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Sonderveröffentlichung
Themenspecial Stadtmagazin Bensheim

Kleine Schätze am Wegesrand

Geocaching hat in den vergangenen 20 Jahren weltweit immer mehr Anhänger gefunden. Kann man sich auch rund um Bensheim auf digitale Schnitzeljagd begeben? Wir haben es ausprobiert.

Bild: Postmodern Studio - stock.adobe.com

11.10.2021
Muggels haben keine Ahnung: In der Welt des Zauberlehrlings Harry Potter gilt das für all jene Menschen ohne Zauberkräfte und magische Fähigkeiten. Auch beim Geocaching ist gerne mal von Muggels die Rede. In der Szene sind damit alle Unwissenden gemeint, all diejenigen, die nicht diesem weltweit verbreiteten Hobby nachgehen. Sie ahnen nichts von geheimen Verstecken am Wegesrand und kleinen „Schätzen“, die beispielsweise zwischen Baumwurzeln, Büschen oder Steinen auf neugierige Entdecker warten. Selbst wenn sie, etwa bei einem Waldspaziergang, nur wenige Meter entfernt daran vorbeigehen.

Diese Art der modernen Schnitzeljagd ist ein Phänomen des 21. Jahrhunderts. Alles begann, als im Jahr 2000 die Nutzung von GPS-Systemen (Global Positioning Systems) für zivile Zwecke freigegeben wurde. Ein US-Amerikaner versteckte daraufhin einen Gegenstand im Wald und veröffentlichte die Koordinaten im Internet. Es dauerte nicht lange, bis sein „Schatz“ gefunden wurde. Er gilt als der erste Geocache – und er fand viele Nachahmer. Mittlerweile gibt es rund drei Millionen Caches in aller Welt – und schätzungsweise an die zwei Millionen Menschen, die sich auf Schatzsuche begeben.
Neusehland Hartmann GmbH & Co. KG
Während man anfangs ein GPS-Gerät benötigte, um den Verstecken auf die Spur zu kommen, braucht man heute nur noch ein Smartphone und eine entsprechende App, die sowohl die Koordinaten der Caches als auch den eigenen Standort anzeigt. Und dann kann die Suche eigentlich auch schon losgehen. Rund 430000 Caches warten mittlerweile in ganz Deutschland darauf, aufgespürt zu werden. Da muss es doch auch einige in und rund um Bensheim geben? Für Anfänger und zum Reinschnuppern eignet sich die Seite www.opencaching.de. Sie ist frei und zugänglich für jedermann, es ist keine Anmeldung erforderlich. Beim Blick auf die Karte zeigt sich: Vor allem rund um den Hemsberg, also im Süden des Stadtgebiets, sind einige Caches versteckt, symbolisiert durch eine kleine gelbe Schatzkiste. Wir suchen uns eine Route aus, auf der wir fünf Verstecken auf die Spur kommen wollen. Los geht es an der Friedhofstraße Richtung Zell, wo wir auf dem Burgensteig in Richtung Hemsberg aufsteigen.
Wo könnte im linken Bild ein Geocache verborgen sein? An der „schönsten Weinsicht“ mussten wir etwas länger suchen, an anderen Orten ging es schneller. Am Ende wurden fünf von fünf Verstecken aufgespürt.
Wo könnte im linken Bild ein Geocache verborgen sein? An der „schönsten Weinsicht“ mussten wir etwas länger suchen, an anderen Orten ging es schneller. Am Ende wurden fünf von fünf Verstecken aufgespürt.
Für die Caches gibt es in der Regel neben den Koordinaten eine kurze Beschreibung, die die Suchenden auf die richtige Fährte führen soll. „Ein Schatz am Burgensteig“ heißt unser erstes Ziel. „Er liegt direkt am Weg und es sind keine gefährlichen Kletteraktionen nötig“, schreibt der Owner, der den Cache im Mai 2020 „während der Coronaferien“ mit seiner Tochter angelegt hat. Hat man den Punkt erreicht, gilt es, aufmerksam zu sein und auf Kleinigkeiten zu achten. Schmale Trampelpfade zum Beispiel, die vom Weg abgehen oder Steine, die so aussehen, als seien sie von Menschenhand gestapelt.

Nach einigem Umherschauen ist das erste Versteck gefunden – auf eine genaue Beschreibung wird an dieser Stelle natürlich verzichtet! Wir finden eine luftdicht verschlossene Dose, in der sich neben dem Logbuch ein Aufkleber und eine kleine Tierfigur befinden. Diese dürfen aus der Box genommen und gegen andere kleine Spielsachen getauscht werden, so schreibt der Owner des Caches auf der Seite. Das Logbuch muss dagegen immer zurückgelegt werden, nachdem man als Finder Namen und Datum eingetragen hat. Einen Stift sollte man als Geocacher deshalb mit im Gepäck haben. Zu den Spielregeln gehört, dass alles wieder so verstaut und versteckt wird, wie man es vorgefunden hat. Und ganz wichtig: Man sollte sich beim Aufspüren der Schätze nicht von anderen – sprich Muggels – beobachten lassen. Die Schatzsuche soll möglichst geheim bleiben und das Versteck nicht so einfach zu finden sein.

Beim Geocaching gilt: Die Schatzsuche soll möglichst geheim bleiben.

Wir nehmen unseren nächsten Cache in Angriff, der sich unterhalb des Hemsbergs an der Schutzhütte mit Blick in die Rheinebene verbirgt. Ohne weitere Hinweise ist es gar nicht so einfach, dem Versteck auf die Spur zu kommen. Dann sehen wir aber doch einen „verdächtigen“ Gegenstand hervorblitzen – und tatsächlich: Wir haben unseren zweiten Cache gefunden. Das Logbuch sieht diesmal aus wie eine Mini-Papyrusrolle, die in einem Rohling für PET-Flaschen steckt. Die stabilen Röhrchen sind bei Geocachern sehr beliebt, da sie sich fest verschließen und leicht verstecken lassen.

Durch die Weinberge zwischen Hemsberg und Heppenheim wandern wir weiter. Es geht zum Aussichtspunkt „Schönste Weinsicht“, wo sich zwischen Mandelbäumchen und Ruhebänken der „Murmelcache“ verbergen soll – mit Murmeln, die getauscht werden dürfen. Diesmal ist es schwierig. Nach einigem erfolglosen Umhersuchen entscheiden wir uns, den verschlüsselten Hinweis, den es zu jedem Versteck gibt, in Anspruch zu nehmen. Es bleibt verzwickt, bis wir hinter Brombeerranken dann doch noch eine Plastikbox entdecken. Der Cache hat schon bessere Zeiten gesehen, die Dose ist undicht und müsste erneuert werden. Immerhin finden sich noch zwei Murmeln darin.
Finder der Geocaches können sich in das Logbuch eintragen – und ihren Fund online vermerken. | Bild: Barbara Cimander
Finder der Geocaches können sich in das Logbuch eintragen – und ihren Fund online vermerken. | Bild: Barbara Cimander
Jetzt steuern wir einen der ältesten Wegweisersteine im Kreis Bergstraße an, positioniert an einer Weggabelung zwischen Zell und Hambach. Ein mächtiger Baum steht daneben, ein schöner Ort, um kurz zu verweilen. Der Owner des Caches warnt augenzwinkernd: „Die Stelle liegt an einem beliebten Spazierweg, es ist also insbesondere an Wochenenden mit jeder Menge Muggels aller Art zu rechnen.“ Wir sind zwar an einem Samstag unterwegs, trotzdem können wir unbehelligt das schöne Versteck ausfindig machen und uns ins Logbuch eintragen.

Für unseren letzten Schatz an diesem Tag geht es zum Abschluss zu einem beliebten Ausflugsziel: das Blaue Türmchen. Dafür müssen wir zunächst hinunter nach Zell und auf der anderen Seite des Tals wieder hinaufsteigen. Dort angekommen, ist erstmal eine kleine Rast angesagt, bevor wir uns auf die Suche machen. „Die große Mauer“, so heißt der Cache, gibt uns einige Rätsel auf. Der Platz ist weitläufig, das Versteck könnte überall sein. Wir müssen uns wieder mit einem Hinweis auf die Sprünge helfen lassen. Ein heißer Tipp, sogar in Reimform, der uns erneut weiterhilft. Von allein wären wir darauf wohl nie gekommen! Diesmal befindet sich das Logbuch in einem kleinen Filmdöschen.

Wir sind mehr als zufrieden: Wir haben nicht nur fünf von fünf Verstecken aufgespürt, sondern bei unserer ausgedehnten Runde auch die Natur und die schöne Umgebung genossen. Für Familien mit Kindern kann Geocaching ein toller Anreiz sein, um den Nachwuchs nach draußen zu locken – und sie zu mehr oder weniger langen Spaziergängen zu motivieren. Schatzsuche oder Schnitzeljagd klingen doch allemal aufregender als eine simple Wanderung: Aber Vorsicht: Bloß nicht von Muggels entdecken lassen! Barbara Cimander
 

Rund ums Geocaching

Der Begriff Geocaching leitet sich ab von „geo“ (griechisch für „Erde“) und „cache“ (englisch für „Versteck“).

Für Einsteiger oder zum Reinschnuppern eignet sich die Seite www.opencaching.de. Hier ist keine Anmeldung erforderlich.

Für die internationale Seite www.geocaching.com muss ein Benutzerkonto angelegt werden. Hierzu gibt es auch die passende App fürs Smartphone. Im Appstore sind aber auch andere kostenlose Apps zu finden.

Als registrierter Nutzer kann man gefundene Caches auf der Seite eintragen oder auch kommentieren. Und man kann selbst einen Cache verstecken und von anderen suchen lassen.

Es gibt Caches von ganz unterschiedlicher Größe: Ist von „normal“ die Rede, kann man sich zum Beispiel auf ein Tupperdosen-Format einrichten.

Außerdem haben sich unterschiedliche Varianten entwickelt. Bei Multi-Caches beispielsweise erhält man an verschiedenen Orten weitere Hinweise auf das eigentliche Versteck. Für Rätsel-Caches muss zunächst eine Aufgabe gelöst werden, bevor man überhaupt mit der Suche beginnen kann.

Geocaches sind mittlerweile auf allen Kontinenten zu finden, sogar in der Antarktis! Doch so weit muss man nicht fahren, Geocacher werden auch an der Bergstraße und im Odenwald fündig.
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