Sonderveröffentlichung
Themenspecial Stadtmagazin Bensheim

Die Bergstrasse macht Lust auf Laufen

   

Ines Harjes am Blauen Türmchen. Bild: Thomas Neu

8.05.2020
Laufen liegt im Trend – und das nicht erst, seit die Fitnessstudios aufgrund der Corona-Krise ihre Türen schließen mussten. Die Bergstraße und die Hügel des Odenwalds bieten sowohl Hobby- als auch ambitionierten Läufern verschiedene attraktive Streckenprofile. Wir haben fünf Sportlerinnen und Sportler nach ihrer Lieblingsstrecke rund um Bensheim gefragt.

Über die Höhenwege des vorderen Odenwaldes, entlang der Hänge der Bergstraße oder durch das Ried: Bensheim bietet Läufern innerhalb seines Stadtgebietes von hügelig über wellig bis flach attraktive Streckenprofile sowie jede Menge reizvolle Landschaften. Wer an der Bergstraße oder im Odenwald joggt, dem eröffnen sich immer wieder neue Aussichten auf Bensheim und seine Stadtteile. Ist man auf den Wegen im Ried unterwegs, präsentieren sich dem Läufer Kirchberg oder Auerbacher Schloss in spannenden, wechselnden Perspektiven. Neben den positiven Effekten des Laufens für Körper und Geist bietet die Bewegung durch die vielfältigen Bensheimer Kulissen zusätzlich ein Naturerlebnis der besonderen Art. Fünf passionierte Sportler haben dem Stadtmagazin ihre Lieblingslaufstrecken in Bensheim und um Bensheim herum verraten.

INES HARJES

Eine der Lieblingslaufstrecken von Ines Harjes geht locker auch als anspruchsvolle Ganztageswanderung durch. Auf 18 bis 20 Kilometer veranschlagt die 43-Jährige die Distanz, die sie bei der Strecke Reichenbach – Bensheim – Reichenbach zurücklegt. Als viermalige Deutsche Marathon-Meisterin (zwei Einzel- und zwei Teamtitel) ist Harjes ziemlich flott unterwegs zwischen Lautertal und Bergstraße. Auf etwa 1:45 Stunden schätzt sie die Zeit, die sie braucht, um die Tour zu bewältigen. „Danach bin ich ziemlich kaputt, ich bin ja nicht mehr so im Training wie früher.“ Ihre Bestzeit über die Marathon-Strecke (42,195 Kilometer) liegt bei 2:39,40 Stunden. Die Zehn-Kilometer-Schleife beim Bensheimer Laufevent Jog&Rock absolvierte sie im vergangenen Jahr in 38:46 Minuten. Diese zehn Jog&Rock-Kilometer sind der einzige Wettbewerb, den sie noch regelmäßig bestreitet – und regelmäßig gewinnt.

Die Reichenbach/Bensheim-Runde bietet schöne Landschaften und ist aufgrund der zu überwindenden Höhenmeter eine sportliche Herausforderung, erzählt Harjes. Momentan hat sie zwischen Familie und Beruf nur noch selten Zeit, diesen Streifzug zu unternehmen. Laufen bedeutet für die Lehrerin, die am AKG unterrichtet, Entspannung und bietet vor allem die Gelegenheit, Vergangenes zu reflektieren oder über Zukünftiges nachzudenken. Ines Harjes, früher Wahl-Bensheimerin, heute Wahl-Reichenbacherin, hat die Strecke in beide Richtungen zurückgelegt. „Es ist beides sehr schön.“

INES HARJES’ LIEBLINGSSTRECKE:
Hofgut Hohenstein – Hohberg – Schönberger Kreuz Blaues Türmchen – Kirchberghäuschen – Wambolder Sand – Fürstenlager – Grenzpunkt Toter Mann – Selterswasserhäuschen – Borstein – Reichenbach
 
Die Bergstrasse macht Lust auf Laufen Image 1
 
ANTONIO CARRASCO

Antonio Carrasco ist in Sachen Laufen ein Spätstarter. Erst mit Mitte 20 zog es ihn zum Joggen. Heute ist der 44-jährige Sportlehrer und bereitet Läufer auf Stadtrennen wie Jog&Rock vor. Er selbst ist kein Wettkampftyp. „Ich habe nicht den Ehrgeiz, mich mit anderen in einem Wettbewerb zu messen. Ich laufe nur für mich.“ Bei Jog&Rock schlägt er dennoch regelmäßig über die Zehn-Kilometer-Runde auf. Er fungiert als Schrittmacher für seine Laufgruppen und funktioniert dabei exakt wie ein Uhrwerk: Die 45 Minuten liefert er über diese Distanz quasi automatisch ab – und das seit zehn Jahren. „Das ist meine Zeit. Für mich heißt das, dass ich mich immer verbessere, da ich trotz zunehmenden Alters mein Level halte“, sagt er schmunzelnd.
 
Antonio Carrasco läuft gerne den Kirchberg hinauf – artistische Einlagen sind auch mal dabei. Bilder: Thomas Neu
Antonio Carrasco läuft gerne den Kirchberg hinauf – artistische Einlagen sind auch mal dabei. Bilder: Thomas Neu
Seine Bensheimer Lieblingsstrecke führt Antonio Carrasco von der Startrampe Weiherhausstadion über den Stadtpark zunächst zum Kirchberghäuschen. Weitere Stationen auf seiner ungefähr 12 Kilometer langen Exkursion sind unter anderem Toter Mann und Fürstenlager, dessen Schönheit ihn jedes Mal aufs Neue begeistert, ehe es durch Auerbach zurück zum Weiherhaus geht. Das Streckenprofil und die unterschiedlichen Perspektiven dieser Route findet er ideal. „Ich mag die Abwechslung.“

„Ich habe nicht den Ehrgeiz, mich mit anderen zu messen. Ich laufe nur für mich“, sagt Antonio Carrasco.

Während der rund 70 Minuten, die der Wahl-Bensheimer auf Achse ist, gehen ihm verschiedene Dinge durch den Kopf. „Wenn ich laufe, denke ich an alle möglichen Sachen: Job, Kunden, Training, meine Kinder, Arbeit im Garten.“ Um richtig entspannen zu können, benötigt Antonio Carrasco das richtige Wetter: „Wenn es regnet, kann ich tatsächlich richtig abschalten. Beim Laufen den Regen im Gesicht zur spüren, ist einfach herrlich.“

ANTONIO CARRASCOS LIEBLINGSSTRECKE:
Weiherhausstadion – Rathaus – Stadtpark – Kirchberghäuschen – Wambolder Sand – Toter Mann – Marmorit-Gelände – Eremitage – Fürstenlager – Bergfriedhof – Auerbach – Weiherhausstadion.
 
Die Lieblingsstrecke von Sophia Wolf führt von Bensheim zum Niederwaldsee bei Rodau. Bilder:Thomas Neu
Die Lieblingsstrecke von Sophia Wolf führt von Bensheim zum Niederwaldsee bei Rodau. Bilder:Thomas Neu
SOPHIA WOLF

Im vergangenen Jahr stand Sophia Wolf bei den Deutschen Meisterschaften im U20-Finale über 800 Meter. Ihre Bestzeit über diese Mittelstrecken-Distanz steht aktuell bei 2:14,40 Minuten. Die Tempohärte für die ultra-anstrengenden zwei Stadionrunden holt sich die 20-Jährige auch auf Bensheimer Wegen. Zu ihren Favoriten zählt dabei die Route von ihrem Zuhause am Leimenberg zum Niederwaldsee und zurück. Nach einer kleinen Rallye durch die City über das Rathaus bis zum Weiherhausstadion erstreckt sich der schönste Abschnitt der Strecke von der Kriegsgräberstätte bis zum Niederwaldsee. „Ich mag diese lange Gerade durch die Felder.“

Wenn die Lehramtsstudentin loslegt, ist sie meist mit einer festen Vorgabe unterwegs: Je nach Länge der Etappe peilt sie eine Kilometerzeit zwischen 4:25 und 5 Minuten an. Bei flottem Tempo lässt sich die junge Frau, die für den TV Groß-Gerau startet, über Kopfhörer von schnellen Beats antreiben. Sie hat sich eine Playlist mit Songs erstellt, die zu ihrem Laufrhythmus passen. „Das brauche ich, sonst wird es etwas eintönig.“ Hauptsächlich konzentriert auf Uhr und Musik hat Sophia Wolf dennoch stets einen Blick für die Schönheiten der Natur um sie herum. „Ein Sonnenuntergang am Niederwaldsee hat schon was“, schwärmt sie. Je nachdem, ob eine Umrundung des Gewässers ansteht oder nicht, schätzt sie die Länge des Kurses auf zehn bis 12 Kilometer, für die sie zwischen 1:10 und 1:15 Stunden benötigt.

SOPHIA WOLFS LIEBLINGSSTRECKE:
Leimenberg – Rathaus – Weiherhausstadion – Kriegsgräberstätte – Niederwaldsee – eine Seeumrundung und zurück.
     
Antje und Mathias Mittlere starten ihre Laufrunden meistens in Gronau. Bild: Thomas Neu
Antje und Mathias Mittlere starten ihre Laufrunden meistens in Gronau. Bild: Thomas Neu
ANTJE UND MATHIAS MITTERLE

Antje und Mathias Mitterle präferieren die Strecken, die um ihren Wohnort Gronau liegen. „Wir starten direkt vor unserer Haustür“, sagt Mathias Mitterle. Ein Lieblingsweg führt das Ehepaar bergauf durch Meerbachtal und Märkerwald bis nach Schannenbach und bergab wieder zurück nach Gronau. Für die insgesamt rund 16 Kilometer lange, gut beschilderte Tour benötigen Antje (54) und Mathias (57) Mitterle „je nach Form“ gut eineinhalb Stunden. Das gemeinsame Hobby lebt auch von der gegenseitigen Motivation. „Wenn einer mal keine Lust hat, wird er vom anderen mitgezogen“, erzählt Mathias Mitterle.

Auf der Strecke wird Geschäftliches (Mathias Mitterle: „Beim Laufen habe ich die besten Ideen“) sowie Privates besprochen. Aber auch schweigend traben die beiden durch den Buchenwald und genießen die Schönheit der Landschaft. Erst durch das Laufen hat der Orthopädie-Schuhmachermeister einen Blick für die jahreszeitlichen Besonderheiten der Natur entwickelt. „Vorher habe ich das gar nicht wahrgenommen.“ Jetzt registriert er bewusst alle Veränderungen im Wald, auf Wiesen und Feldern.

Bild: vladakela - stock.adobe.com
Bild: vladakela - stock.adobe.com
Antje Mitterle, die schon lange aktive Joggerin ist, brachte ihren unter Rückenproblemen leidenden Mann zum Laufen. Aus einer Therapie wurde Leidenschaft. „Ich habe zu meiner Frau gesagt, lass es uns richtig angehen.“ Richtig angehen bedeutete, sich ein Ziel zu setzen: Marathon. Inzwischen haben Antje (Bestzeit: 4:05 Stunden) und Mathias (3:57,58 Stunden) die „Big Five“ der City-Marathonrennen bestritten. Boston, London, Berlin, Chicago, New York. Weitere Marathon-Starts sind derzeit nicht geplant, aber für die Zukunft nicht ausgeschlossen. Mathias Mitterle: „Es könnte sein, dass sich mit Freunden aus einer Laune heraus noch mal ein größeres Projekt ergibt.“

ANTJE UND MATHIAS MITTERLES LIEBLINGSTRECKE:
Gronau – Schannenbach – Gronau. Von Eric Horn
Rettig
Schuhhaus Rohr
Kaufhaus Ganz