Sonderveröffentlichung
Hüter der Tradition

Werner Rödel, wie man ihn kennt: in der Uniform der Bürgerwehr von Oald Bensem (l.) und „in zivil“. | Bilder: Dietmar Funck, Thomas Neu

18.10.2019

Text: Jeanette Spielmann 

Es ist die von Arbeitslosigkeit, politischer Zerrissenheit und wirtschaftlichem Niedergang geprägte Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, als in Bensheim die Heimatvereinigung „Oald Bensem“ gegründet wurde. Ein Jahr später, 1931, folgte die historische Bensheimer Bürgerwehr, nachdem der Wunsch laut geworden war, beim neu ins Leben gerufenen Winzerfest eine Gruppe Stadtsoldaten mitwirken zu lassen. Die Verbundenheit mit der Heimatstadt sowie der Wunsch, altes Kulturgut zu erhalten und heimatliches Brauchtum zu pflegen, waren damals die Motivation.

48 Jahre später, 1979, waren das auch die Beweggründe für Werner Rödel, zusammen mit Ehefrau Sonja der Heimatvereinigung beizutreten. Die Bürgerwehr hatte er damals nicht im Sinn, vielmehr standen das gesellige Beisammensein im Mittelpunkt und auch der Kontakt zu den Bensheimern.
            
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Denn Werner Rödel wurde in der Weinheimer Altstadt geboren und hat seine Sonja bei der Fastnacht in Weinheim kennengelernt. 1972 zog er zu ihr nach Bensheim ins Elternhaus an der Taunusstraße, wo beide heute noch leben. Der Kontakt zur Heimatvereinigung kam über die Kinder aus erster Ehe von Sonja Rödel, die beide dem Verein bereits angehörten. Wer es nicht weiß: Die Tochter von Sonja Rödel ist Doris Walter, unsere „Fraa vun Bensem“.

Bei der Bürgerwehr hat Werner Rödel als einfacher Soldat ohne Streifen und Orden angefangen. Den ersten Orden bekam er nach einem Jahr. Schnell hatte er sich in die Aktivitäten des Vereins eingebracht und organisierte ab 1982 das alljährliche Biwak der Bürgerwehr, das es seit 1976 gibt. Auch die Organisation des traditionellen Neujahrsschießens bei den Auerbacher Schützen, an dem immer wieder auch befreundete Bürgerwehren aus Bretten, Ellwangen, Ettlingen, Karlsruhe, Weinheim oder Crailsheim gerne teilnehmen, lag bald in seinen Händen. Das Landestreffen der Bürgerwehren und Milizen Baden-Südhessen hat Rödel 1991 mit rund 1200 Teilnehmern ebenfalls organisiert.
            
Die Stunde der Verantwortung an der Spitze der Bürgerwehr schlug für ihn mit dem Wechsel in das neue Jahrtausend. Nachdem Kommandant Ernst Kuhlmann im Dezember 1999 gestorben war, wurde Werner Rödel dessen Nachfolger – sowohl als Kommandant der Bürgerwehr als auch als Vorsitzender der Heimatvereinigung. Erst bei der Jahreshauptversammlung 2013 wurde er vom heutigen Vorsitzenden Heinz Walter abgelöst und mit stehenden Ovationen der Versammlung zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Auch eine Uhr mit einer sehr persönlichen Widmung der Mitglieder gab es zum Abschied aus dem Vorstand. Mit der höchsten Auszeichnung des Vereins, der Vereinsmedaille in Gold, war Rödel bereits beim Winzerfest 2012 geehrt worden.

Die jüngste Ehrung erhielt er in diesem Jahr beim Empfang der Bürgerwehren im Rahmen des Winzerfestes – mit der Ehrenspange der Stadt Bensheim. Anlass war der Rückzug des 75-Jährigen als Kommandant. Wie auch Ehefrau Sonja wurde er außerdem vom Landesverband für die 40-jährige Vereinszugehörigkeit geehrt – und auch die Historische Bürgerwehr Karlsruhe hatte zu danken, denn Rödel war ihr zusammen mit Rudolf Wolf vor 15 Jahren beigetreten und hatte ihr damit geholfen, sich wieder auf die Beine zu stellen.

Seit 47 Jahren lebt Werner Rödel in Bensheim – aufgewachsen ist er in der Weinheimer Altstadt.

Überhaupt gibt es zu den badischen Wehren sehr enge und langjährige Kontakte, zumal die meisten Bürgerwehren in Süddeutschland beheimatet sind. „Vor allem bei den Landestreffen werden diese Kontakte gepflegt und es entstehen enge Verbindungen und Freundschaften“, denken Sonja und Werner Rödel gerne an sehr schöne Begegnungen zurück.
Werner Rödel und seine Frau Sonja bei der Verleihung der Ehrenspange der Stadt Bensheim – hier mit Rolf Richter und Stadtverordnetenvorsteherin Christine Deppert. Bild: Dietmar Funck
Werner Rödel und seine Frau Sonja bei der Verleihung der Ehrenspange der Stadt Bensheim – hier mit Rolf Richter und Stadtverordnetenvorsteherin Christine Deppert. Bild: Dietmar Funck
Ein Landestreffen ist für Werner Rödel allerdings in schlechter Erinnerung geblieben: Es war das Treffen 1982 in Ober-Hammersbach, als der damalige Kommandant Karl-Martin Schütz einen tödlichen Unfall hatte.

Gerne erinnert sich Rödel dagegen an das Jahr 1997, als auf der Festung in Breisach mit mehreren Bürgerwehren die Befreiungskriege der Revolution 1848 nachgestellt wurden. Unvergessen bleibt für ihn der Ausspruch: „Der tote Bensheimer kann wieder aufstehen!“

Eng verbunden mit Rödel ist auch das Projekt Walderdorffer Hof. Als das Anwesen zum Verkauf stand – der Verein hatte es bereits seit 1976 gemietet – hatte sich die außerordentliche Mitgliederversammlung auf Vorschlag des damaligen Schriftführers Werner Rödel für den Kauf entschieden. 20 Jahre später ist das historische Gebäude nun gänzlich im Besitz der Heimatvereinigung, alle Kredite für Kauf und Renovierung sind zurückgezahlt. „Wir haben viel in Eigenleistung gemacht, was dank der Beratung durch die Fachfirma von Hans Ritz möglich war“, erinnert sich Werner Rödel an den allabendlichen Einsatz beim Streichen der Fassade.

Für Werner und Sonja Rödel, die in der Biedermeiergruppe aktiv ist und auch die Theatergruppe leitete, ist die Heimatvereinigung nicht nur ein wichtiger Bestandteil des Lebens, sondern eigentlich auch Teil der Familie. Ohne die Verantwortung in leitender Funktion werden beide die anstehenden Jubiläen unbeschwert genießen können. Im kommenden Jahr jährt sich zum 90. Mal die Gründung der Heimatvereinigung Oald Bensem und ein Jahr später folgt der runde Geburtstag der Bürgerwehr.

Adventsbasar

Zu den traditionellen Veranstaltungen von Oald Bensem gehört der Adventsbasar, der 1988 erstmals veranstaltet wurde.

Am Freitag, 22. November, verwöhnt die Fraa vun Bensem im Walderdorffer Hof wieder mit ihrem Kesselgulasch, und am Samstag (23.) sind neben Erbseneintopf mit Würstchen, selbstgebackenem Kuchen und Glühwein auch selbst gemachte Weihnachtsdeko, Adventskränze und anderes mehr im Angebot.

Blauer Frack, weiße Hosen, schwarze Stiefe

Die Bürgerwehr der Heimatvereinigung Oald Bensem verfügt über etwa 20 Gewehrträger und zwei Offiziere mit Degen. Die Uniform besteht aus einem blauen Frack, der mit rotem Schoßfutter sowie an Kragen und Manschetten rot abgesetzt ist. Sie ist der ehemaligen Linien-Infanterie Hessen-Darmstadt angepasst. Weiße Hosen, schwarze Zugstiefel mit kurzen weißen Gamaschen, weiße Handschuhe und die weißen Bandaliere mit schwarzer Patronentasche komplettieren die Uniform.

Zur Ausrüstung gehören die Infanteriemuskete, das Bajonett und der Infanteriesäbelnach französischem Muster. Die Offiziere tragen auch den Uniformrock, unterscheiden sich jedoch durch die auf den Schultern befindlichen Epauletten und die über die Brust verlaufende silberne Fangschnur. Ein Offiziersdegen und die quastenbesetzte Leibschärpe vervollständigen die Offiziersuniform.

Eine komplette Uniform mit Gewehr kostet etwa 1800 Euro.
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