Sonderveröffentlichung
Themenspecial Meine Heimat

Lorsch zeigt die größte Pfeife weltweit

Museum: Bedeutende Sammlung widmet sich der Tabakkultur

Im Tabakmuseum findet sich die größte rauchbare Pfeife. Sie ist 2,80 Meter lang und 120 Kilo schwer. BILD: FUNCK

10.09.2020
Lorsch. Mit seiner Welterbestätte, dem Klostergelände, ist Lorsch einmalig. Auch in anderen Bereichen aber hat die Stadt Superlative zu bieten. Die größte rauchbare Pfeife der Welt beispielsweise ist nämlich auch Lorsch zuzuordnen.

Das gute Stück ist im Tabakmuseum zu bewundern. Die Abteilung im Lorscher Museumszentrum gehört europaweit zu einer der bedeutendsten Spezialsammlungen rund ums Thema Tabak. Im Guinness-Buch der Rekorde ist die außergewöhnliche Pfeife vermerkt, die in Lorsch beheimatet ist. Das Prunkstück ist 2,80 Meter lang und 120 Kilo schwer und für eine Ladung von bis zu zehn Kilo Tabak ausgelegt. Auch mit der Sammlung an Bauchbinden halten die Lorscher einen Rekord. So viele wie das Lorscher Museum hat niemand sonst.
  
Dass die Lorscher ein Tabakmuseum haben, ist natürlich nicht zufällig. Es hängt eng mit der Ortsgeschichte zusammen. Der Heimat- und Kulturverein hatte einst die Initiative für eine Ausstellung ergriffen. Tabakanbau und Zigarrenfertigung waren rund 300 Jahre lang wichtige Wirtschaftsfaktoren in Lorsch. 20 Zigarrenfabriken gab es einst in der Hochzeit, die über 2000 Menschen Arbeit boten. 1983 schloss die letzte ihre Türen.

Ob Zigarrenhalter, Schnupftabakdosen, Informationen zum Tabakanbau oder ein Rauchertisch – das Museumszentrum bietet einen Überblick über rund 400 Jahre Tabakkultur. Zu sehen sind auch Postkarten und Fotos, auf denen genüsslich gequalmt wird – heute eine Seltenheit. Unter anderem ist Zigarrenraucher Ludwig Erhard dabei. Auch ein ausrangierter kleiner roter Zigaretten-Automat hängt im Museum. Drei Eckstein-Zigaretten waren daraus einst für nicht mehr als 15 Pfennige zu ziehen.

Das Museumszentrum ist genau 25 Jahre alt. Es kommen aber immer wieder auch neue Stücke dazu. Das beweist unter anderem die Vitrine, in der kuriose Objekte versammelt sind. Aktuell sieht man dort auch eine satirische Abbildung von Donald Trump als Pfeifen-Kopf – mit einem Hinweis auf sein Management in der Corona-Krise versehen.

In der letzten verbliebenen Tabakscheune in Lorsch, sie steht nicht weit entfernt vom Freilichtmuseum Lauresham nahe der Weschnitz, kann man außerdem einen anschaulichen Eindruck von der Arbeit der Tabakbauern am Ort erhalten. 13 Meter hoch ist der Holzschuppen, der denkmalgeschützt ist, als Außenstelle des Tabakmuseums dient, große Objekte wie etwa ein Tabakköpfgerät beherbergt und heute wieder zum Trocknen von Tabakblättern genutzt wird.

An den einst bedeutenden Wirtschaftszweig für Lorsch wird nämlich seit einigen Jahren wieder mit regelmäßigen Aktionen erinnert. Ein Bürgerprojekt, initiiert vom städtischen Kulturamt, hat das übernommen. Jedes Jahr wird inzwischen wieder – auf einer kleinen Fläche – Tabak gesät, gepflegt und geerntet.

In Lorsch hofft man derzeit, dass der Tabakanbau als Kulturerbe auf höchster Ebene anerkannt wird. Gemeinsam mit vier weiteren sch

Vom Codex hat jeder gehört

Handschrift: Dokument aus Lorsch ist Grundbuch der Region

Der Codex Laureshamensis, im 12. Jahrhundert entstanden, ist noch heute ein Begriff. Denn der Lorscher Codex gilt als eine Art Grundbuch der Region. ARCHIVBILD: FUNCK
Der Codex Laureshamensis, im 12. Jahrhundert entstanden, ist noch heute ein Begriff. Denn der Lorscher Codex gilt als eine Art Grundbuch der Region. ARCHIVBILD: FUNCK
Lorsch. Den Namen „Lorscher Codex“ hat fast jeder schon mal gehört. Die Handschrift entstand in lateinischer Sprache als „Codex Laureshamensis“ im 12. Jahrhundert im Lorscher Kloster. Ein Begriff ist sie bis heute, weil das Werk als Grundbuch der Region betrachtet werden kann. Im Codex, im Lorscher Skriptorium verfasst, wurde der umfangreiche Grundbesitz der Reichsabtei dokumentiert, jede der zahlreichen Schenkungen aufgelistet. Das Verzeichnis über die Besitztümer des Klosters enthält mehr als 8500 Ortsangaben.

Auch Bensheim steht drin

Die gewaltige Urkundensammlung ist ein wichtiges Dokument für die frühe europäische Wirtschaftsgeschichte. Und mehr als tausend Ortschaften in Deutschland werden dort erstmals urkundlich erwähnt. Ob Basinsheim, also Bensheim oder Getwinc, also Zwingenberg, Slirburc für die Burg Lindenfels oder Sozinga (Schwetzingen) – alle sind drin.

In auffallend vielen Orten gibt es zudem nicht nur Straßen, die nach bekannten Großstädten benannt sind, sondern auch eine „Lorscher Straße“, erinnert Welterbestättenleiter Dr. Hermann Schefers. Viele interessierte Bürger besuchen schon deshalb Lorsch, um mehr darüber zu erfahren, was ihre Kommune mit dieser Kleinstadt zu tun hat. sch