Sonderveröffentlichung
Themenspecial Energie & Baumesse Bensheim

„Man muss den Menschen mehrere Jahre Zeit geben“

NACHGEFRAGT BEI Carsten Hoffmann, Vorstand GGEW AG  


Was sind aktuell die größten Herausforderungen für die GGEW beim Klimaschutz?

Carsten Hoffmann: Die Herausforderungen betreffen nicht nur die GGEW allein, sondern die gesamte Branche. Wir sehen die größte Herausforderung im Zielkonflikt zwischen Wirtschaftlichkeit, Akzeptanz und Maximierung der CO2-Einsparung. Diese Ziele alle in Einklang zu bringen und dennoch spürbare Maßnahmen zum Wohle des Klimaschutzes zu erzielen, stellt aus unserer Sicht dabei die Kernaufgabe dar. Die Basis hierfür ist eine Verhaltensänderung im täglichen Umgang mit Wärme und Mobilität sowie eine tiefe Verankerung des Klimaschutzes in unserem gesellschaftlichen Wertesystem. Die Maßnahmen zum Klimaschutz verdeutlichen sehr stark, dass wir eine zunehmende Elektrifizierung des Energiesystems bekommen werden. Dafür muss man den Menschen mehrere Jahre Zeit geben.

Wurden die bisher gesteckten Ziele erreicht und wenn nicht, woran lag es?

Carsten Hoffmann: Die bisherige und zukünftige Ausrichtung der GGEW zahlt sehr stark auf das Konto des Klimaschutzes ein. Beispiele hierfür sind unter anderem der Ausbau der regenerativen Erzeugung, Energie- und Mobilitätskonzepte für Wohnquartiere, das PV-Pachtmodell, das Regionalstromprodukt sowie unser Neubau mit einer quasi autonomen Energie- und Wärmeversorgung.

Die bisherige und künftige Ausrichtung der GGEW zahlt sehr stark auf das Konto des Klimaschutzes ein.

Allein die Tatsache, dass 100 Prozent unserer Erzeugungsanlagen regenerativ sind sowie unser frühzeitiger, kraftvoller Ausbau unserer Ladeinfrastruktur für E-Mobilität verdeutlichen, dass wir in der Vergangenheit die richtigen Weichen für die Zukunft gestellt haben.

Was sind die drängendsten nächsten Maßnahmen?

Carsten Hoffmann: Zuerst einmal müssen die von der Bundesregierung beschlossenen Maßnahmen aus dem Klimaschutzpaket in Gesetze gegossen werden. Die Geschäftstätigkeit in unserer Branche wird sehr stark von den rechtlichen Rahmenbedingungen geleitet. Sobald die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die konkrete Ausprägung über Verordnungen endgültig geregelt sind, kann es gut sein, dass wir vielleicht das ein oder andere nochmal anpassen müssen. Die Verzahnung von Wohnen, Strom- und Wärmeerzeugung und E-Mobilität schreitet immer weiter voran. Im Prinzip fußt die gesamte Energiewende darauf. Es wird die Aufgabe der Energieversorger sein, das zusammenzuführen. Hier brauchen wir zu Beginn „Leuchtturmprojekte“ wie zum Beispiel eine energieeffiziente Quartierlösung im Baugebiet Fehlheim, um dieses Thema den Menschen greifbarer zu machen. Was die Erneuerbaren Energien angeht, beobachten wir ebenfalls eine sehr starke Fokussierung auf die Region. Und eine zunehmende Präferierung der Photovoltaik. Auch da engagieren wir uns sehr stark. Sowohl bei Freiflächenanlagen als auch auf den Dächern. Außerdem ist es wichtig, den Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Mobilität weiter voranzutreiben. Dabei meine ich nicht nur die öffentliche Ladeinfrastruktur, sondern auch private Ladestationen, insbesondere bei Mehrfamilienhäusern.
 
Datenschutz