika Buhse hofft, dass der Verein in den kommenden Jahren auch jüngere Mitglieder in den eigenen Reihen begrüßen kann. „Am Nachwuchs hapert es ein wenig.“ Da der Verein offen aufgestellt ist, sei auch eine punktuelle Mitarbeit und Unterstützung möglich. Zum aktuellen Vorstand gehören noch Kassenwart Hans-Joachim Otto und Gründungsmitglied Rudolf Hafenrichter im Amt des Schriftführers. Von Thomas Tritsch

Weitere Informationen unter www.bensheim-hilft.de
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