Sonderveröffentlichung
Themenspecial Stadtmagazin Bensheim

Höhe erleben, Abgründe geniessen

Der Hochseilgarten der Kletterhalle High Moves fasziniert Jung und Alt.

Dank eines smarten Sicherungssystems können schon Kinder im Hochseilgarten von High Moves klettern. Bild: Thomas Neu

3.07.2020
Das Abenteuer wartet mitten im Gewerbegebiet. Der Campus Stubenwald ist – anders als man als Ortsunkundiger erwarten würde – zwar arm an Bäumen. Auf einen ordentlichen Höhenrausch muss man aber dennoch nicht verzichten. Die Kletterhalle High Moves gilt als eine der schönsten in Deutschland. Mit ihrer außergewöhnlichen Architektur und exzellenten Ausstattung setzt sie Maßstäbe im Freizeitbereich. Die Eigentümer Michael Dreißigacker und Eric Otto legen Wert auf hohe Standards. Und das im direkten Wortsinn. 2007 eröffnet, wurde die Anlage stetig erweitert und optimiert. Im Outdoor-Bereich kamen ein Boulder-Block, eine Kletterwand sowie Slacklines für Balanceübungen und ein Niederseilgarten für Teamtrainings aller Art hinzu. Im Innern sind auf 1600 Quadratmetern über 120 Routen mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden möglich.
     
Im Sommer 2013 wurde dann vor der Halle ein Hochseilgarten errichtet. Ein Vier-Mast-System auf drei Ebenen. 15 Meter über dem Boden können Gäste Höhe pur erleben. Und Abgründe genießen. Ein vertikaler Komplex aus Holz, Stahl und Beton, der zum Ausprobieren und Überwinden innerer Barrieren verführt. Konzipiert wurde das Werk von Heinz Tretter. Ein Zimmerermeister und technischer Betriebswirt aus Lenggries in Oberbayern. Der Name steht in der Branche für Präzisionsarbeit, maximale Sicherheit und höchste Qualität. Dazu kommt ein individualisiertes Design, dass jedem Hochseilgarten eine spezielle Note verleiht. In Bensheim sind das fünf Weinfässer, die als Anspielung auf die regionale Rebenkultur in luftiger Höhe einen Balanceakt versprechen. Die Holzteile hat das High-Moves-Team selbst angefertigt. Wer hier ins Bodenlose abstürzt, hat keinen dicken Kopf. Mit Helm und Sicherungsseil kann nichts passieren.
       

15 Meter über dem Boden können Gäste Höhe pur erleben.  

Bilder: stock.adobe.com/Aleksey Sagitov
Bilder: stock.adobe.com/Aleksey Sagitov

Ein über 100 Meter langer Flying-Fox setzt dem Parcours die Krone auf. Die Seilrutsche führt vom Hochseilpark Richtung Robert-Bosch-Straße. Mit bis zu 30 Stundenkilometern flitzt man bis auf einen aufgeschütteten Hügel mit Auslaufzone. Ein heißer Draht, der synonym auch als Zipline, Tiroliennes (Schweiz) oder – etwas martialisch – als Guerillarutsche (Österreich) bezeichnet wird. Wer den „fliegenden Fuchs“ gezähmt hat, ist begeistert.

Die Gastgeber stellen alles bereit, was man für ein schönes Höhenerlebnis braucht: erstklassige Sicherheitsausrüstung, eine ausführliche Einweisung sowie eine Menge Know-how und Erfahrung. Schneid und Adrenalin muss man selbst mitbringen. 1,40 Meter Körpergröße sind für den Hochseilgarten das Minimum – und keine allzu große Hürde. Eine Herausforderung für Erwachsene und Kinder, indoor wie outdoor. Mit reizvollen Perspektiven und allerlei technischen Finessen.


Mittels zwei kommunizierender Rollenkarabiner, sogenannter Smart Belays, zurrt man sich am Drahtseil fest. Weil sich immer nur einer der Sicherungshaken öffnen lässt, kann man sich nicht versehentlich aus dem System ausklinken. Denn ist der eine Karabiner offen, so erkennt das der andere und blockiert den Öffnungsmechanismus so lange, bis der erste wieder auf dem Sicherheitsseil eingehängt und verriegelt ist. Das bietet maximale Sicherheit für große und kleine Besucher. Selbst Kinder können damit in der Regel problemlos umgehen. Und mit jedem Meter hinauf steigt auch das Selbstvertrauen der Kletterer.
     

Bei der Installation des Hochseilgartens haben die Inhaber geklotzt, statt gekleckert.
Die Anlage ist mit einem 27 Kubikmeter großen Gewicht in der Erde gesichert. Auf dem kleinen Hügel am Endpunkt der Seilrutsche sind noch einmal 60 Tonnen verankert. Wie Michael Dreißigacker erklärt, wird der Außenbereich weiter ausgebaut. „Da steckt eine Menge Leidenschaft drin“, so Dreißigacker: „Wir wollen Höhe erleb- und erreichbar machen.“ Auch wer über keine und kaum Erfahrung verfügt, kann die Herausforderung annehmen. Wer Spaß am Ausprobieren hat, ist immer willkommen.
     

„Wir wollen Höhe erleb- und erreichbar machen.“  

15 Meter ragt der Hochseilgarten in die Höhe. Bild: Thomas Neu
15 Meter ragt der Hochseilgarten in die Höhe. Bild: Thomas Neu
Doch es geht um mehr als Klettern. Der Geschäftsführer hat nicht nur mehr als zwölf Jahre Erfahrung im Industrieklettern, sondern bietet auch Kurse in puncto Teambuilding und Teamentwicklung. Dabei geht es darum, neue Potenziale zu entdecken und – buchstäblich – ausgetretene Pfade in Leben und Beruf zu verlassen. Zusammenarbeit, Vertrauen und Mut sind wesentliche Komponenten beim Klettern wie beim Bewältigen der persönlichen Biografie. Die meisten Trainer und Referenten haben ein sozialpädagogisches Studium absolviert. High Moves ist unter anderem Business-Club-Partner des SV Waldhof Mannheim. Die Jungs waren bereits für mehrere Trainingseinheiten in Bensheim. Dreißigacker ist seit seiner Kindheit ein glühender Waldhof-Fan.

In der Bensheimer Kletterhalle bietet er ein breitgefächertes Dienstleistungsangebot. Über 700 Firmenveranstaltungen fanden bereits im besonderen Ambiente statt. Der Outdoor-Hochseilgarten ist eine ideale Ergänzung für das Schnupperklettern, bei dem man ohne Vorkenntnisse in die Grundlagen eingeführt wird. Eigene Grenzen zu erkennen und zu überwinden sei wichtig, um die Persönlichkeit zu stärken, sagt der Hausherr. Die Höhe sei dafür das beste Medium. Klettern als faszinierender Mix aus technischem Wissen und mentaler Stärke. Mit dem Hirn als wichtigstem Muskel.

Abenteuer im Gewerbegebiet. Seit Anfang Mai ist die Halle wieder geöffnet. Ab Mitte März war geschlossen. Noch vor der offiziellen Anordnung. Auch angesichts Corona hat das Team schnell reagiert. Die Abstands- und Hygieneregeln sind nach dem Neustart sehr gut umzusetzen. Draußen sowieso, betont Michael Dreißigacker, der sich jetzt auf einen hoffentlich guten Sommer und Herbst freut. Er weiß: Positives Denken ist gut beim Klettern. Der nächste Griff ist immer der wichtigste. Mentale Fitness ist das A und O. Außerdem: Ein starker Kopf stärkt das Immunsystem.  Von Thomas Tritsch