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Sonderveröffentlichung
Themenspecial Stadtmagazin Bensheim

Das Latwerge-Rezept ist streng geheim

Seit 60 Jahren bringen sich die Fehlheimer Landfrauen in das Ortsgeschehen aktiv ein. Das Quetschenmuskochen machte sie über die Region hinaus bekannt.


16.07.2021
Keine Chance! Das Originalrezept für die Fehlheimer „Latwerge“ wird nicht verraten. „Es bleibt Geheimsache“, bekräftigt die Vorsitzende der Landfrauen und einstige „Latwergekönigin“ Adelheid Lang lachend – obwohl die Zutaten und Gewürze des Zwetschgenmuses weitgehend bekannt sein dürften. Die Gewürz-Mixtur allerdings, exklusiv von der Drogerie Scheid im Auftrag hergestellt, ist es nicht. Eine wichtige Kleinigkeit gibt sie dann aber doch noch preis: Man sollte nur kleine Quetschen verarbeiten.
2015 war Schluss mit der liebgewordenen, aber ziemlich anstrengenden und aufwendigen Tradition des öffentlichen Latwergekochens, für das die Landfrauen über die Grenzen von Fehlheim und Bensheim hinaus bekannt waren. Begonnen hat alles 1984. „Jeder wollte dabei sein und mitmachen. Inzwischen sind wir aber alle älter geworden und können nicht mehr bis zu zehn Stunden am Kessel stehen und unentwegt rühren und einkochen, bis die Flüssigkeit entwichen ist. Einige der Frauen sind inzwischen auch schon verstorben“, erklärt das Vorstands-Duo Adelheid Lang und Elke Schäfer das endgültige Aus.
 
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Spaß hat es gemacht und es war immer eine Riesen-Gaudi, versichern die beiden Frauen und kommen ins Schwärmen. Zwischen sieben und zehn Kilo Quetschen hat der weibliche Trupp verarbeitet und beim Herbstfest anschließend für den guten Zweck verkauft. Zunächst aber mussten die Gläser sterilisiert, die Quetschen entsteint und durch den Fleischwolf gedreht werden. Am nächsten Morgen gegen 6 Uhr in der Früh wurde der Kessel in der Waschküche oder im überdachten Hof mit Briketts und Holz angeheizt und das Fruchtmus oftmals bis Mitternacht gerührt, solange bis das Wasser vollständig verdampft war.

Auf dem Fehlheimer Herbstfest wurde die Köstlichkeit anschließend angeboten, der Erlös ging unter anderem an den Hospizverein, die lokale Freiwillige Feuerwehr, die Kirche oder ein Kinderheim. Auch etliche andere gemeinnützige Organisationen profitierten von der Kreativität, den Strick- und Häkelkünsten, den Backkreationen („Torten waren am meisten gefragt“) und Gastgeberinnen-Qualitäten der Landfrauen – wie etwa die Lebenshilfe, krebskranke Kinder im Heidelberger Klinikum oder die Opfer der Flutkatastrophe.

„Unser Verein wird überleben“, sind sich die Landfrauen sicher.

„Wir waren immer da, wenn wir gerufen wurden, und alle haben geholfen. Ein Nein gab es nicht. Wir haben uns gern im und für den Ort eingebracht“, versichert Adelheid Lang: Bei Altennachmittagen und auf Schulfeiern, in Kitas, beim Frühlings- und Herbstfest, auf Fastnachtsveranstaltungen, den Bensheimer Seniorentagen und sogar dann, wenn der Pfarrer zu seinem Abschied die Gemeindemitglieder zum Mittagessen eingeladen hat. Die Frauen haben gebacken, gekocht, Brötchen geschmiert und aufgetischt. Wenn Spendengeld in die Kasse kam, wurde es für soziale Zwecke ausgegeben. Elke Schäfer erinnert sich gut daran, dass sie einmal an die hundert Flaschen Eierlikör angesetzt und verkauft hat. Selbst vor den Fernsehkameras bei „Hessen à la carte“ haben die Fehlheimerinnen beim Anrichten ihrer original „Lauchcremesuppe mit Schmelzkäse“ eine gute Figur gemacht.
 
Adelheid Lang (rechts) und Elke Schäfer engagieren sich seit vielen Jahren bei den Fehlheimer Landfrauen. Bilder: Thomas Neu
Adelheid Lang (rechts) und Elke Schäfer engagieren sich seit vielen Jahren bei den Fehlheimer Landfrauen. Bilder: Thomas Neu
Das Latwergekochen gehörte zu den selbstbewussten Fehlheimer Landfrauen einfach dazu – wie all die anderen Aktionen, mit denen sie seit ihrer Gründung 1960 in mehr als 60 Jahren in der Öffentlichkeit aufgetreten sind und auf vielfältige Weise die Dorfgemeinschaft unterstützt und geprägt haben. Auf vielen Winzerfest- und Kerweumzügen und beim Hessentag war die Fußgruppe mit ihren selbst genähten Kostümen oder in ihrer Tracht aus grünem Rock, weißer Bluse und Jäckchen ein Hingucker und verbreitete gute Laune. Und sogar einen Preis als drittschönster Motivwagen heimsten die Landfrauen im 50. Jubiläumsjahr 2010 beim Winzerfest in Bensheim ein. Eng verbunden fühlen sich die Landfrauen dem Freundeskreis Bensheim-Klodzko und den polnischen Freunden vor Ort. „Und natürlich haben wir mit unseren Mitgliedern gemeinsame Ausflüge und Fahrten gemacht, Modenschauen organisiert, Fahrradtouren unternommen, eine Tanz- und eine Gymnastikgruppe ins Leben gerufen“, erzählen die beiden Vorsitzenden, die zusammen mit dem Gesamtvorstand aus Altersgründen kürzer beziehungsweise in die zweite Reihe treten wollen, von einem regen Vereinsleben. Auch Vorträge zu Themen wie Ungezieferbekämpfung und Sicherheit im Haus wurden organisiert, daneben Fahrten zur Bundesgartenschau, in den Stuttgarter Zoo oder den Landtag in Wiesbaden.
 
Adelheid Lang als „Latwergekönigin“ 2014 inmitten ihrer Landfrauen-Kolleginnen beim Kerweumzug in Fehlheim. Bild: Thomas Neu
Adelheid Lang als „Latwergekönigin“ 2014 inmitten ihrer Landfrauen-Kolleginnen beim Kerweumzug in Fehlheim. Bild: Thomas Neu
Nicht nur Corona hat den Landfrauen von Fehlheim seit gut eineinhalb Jahren den Wind aus den Segeln genommen, auch der Altersdurchschnitt macht dem Verein zu schaffen. Von ehemals 60 Mitgliedern sind heute gerade noch 40 mehr oder weniger aktiv. Immerhin! „Unser Verein wird überleben. Es finden sich ganz sicher Nachfolgerinnen“, sind sich Adelheid Lang und Elke Schäfer dennoch sicher und wünschen sich, dass jüngere Frauen mit neuen Ideen frischen Wind in ihre Reihen bringen mögen: „Und wir stehen schon für unseren Ausflug 2021, der wegen der Pandemie leider zweimal abgesagt wurde, in den Startlöchern. Dann gibt es im Bus wieder das berühmt-berüchtigte Landfrauen-Frühstück mit Weck und Fleischwurst, Kuchen, Kaffee und Sekt.“ Gerlinde Scharf
 

Vereinsgeschichte

Seit 60 Jahren aktiv

Gegründet wurde der Landfrauenverein Fehlheim 1960/61 mit Unterstützung von Lena von Wersebe von der Landwirtschaftsschule Heppenheim. Erste Vorsitzende war Anna Ehlert, die den Verein bis 1976 führte. Ihr Anspruch war es, die Frauen in der Gemeinde auch im öffentlichen und kommunalen Leben zur Geltung zu bringen und sie kulturell und beruflich zu fördern.

Anna Ehlert rückte das Vereinsleben in Fehlheim bald durch Theatervorführungen, Vorträge und Kurse in die Öffentlichkeit. Lina Andel gründete eine Gymnastikgruppe.

Zum ersten Mal übernahm der Landfrauenverein 1965 bei den Feierlichkeiten anlässlich der Schuleinweihung die Bewirtung der Festgäste. Später wurde Anna Ehlert für ihre ehrenamtliches Engagement mit dem Landesehrenbrief ausgezeichnet.

Im Januar 1976 übernahm Katharina Becker als Erste Vorsitzende den Verein. Sie verstarb im Jahr 1979. Zur Nachfolgerin wurde 1980 Gertrud Wetzel gewählt, die die bereits gesteckten Ziele in die Tat umsetzte. Sie organisierte unter anderem den ersten Osterbasar.

1984 kam Elisabeth Petek an die Vereinsspitze, initiierte das erste Latwergekochen, das Erntedankfest und den Weihnachtsmarkt. 1986 übernahm Karola Mehl die Leitung der Landfrauen, die 1987 auch das 25-jährige Jubiläum ausrichteten. Aus Altersgründen gab sie den Vorsitz 2004 an Adelheid Lang ab, die bis heute den Verein führt.

Lang rief unter anderem das Herbstfest wieder ins Leben und intensivierte die Beziehungen zum Polnischen Freundeskreis in Bensheim. Es folgten mehrere Besuche und Gegenbesuche der Landfrauen in Klodzko.
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