1. Block für Werbung geeignet (1. echter Block 10014/1044)
Werbung wurde explizit für die Seite ausgeschaltet
Sonderveröffentlichung
Themenspecial Stadtmagazin Bensheim

Burger aus dem Wohnmobil

Nadine Clarijs und Thomas Guttmann in ihrem zum Foodtruck umgebauten alten Wohnmobil. Bild: Thomas Zelinger

16.07.2021
Rettig
Nadine Clarijs und Thomas Guttmann haben ein altes Hymermobil in einen Foodtruck umgebaut. Bei „Bergstreet Streetfood“ gibt es leckere Burger und Kartoffelstampf.

Zu übersehen sind Nadine Clarijs und Thomas Guttmann definitiv nicht. Wenn sie mit ihrem 7,5 Meter langen Gefährt um die Ecke biegen, ziehen sie unweigerlich die Blicke auf sich. Und nicht nur eingefleischte Wohnmobilfans nehmen das 40 Jahre alte Hymermobil gerne mal genauer unter die Lupe. Auch wenn man das Duo regelmäßig auf Campingplätzen antreffen kann – auf Reisen sind die beiden nicht. Das stattliche Fahrzeug dient Clarijs und Guttmann nicht als Zuhause auf Zeit, sondern als Arbeitsplatz: Umgebaut in einen Foodtruck, wird im Inneren Essen zum Mitnehmen zubereitet. „Bergstreet Streetfood“ steht in geschwungenen Lettern auf ihrem ausgefallen Imbisswagen.

Sie ist Hotelfachfrau, er gelernter Koch: Eine ideale Kombination, um gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen und sich selbstständig zu machen, fanden die beiden Bensheimer, die nicht nur beruflich ein Team, sondern auch privat ein Paar sind. Zunächst schwebte den beiden ein Hofcafé in einem alten Bauernhof vor, doch dann wurde die Idee mit dem Foodtruck geboren. Schließlich ist das Paar auch gerne auf Reisen und „on the road“. Im Internet begaben sich die zwei auf die Suche: Zunächst nach entsprechenden Anhängern, doch schon bald war klar, dass es ein Wohnmobil werden sollte. „Wir wollten etwas Besonderes haben.“ Fündig wurden sie dann in Holland, von wo das Hymermobil mit dem Mercedes-Unterbau, Baujahr 1981, nach Deutschland rückgeführt werden musste.
    
Das 40 Jahre alte Hymermobil wurde liebevoll umgestaltet. Bild: Thomas Zelinger
Das 40 Jahre alte Hymermobil wurde liebevoll umgestaltet. Bild: Thomas Zelinger
Es folgte im Frühjahr und Sommer 2019 eine aufregende und arbeitsreiche Zeit. „Wir haben zwei Monate lang jeden Tag daran gearbeitet“, erinnert sich Nadine Clarijs. Fast alles haben die beiden selbst gemacht, unterstützt von Familie und Freunden. Das Interieur wurde größtenteils rausgeschmissen, die Sitzgruppe – mit braun-beigem Blumenmuster – musste weichen, die Nasszelle wurde ebenso erneuert wie Strom- und Wasserleitungen. Eine Gasleitung wurde professionell eingebaut. Geblieben und noch original erhalten sind Fahrerhaus und Küche. Die Einbauschränke, einst in Holzoptik, wurden hell gestrichen. Und auch das Außenkleid erhielt eine neue Farbgebung: Mint und Cremeweiß statt der klassischen Brauntöne. Auf diese Weise aufgehübscht, verströmt der 40 Jahre alte Truck noch jede Menge Retro-Charme.

Bis es so weit war und der fertige Foodtruck im neuen Glanz erstrahlte, hatten Clarijs und Guttmann auch mit unliebsamen Überraschungen zu kämpfen. „Es gab immer mal wieder neue Baustellen, die sich aufgetan haben“, erzählt der 39-Jährige. Von undichten Dachluken und Wasser im Dach als Folge bis zu Dutzenden verrosteter Schrauben, die ausgetauscht werden mussten. Schon früh hat das Paar mit dem Gesundheitsamt Kontakt aufgenommen. Wie in der Gastronomie üblich müssen auch bei einem Foodtruck Hygiene- und Sicherheitsstandards beachtet werden. Gleichzeitig muss das Gefährt weiterhin straßentauglich sein, was durch den TÜV überprüft und abgenommen wurde. Trotz unerwarteter Probleme und der ein oder anderen Widrigkeit, die den beiden zusätzliche Zeit und Nerven kosteten: „Ich war immer positiv und überzeugt: Wir schaffen das!“, berichtet Nadine Clarijs. Man spürt, wie viel Herzblut die beiden in ihr Projekt investiert haben.
Thomas Guttmann ist gelernter Koch. Seine Spezialität bei „Bergstreet Streetfood“ sind hausgemachte Burger mit einer Scheibe „Soft Pork“. Bilder: Thomas Zelinger
Thomas Guttmann ist gelernter Koch. Seine Spezialität bei „Bergstreet Streetfood“ sind hausgemachte Burger mit einer Scheibe „Soft Pork“. Bilder: Thomas Zelinger
Ende August 2019 stand dann der erste Arbeitseinsatz im Terminkalender: das Golden Leaves Festival im Schlosspark Kranichstein in Darmstadt. „In der Woche davor war noch mal richtig Halligalli“, erinnert sich Clarijs rückblickend. Erst am Vormittag holte sie in Heppenheim in der Zulassungsstelle die gültigen Nummernschilder für den Truck ab – dann konnte es losgehen. Und der erste Einsatz hat gleich richtig Spaß gemacht.

Was steht bei „Bergstreet Streetfood“ auf der Speisenkarte? „Hausmannskost neu interpretiert“, umschreiben die beiden ihr Angebot. Im Mittelpunkt stehen hausgemachte Burger – statt mit Hackfleisch-Patty mit einer Scheibe zartem Fleisch vom Schwein. Dafür mariniert Thomas Guttmann einen Schweinenacken, der am Stück für acht Stunden in den Ofen kommt – ähnlich wie man es von Pulled Pork kennt. Das Fleisch wird aber dann nicht in Stücke gerupft („ich will sehen, was ich esse“), sondern in Scheiben geschnitten. Zusammen mit Salat, Tomaten und einer leckeren hausgemachten Soße wird daraus ein echter Gaumenschmaus. Neben der klassischen Variante kann man den Burger auch mit Handkäs, Schmorzwiebeln oder Krautsalat ordern. Eine vegetarische Variante ist ebenfalls im Angebot – etwa mit Zucchini-Käse Patty. Als Beilage – oder eigenes Gericht – gibt es Kartoffeln, aber nicht in Form von Pommes Frites, sondern als Kartoffelstampf wie zu Großmutters Zeiten. Garniert mit Zwiebeln, Käse oder gebratenem Speck. Thomas Guttmann legt Wert auf Nachhaltigkeit, die Produkte sollen, wenn möglich, aus der Region stammen. Die Burger Buns bezieht der Koch von der Bäckerei Blüm in Bürstadt. Was übrig bleibt, wird – wann immer es geht – weiterverwertet. Aus Brötchen werden dann etwa Semmelbrösel oder Serviettenknödel.

„Die Arbeit macht einfach irre viel Spaß!“

Nach dem Start im Spätsommer 2019 ist das Geschäft von Nadine Clarijs und Thomas Guttmann gut angelaufen. Das Duo war unter anderem auf Streetfood-Märkten vertreten, auch privates Catering für größere Feierlichkeiten ist möglich. „Ein echter Glücksfall“, so Clarijs, war die Teilnahme am Foodtruck-Market vor der Darmstädter Centralstation in der Adventszeit 2019, wo die beiden vier Wochen lang vor Ort waren. Anfang 2020 ging es den beiden dann wie vielen anderen in der Veranstaltungsbranche: Mit der Corona-Pandemie kam eine Absage nach der anderen. Keine leichte Zeit für die Jungunternehmer. „Die Stimmung war schon teilweise gedrückt“, sagt Nadine Clarijs. Beide nahmen Teilzeitjobs an, um die auftragsarme Zeit zu überbrücken. Mittlerweile ist das Geschäft wieder angelaufen – und der Fokus der beiden liegt auf der Zukunft: „Noch ist nicht alles wie vorher, aber wir sind optimistisch.“
Mit ihrem Foodtruck sind Nadine Clarijs und Thomas Guttmann in der Region unterwegs. Auf dem Bild links unten ist zu sehen, wie das Hymermobil vor dem Umbau aussah. | Bilder: Thomas Zelinger, privat
Mit ihrem Foodtruck sind Nadine Clarijs und Thomas Guttmann in der Region unterwegs. Auf dem Bild links unten ist zu sehen, wie das Hymermobil vor dem Umbau aussah. | Bilder: Thomas Zelinger, privat
Momentan trifft man „Bergstreet Streetfood“ in regelmäßigen Abständen auf dem Campingplatz in Schlierbach an sowie unterhalb der Weinberge bei der Domäne Bergstraße des Staatsweingutes in Heppenheim. Dort kann man auf der Terrasse mit herrlichem Blick in die Ebene und die umliegenden Weinlagen ein Gläschen Bergsträßer Wein genießen und sich zur Stärkung Burger oder Stampf gönnen. Die Kooperation laufe prima, bestätigt das Paar. Ende Juli steuert der Foodtruck dann mal wieder Darmstadt an. Beim „Endlich Open-Air“ auf dem Messplatz werden die Besucher unter anderem von Bergsträßer Streetfood verköstigt.

Längst sind Nadine Clarijs und Thomas Guttmann in ihrem Truck ein eingespieltes Team. Die Handgriffe sitzen, die Routine ist da – „jeder hat seine Aufgaben“. Rund zwei bis drei Stunden vor Veranstaltungsbeginn sind die beiden in der Regel vor Ort, um mit den Vorbereitungen zu beginnen. „Es macht einfach irrsinnig viel Spaß“, sagen die zwei über ihren Arbeitsplatz im einstigen Wohnmobil. Beim Steuern des Sieben-Meter-Trucks gibt es keine klare Rollenverteilung. Beide nehmen gerne hinterm Lenkrad Platz. „Er lässt sich ganz easy fahren“, berichtet die 35-jährige Bensheimerin über ihr 40 Jahre altes Gefährt – „fast wie ein Bus“. „Man hat das Gefühl, dass die Zeit im Truck ein bisschen langsamer läuft – bis auf die Wartezeit natürlich“, fügt sie lachend hinzu. Barbara Cimander

KONTAKT

Bergstreet Streetfood
E-Mail: info@bergstreet.de, Telefon 0160/90555855

Termine
16. Juli: Domäne Bergstraße Heppenheim, ab 12 Uhr
17. Juli: Terrassencamping Schlierbach, Lindenfels, ab 16 Uhr
31. Juli, bis 8. August: Endlich Open-Air, Messplatz Darmstadt
Weitere Artikel
Es war eine Zeit des Umbruchs, aus der vor 50 Jahren die Gemeinde Lautertal geboren wurde. Mit der hessischen Gebietsreform veränderte sich die kommunale Landkarte des Landes Hessens nachhaltig. Das
09.06.2022
Mit der offiziellen Gründung der Gemeinde Lautertal am 1. Januar 1972 endete zwar ein langer Weg. Jener, der zum heutigen Bild der Kommune führen sollte, begann aber erst. Schon die ersten Monate
09.06.2022
Als Vorsitzender der Gemeindevertretung prägt Helmut Adam (CDU) die Lautertaler Kommunalpolitik entscheidend mit. Zuvor war er Erster Beigeordneter und musste nach dem Rücktritt von Bürgermeister
09.06.2022

Hallo liebe Welt der UTF-8 Umlaute Übersicht

Umlaut ä = ä
Umlaut ö = ö
Umlaut ü = u
Umlaut Ä = Ä
Umlaut Ö = Ö
Umlaut Ü = Ü
und das scharfe s ß = ß