1. Block für Werbung geeignet (1. echter Block 10014/1044)
Werbung wurde explizit für die Seite ausgeschaltet
Sonderveröffentlichung
Themenspecial Stadtmagazin Bensheim

Erster Babyboom im Geburtshaus

Die Einrichtung im Geburtshaus vermittelt eine heimelige Wohlfühl-Atmosphäre. Bild: Thomas Zelinger

16.07.2021
Im April hat das Geburtshaus Bergstraße in der Fehlheimer Straße seine Arbeit aufgenommen. Seither haben die Hebammen dort rund 20 Geburten betreut. Von den Familien gibt es viel Lob für die neue Einrichtung. Die Resonanz ist groß – und es stehen schon etliche Familien auf der Warteliste.

Es war eine Traumgeburt“, schwärmen Aysha und Farukh Javeed, deren kleine Tochter Maya am 18. Mai im Geburtshaus Bergstraße zur Welt kam. Das erste Kind der Bensheimer Familie wurde im Krankenhaus geboren. Für das zweite wünschten sie sich eine Geburt ohne Intervention, wie die jungen Eltern erzählen. Deshalb entschieden sie sich für das Geburtshaus in der Fehlheimer Straße 62. Abends um 22 Uhr kamen die Wehen, nach telefonischem Kontakt mit dem Hebammenteam trafen beide kurz nach 1 Uhr nachts im Geburtshaus ein – und um 2.49 Uhr war Maya da. Am nächsten Morgen gegen 9 Uhr konnten Mutter, Vater und Kind dann nach Hause gehen. Jetzt macht Aysha Javeed noch einen Rückbildungskurs bei den Hebammen im Geburtshaus – und freut sich mit ihrem Mann Farukh über ein total entspanntes Baby.
     
Von Anfang an habe man sich im Haus wohlgefühlt, „eine gemütliche Einrichtung wie zu Hause“, erinnert sich Farukh Javeed. Schon bei den ersten Besuchen habe man alles gezeigt bekommen und sei nach den individuellen Wünschen für die Geburt befragt worden. Auf alles seien die Hebammen eingegangen und am Ende war es genau so, wie es sich Aysha Javeed vorgestellt hatte: eine schöne Wassergeburt in der großen Badewanne.

Für die Gebärenden stehen drei Räume zur Verfügung, die man atmosphärisch ungefähr den Elementen Luft, Wasser und Erde zuordnen könnte. Im „Wasser-Raum“ dominiert natürlich die Badewanne, in den beiden anderen machen die luftige oder von erdigen Tönen bestimmte Farbgebung und die individuellen Möbel aus einer Darmstädter Waldorf-Schreinerei den Charakter aus. Alles wirkt dort eher wie ein privates Wohn-Schlafzimmer – auch weil eventuell nötige Hilfsmittel für die Geburt diskret in Schränken aufbewahrt werden. Gedimmtes Licht und tagsüber leicht zu verdunkelnde Räume tragen zur Entspannung der Gebärenden bei.
Familie Javeed, hier mit den Hebammen Kayoko Wallenstein und Annett Haase, ist glücklich über die Geburt ihrer Tochter Maya im Geburtshaus. Bilder: Thomas Zelinger
Familie Javeed, hier mit den Hebammen Kayoko Wallenstein und Annett Haase, ist glücklich über die Geburt ihrer Tochter Maya im Geburtshaus. Bilder: Thomas Zelinger
Die heimelige Stimmung des Hauses kommt auch durch die in vielen Räumen erhaltenen Holzfußböden und eine schöne alte Treppe zustande. Hinter dem Haus liegt ein Garten mit einem großen Baum und es gibt auch eine kleine Terrasse, die – sobald sich entsprechende Spender finden – noch hergerichtet werden soll.

Denn ohne Spenden – in Form von Geld oder als Sachspende – geht nichts. Das Geburtshaus ist nämlich keine von der Öffentlichkeit und ihren Institutionen finanzierte Einrichtung, sondern das Baby eines Trägervereins, der sich im Juni 2020 gegründet hat. Zwei Motivationsstränge kamen hier zusammen: Mehrere engagierte Bensheimer um Doris Walter und den damaligen Bürgermeister Rolf Richter wollten sich nicht einfach so damit abfinden, dass nach der Schließung der Geburtshilfeabteilung des Heilig-Geist-Hospitals in der Stadt keine Kinder mehr geboren werden sollten. Und auf der anderen Seite gab es Hebammen, die mit der Situation an den Krankenhäusern unzufrieden waren und von einem Ort träumten, „wo sich die Frauen geschützt der Geburt hingeben können“, erklärt Birgit Heidkamp, Hebamme, Vereinsmitglied und Büroleiterin des Geburtshauses. Sie sagt, eine entspannte Geburt bringe entspannte Kinder hervor.

Für Entspannung sorgt auch die personelle Situation: Im Geburtshaus sind bei der Geburt immer zwei Hebammen dabei. Und die können sich Zeit nehmen und stehen nicht unter dem Druck, etwa mehrere parallele Geburten betreuen zu müssen, wie es im Krankenhaus öfter vorkommt. Die Hebammen verstehen sich als Unterstützerinnen der Frauen. Sie sind da, um Sicherheit zu geben, und lassen die Frauen das machen, was sie von sich aus für richtig halten. Die Hebammen greifen erst dann ein, wenn die Gebärenden allein nicht mehr zurechtkommen. „Bewegung ist bei der Geburt wichtig“, beobachten die Hebammen, und so können die Frauen frei wählen, ob sie sich im Vierfüßlerstand wohler fühlen oder über eine von der Decke baumelnde Hängematte gelehnt oder in irgendeiner anderen Stellung.

Ein Ort, an dem sich Frauen „geschützt der Geburt hingeben können.“

Insgesamt besteht das Team neben Birgit Heidkamp aus sechs freien Hebammen: Eva Oßwald, Nina Paasche, Annett Haase, Kayoko Wallenstein, Sarah Göbel und Lara Chiostergi kümmern sich derzeit um das Wohl der werdenden Mütter. Zur Geburt anmelden können sich die Frauen, sobald sie von ihrer Schwangerschaft wissen – je früher desto besser. So können sie alle regulären Vorsorgeuntersuchungen nach den Mutterschaftsrichtlinien (außer Ultraschall) im Geburtshaus durchführen lassen und lernen schon dabei und in den Geburtsvorbereitungskursen alle Hebammen kennen. Das ist wichtig, denn so sind ihnen alle vertraut, und rund um die Uhr und rund ums Jahr ist damit gewährleistet, dass bei der Geburt keine Fremde auf dem Dienstplan steht.

Was man sofort spürt, wenn man das Geburtshaus betritt: Hier machen die Menschen nicht einfach nur ihren Job, sondern sie sind mit ganzer Seele bei der Sache, bis hin zu Details wie dem Logo des Geburtshauses, das von einer der Hebammen selbst gestaltet wurde. Es zeigt im Schriftzug die Silhouette einer schwangeren Frau mit ihrem Baby im Bauch und die stilisierte Kette der Bergstraße, ein Hinweis auch auf den regionalen Aspekt der Einrichtung.
Dabei strahlt der Ruf des Hauses weit über die Bergstraße hinaus und kann durchaus als Werbung für die Region angesehen werden. Die jungen Familien kommen aus einem Umkreis von bis zu etwa 45 Minuten Fahrtzeit – unter anderem auch aus Wiesbaden, Heidelberg, Worms oder Mannheim. Aber natürlich auch aus Bensheim. Um die 20 Geburtsbetreuungen gab es, seit das Haus im April den eigentlichen Betrieb aufgenommen hat – Vorsorgeuntersuchungen fanden schon seit Januar statt. Die Resonanz ist enorm und es stehen schon mehrere Frauen auf der Warteliste. Doch sind es nicht die räumlichen Möglichkeiten, die die Kapazität beschränken, sondern die personellen: Das Team sucht händeringend nach weiteren Hebammen, die hier arbeiten möchten.

Die Idee zum Geburtshaus gab es schon 2019, seit bekannt wurde, dass die Geburtshilfe am Bensheimer Krankenhaus aufgegeben wird. Ein passendes Haus wurde im April 2020 gefunden, dann gründete sich der Trägerverein. Im Sommer begannen die umfangreichen Bauarbeiten. Die evangelische Kirche als Vermieterin des Hauses übernahm die Grundsanierung in Höhe von rund 140000 Euro. Für Innenausbau und -ausstattung musste der Trägerverein etwa 100000 Euro aufbringen. Ein finanzielles Risiko, das auf den Schultern einzelner Vereinsmitglieder ruht, die damit eine private Verpflichtung im Dienst der guten Sache und im Glauben an den Erfolg des Modells eingegangen sind.

KONTAKT

Geburtshaus Bergstraße
Fehlheimer Straße 62, Telefon 06251/9446122,
E-Mail: hebammeninfo@geburtshaus-bergstrasse.de
www.geburtshaus-bergstrasse.de
Verdient gemacht haben sich auch mehrere Sponsoren wie etwa Baldur-Garten mit einer Spende für die Anlage des Rasens und die Firma Gölz-Destruction, die zwei Tage lang Material abfuhr und Mutterboden brachte. Für die Pflege der Anlage und des Gartens hat die Heimatvereinigung Oald Bensem die Patenschaft übernommen – was insbesondere jetzt im Sommer eine permanente Einsatzbereitschaft erfordert, etwa zur Wässerung des neuangelegten Rasens und zur Beseitigung unerwünschten Bewuchses. Eva Bambach

Angebote im Geburtshaus

Stillsprechstunde und mehr

Neben der Geburtshilfe im engeren Sinn, den Vorsorgeuntersuchungen und den Geburtsvorbereitungs- sowie Rückbildungskursen gibt es im Geburtshaus mehrere Angebote auch für Frauen, die nicht dort entbunden haben. Eine der Hebammen ist ausgebildete Stillspezialistin und hilft im Rahmen einer Stillsprechstunde Frauen, die Probleme mit dem Stillen ihres Babys haben. Dazu gibt es eine Wochenbettambulanz. Hier können Frauen kommen, die keine Hebamme gefunden haben, die sie zu Hause betreut.

Außerdem gibt es Akupunktur für Schwangere, etwa gegen Übelkeit oder Ödeme in den Beinen – und vor allem für die Vorbereitung der Geburt in den letzten vier Wochen vor dem Geburtstermin.

Trägerverein

Mitglieder willkommen

„Es ist nicht egal, wie wir geboren werden“ – nach dem Zitat des bekannten französischen Arztes und Geburtshelfers Michel Odent kann jeder etwas für die kommende Generation tun. Der Trägerverein Geburtshaus Bergstraße freut sich über weitere Mitglieder.

Für einen Mindestbeitrag von 24 Euro pro Jahr kann man dabei sein. Die geplante Öffentlichkeitsarbeit fiel der Pandemie zum Opfer, so dass der Verein im Moment noch so etwas wie ein „Geheimtipp“ ist. Informationen und Beitrittsformulare gibt es im Internet unter www.geburtshaus-bergstrasse.de.
Weitere Artikel
Es war eine Zeit des Umbruchs, aus der vor 50 Jahren die Gemeinde Lautertal geboren wurde. Mit der hessischen Gebietsreform veränderte sich die kommunale Landkarte des Landes Hessens nachhaltig. Das
09.06.2022
Mit der offiziellen Gründung der Gemeinde Lautertal am 1. Januar 1972 endete zwar ein langer Weg. Jener, der zum heutigen Bild der Kommune führen sollte, begann aber erst. Schon die ersten Monate
09.06.2022
Als Vorsitzender der Gemeindevertretung prägt Helmut Adam (CDU) die Lautertaler Kommunalpolitik entscheidend mit. Zuvor war er Erster Beigeordneter und musste nach dem Rücktritt von Bürgermeister
09.06.2022

Hallo liebe Welt der UTF-8 Umlaute Übersicht

Umlaut ä = ä
Umlaut ö = ö
Umlaut ü = u
Umlaut Ä = Ä
Umlaut Ö = Ö
Umlaut Ü = Ü
und das scharfe s ß = ß