Sonderveröffentlichung
Themenspecial Stadtmagazin Bensheim

Bunte Zeichen auf allen Wegen

Rund 200 Ehrenamtliche kümmern sich beim Odenwaldklub um die Wegmarkierungen, die für Wanderer eine nützliche Orientierungshilfe sind – auch in und rund um Bensheim.

Friederike Preuß ist Wegewartin beim Odenwaldklub. Sie sorgt unter anderem dafür, dass die Wanderwege durchgehend markiert sind. Bilder: Thomas Neu

3.07.2020

Pinsel, Farbtöpfchen und Schablonen aus Kunststoff – was nach Utensilien für eine Malstunde klingt, kommt bei Friederike Preuß und ihren Mitstreitern beim Waldspaziergang zum Einsatz. Statt den Wanderrucksack auf dem Rücken trägt sie ein kleines Henkelkörbchen über dem Arm. Dann geht ihr Blick vor allem zu den Bäumen am Wegesrand, zu Zaunpfählen oder Laternenmasten: überall dort, wo Markierungen für Wanderwege angebracht sind. Friederike Preuß ist derzeit stellvertretende Hauptwegewartin des Odenwaldklubs – und eine von rund 200 Ehrenamtlichen, die sich um die korrekte Beschilderung der vielfältigen Wege durch das Mittelgebirge kümmern.
   
Ob Buchstaben und Zahlen oder bunte Zeichen wie Kreuz, Raute oder Viereck: Wer als Wanderer regelmäßig im Odenwald unterwegs ist, ist mit den Zeichen vertraut – und vertraut auf sie! Sie bieten eine wichtige Orientierungshilfe, auf die Verlass ist – selbst wenn man mal ohne Wanderkarte unterwegs oder im Kartenlesen nicht so geübt ist. Auch in Bensheim sind die Markierungen (fast) allgegenwärtig. Natürlich in erster Linie in freier Natur, aber auch in der Innenstadt entdecken aufmerksame Beobachter zahlreiche Zeichen – denn viele Wege beginnen in der Stadt oder führen mitten hindurch.
   
Insgesamt 6000 Kilometer umfassen die Strecken, die vom OWK in seinem gesamten Gebiet betreut werden – doch das sind längst noch nicht alle Wege, die durch den Odenwald führen. Hinzu kommen die Rundwanderwege des Geo-Naturparks (gelb markiert: Ziffer im Kreis) sowie die örtlichen Wanderwege der Kommunen (weiß markiert: Ziffer im Kreis mit einem Kennbuchstaben für den jeweiligen Ort – zum Beispiel B4).

Als Wanderer ist man mit den Zeichen vertraut – und vertraut auf sie.

Aufgabe der Wegewarte wie Friederike Preuß ist es, einmal Jahr – meist im Frühjahr oder Sommer – die fest zugeteilten Wegstrecken abzulaufen: Sind alle Markierungen noch gut zu erkennen oder muss nachgemalt werden? Wurde gar ein Baum mit einem Zeichen gefällt? Wir begleiten die Heppenheimerin auf einem kleinen Teilstück des OWK-Hauptwegs HW 7 (roter Strich), der durch Gronau führt.
   
Von der Kirche Sankt Anna geht es über Hambacher Straße und Herbstbaumweg hinauf in den Bannwald. Neben Pinsel und Farben – die Materialien werden vom OWK gestellt – hat die Naturfreundin auch Aufkleber mit den jeweiligen Markierungen im Gepäck. Führt der Weg durch Dörfer oder Stadtgebiet, finden sich diese meist auf den Masten von Straßenlaternen oder Verkehrsschildern. Ist ein zusätzlicher Aufkleber nötig oder muss ein alter ersetzt werden? Friederike Preuß hat alles im Blick. An Kreuzungen müssen die Aufkleber zusätzlich mit Pfeilen versehen werden, damit für den Wanderer klar ersichtlich ist, in welche Richtung er abbiegen muss.


Größtenteils sind die Wanderzeichen allerdings auf Baumstämmen zu finden und werden mit Acryllack sorgfältig aufgemalt. Muss eine Markierung ausgebessert werden, entfernt die Wegewartin zunächst mit einer Drahtbürste oberflächlichen Schmutz und Staub, bevor neue Farbe aufgetragen wird. Beim Erreichen des Waldrandes fällt der Expertin sofort auf: Hier wurde ein Baum gefällt, der eine Markierung getragen hat. Der Stumpf der einst stattlichen Buche zeigt: Der Baum war morsch und vermutlich nicht mehr standfest. Nun muss ein neues Zeichen gesetzt werden – ein paar Meter weiter wieder auf einer Buche. Die steht allerdings etwas erhöht an einer Böschung, was eine kurze Klettereinlage nötig macht. Mit viel Sorgfalt pinselt Friederike Preuß zwei neue Markierungen auf den Stamm – schließlich muss das Zeichen aus beiden Richtungen sichtbar sein. Buchen sind mit ihrer glatten Rinde bei Wegewarten besonders beliebt. Schwieriger wird das Markieren bei Eichen mit ihrer oft furchigen Borke. Bei Kiefern muss meist jedes Jahr neu gemalt werden, da die Rinde stark abblättert.
   
Erklärtes Ziel ist, dass alle Markierungen eines Weges gleich aussehen. „Man soll nicht erkennen, an welcher Stelle ein anderer Wegewart am Werk war“, erläutert Friederike Preuß. Deshalb wird nicht „frei Hand“ gemalt, sondern immer mit Schablone. Auch eine Zange ist mit im Gepäck – etwa, um kleine Zweige abzuzwacken, die ein Zeichen verdecken könnten. Grundsätzlich gilt: Vor Kreuzungen muss ein Zeichen anzeigen, in welche Richtung der Weg weiterführt. Innerhalb von 100 Metern nach dem Abzweig muss das mit einer weiteren Markierung bestätigt werden. Generell können sich Wanderer darauf verlassen, alle 150 bis 300 Meter auf ein optisches Signal zu stoßen. Manchmal können es auch bis zu 500 Meter sein, wenn auf dem Weg ohnehin keine Alternative möglich ist.

„Wenn man zehn Minuten gegangen ist, ohne auf eine Markierung zu treffen, sollte man noch mal zurück zur letzten Kreuzung“, gibt Friederike Preuß als Faustregel aus. Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man die falsche Richtung eingeschlagen oder ein Zeichen übersehen hat. Falls eine Markierung fehlt oder nicht mehr lesbar ist, sind die Wegewarte vom OWK für einen – freundlichen – Hinweis immer dankbar.

Die Heppenheimerin führt ihr Ehrenamt mit großer Leidenschaft und viel Engagement aus. Bereits seit 1997 ist sie Mitglied im OWK der Kreisstadt. Als Wegewartin trat sie in die Fußstapfen ihrer Eltern, die sich ebenfalls lange Jahre um verschiedene OWK-Strecken kümmerten. Preuß ist für insgesamt 200 Kilometer Wanderwege zuständig, so dass sie fast an jedem Wochenende in irgendeiner Ecke „ihres“ Gebiets unterwegs ist. Viele ihrer Strecken befinden sich im Überwald oder auch bei Mörlenbach und Heppenheim.

„Mir macht das viel Spaß“, betont die Buchhändlerin, die viele Jahre in der Auerbacher Bücherkiste gearbeitet hat. Der Aufenthalt in der Natur ist für sie ein toller Ausgleich zum Berufsalltag. „Das entspannt.“ Besonders freut sie sich, wenn sie als Wegewartin von Wanderern angesprochen wird, die ihr Anerkennung für ihre Mühe zollen. Und ein Lob für die ausgezeichnete Wegmarkierung im Odenwald parat haben. Von Barbara Cimander
   

Mitstreiter gesucht

Das große Netz an Wanderwegen des Odenwaldklubs erfordert ein professionelles Wege-Management. Die Gesamtsteuerung liegt dabei beim Hauptwegewart des OWK sowie neun Bezirkswegewarten, die jeweils einen Wegebezirk verantworten. Steuerungsgremium ist der Arbeitskreis Wege, in dem als stellvertretende Hauptwegewartin auch Friederike Preuß aktiv ist.

Entscheidend für eine qualitativ gute Wegekennzeichnung und Beschilderung sind die rund 200 ehrenamtlich tätigen Wegemarkierer. Weiterer Mitstreiter werden dringend gesucht und sind sehr willkommen. Wer Interesse hat und sich vorstellen kann, ein- bis zweimal im Jahr mit Farbtöpfchen und Pinsel in der Natur unterwegs zu sein, kann sich an die Geschäftsstelle des OWK wenden. Eine Mitgliedschaft im Klub ist dabei nicht zwingend erforderlich. Einsteiger können auch kurze Strecken betreuen – 200 Kilometer wie bei Friederike Preuß sind bei Wegemarkierern eher die Ausnahme.
   

Kontakt

im Staatspark Fürstenlager
in Auerbach
Telefon 06251/855856
E-Mail: info@odenwaldklub.de

QUER DURCH DEN ODENWALD

Der Odenwaldklub betreut ein Netz von rund 6000 Kilometern Wanderwegen – hinzu kommen viele weitere Strecken, die vom Geo-Naturpark oder von den Kommunen gepflegt werden.

OWK-Hauptwanderwege

Die mehr als 50 OWK-Hauptwanderwege mit einer Länge zwischen 30 und 200 Kilometern durchziehen den Odenwald und die angrenzenden Regionen wie Bergstraße oder Kraichgau. Sie sind mit bunten Symbolen gekennzeichnet: Die Wege mit roten und blauen Symbolen führen von Nord nach Süd und haben ungerade Nummern (z.B. HW 1, 3, 5…), während die Routen mit grünen und gelben Zeichen mit geraden Nummern (z.B. HW 2, 4, 6…) von West nach Ost verlaufen. Wir stellen einige Hauptwege vor, die durch Bensheim führen:

■ HW 20 (gelbes Dreieck): Der Bergstraße-Main-Weg führt über 62 Kilometer von Bensheim über Michelstadt nach Miltenberg. Von der Innenstadt geht es durch Bleiche und Bassmannpark auf den Höhenweg am Schönberger Kreuz. Von dort verläuft der Weg weiter in Richtung Elmshausen und Knoden.

■ HW 22 (grüne Raute): Der 6-Täler-Weg verläuft von Bensheim nach Walldürn im Madonnenländchen, insgesamt rund 75 Kilometer. Der Weg führt auf Bensheimer Gemarkung an der Bordmühle in Zell vorbei durch den Märkerwald und über Schannenbach nach Lindenfels. Der Weg steht derzeit als Jahresweg im Fokus des OWK. Ein Flyer weist Streckenführung und Sehenswürdigkeiten aus.

■ HW 18 (gelbes Viereck): Auf dem Vier-Länder-Weg geht es über 146 Kilometer vom Donnersberg in der Pfalz bis Wertheim am Main. Aus Biblis kommend, führt die Strecke in Bensheim durch Fehlheim und Auerbach in Richtung Reichenbach und Gadernheim (Teilstrecke des Europäischen Fernwanderwegs E8).

■ HW 7 (roter Strich auf weißem Grund): Der 184 Kilometer lange Weitwanderweg Odenwald – Vogesen streift Bensheim am östlichen Rand – vom Felsberg kommend, geht es über Elmshausen nach Gronau und von dort weiter nach Ober-Hambach.

■ Blütenweg (gelbes „B“): Der Blütenweg zählt ebenfalls zu den OWK-Hauptwegen. Er führt wie der Burgensteig auf etwa 90 Kilometern entlang der Bergstraße von Darmstadt nach Heidelberg – allerdings etwas „gemütlicher“ mit weniger Höhenmetern.

Qualitätswege „Wanderbares Deutschland“

Vier solcher vom Deutschen Wanderverband ausgezeichnete und zertifizierte Weitwanderwege gibt es im Odenwald: Alemannenweg, Nibelungensteig, Burgensteig und Neckarsteig. Alemannenweg und Burgensteig führen in Teilabschnitten auch durch Bensheim.

■ Burgensteig (Blaue Burg auf weißem Grund): Der 120 Kilometer lange Fernwanderweg führt in 9 Etappen von Darmstadt nach Heidelberg – vorbei an über 30 Burgen, Schlössern oder Kultstätten. Etappe 2 und 3 passieren Auerbacher Schloss, Kirchberg und Hemsberg.

■ Alemannenweg (Rotes „A“ auf weißem Grund): Die große Rundwanderung (144 Kilometer) zwischen Odenwald und Bergstraße beginnt in Erbach. Die 3. Etappe führt von der Kuralpe nach Zwingenberg – durch das Fürstenlager und über Auerbacher Schloss und Melibokus.

■ Nibelungensteig (Rotes „N“ auf weißem Grund): Von Zwingenberg bis Miltenberg führt die 144 Kilometer lange Wanderstrecke mit über 4000 Höhenmetern durch den Odenwald. Ein Zubringer-Weg (grünes „N“) passiert die Bensheimer Stadtteile Langwaden und Fehlheim, bis er in Auerbach auf den Blütenweg trifft, der nach Zwingenberg zum Nibelungensteig führt.

Qualitätsrundwanderwege

Circa 60 OWK-Rundwanderwege sind mit dem Qualitätssiegel „Wanderbarer Odenwald” zertifiziert. Die Tagestouren liegen zwischen 7 und 22 Kilometern Weglänge. Sie sind mit einer grünen Wegekennung (Kreis und Buchstabe) auf weißem Untergrund markiert. In Bensheim gibt es zwei solcher Wege.

■ Hessentagsweg (S1): Anlässlich des Hessentags in Bensheim im Juni 2014 haben OWK und Sparkasse Bensheim diesen abwechslungsreichen Qualitätswanderweg geschaffen. Er führt über Hemsberg, Höhenweg Schönberger Kreuz, Schönberger Schloss, Fürstenlager und das Kirchberghäuschen. Länge: 13,8 Kilometer.

■ Auerbacher Schlossweg (A1): Die Rundwanderung oberhalb von Auerbach führt durch das Fürstenlager und am Goethe-Brunnen vorbei hinauf zum Auerbacher Schloss. Länge: 7,8 Kilometer.