Sonderveröffentlichung
Multitalente

Dezente Töne, minimalistische Möblierung – das ist der neue trendige Einrichtungsstil. BILDER: FRANZISKA GABBERT, DPA-TMN

20.03.2020

Trend 1

Die neu entdeckte schicke Multifunktionalität

Multifunktionale Möbel sind zunächst einmal nichts Neues – mindestens die erste Wohnung vieler war so klein, dass ein Esstisch auch der Schreibtisch sein musste. Aber: Der teure Wohnraum ist für viele ein Problem geworden, die Wohnfläche wird folglich tendenziell kleiner – und damit das Bedürfnis nach multifunktionalen Möbeln größer. Selbst die großen und stylishen Einrichter gehen dieser Entwicklung nach – und ihre Möbel sind nicht nur aus der Not heraus funktional, sondern auch schick. Die Verbindung zweier sonst getrennter Möbel kann sogar ein spannendes Designerstück mit Hinguck-Faktor sein.

Ein Beispiel ist das neue Sofasystem von Rolf Benz namens Liv. Seine Rückwand und die Armlehnen können ein offenes, schlankes Regal für Bücher und Deko sein. Und der Stuhl Cila Go von Arper bietet in einer Ausführung nicht nur Stauraum im Fußraum, er ist dank eines schwenkbaren kleinen Tischs ein ganzes kleines Büro. „Multifunktionelle Stücke sind auch solche Möbel, die sich schnell in anderen Räumen nutzen lassen – etwa wenn Besuch kommt“, erläutert Trendanalyst Frank A. Reinhardt. Besonderer Fokus der Designer scheint aktuell auf dem Hocker zu liegen – manchmal wie etwa bei Artifort mit Schleife zum Herumtragen. Der Hocker ist längst nicht mehr nur Ergänzung zur Couch, sondern komplettiert oder ersetzt gar schon den Stuhl am Esstisch. Oder die Möbel verschwinden ganz: Floating Office zieht einen Schreibtisch per Knopfdruck hoch, wenn man ihn nicht mehr braucht. Er hat keine Tischbeine, sondern hängt an Seilen an der Decke. „Wir wollten in sehr kleinen Wohnungen jenen Raum gewinnen, den man bislang noch nicht nutzt – die Decke“, erklärt Firmenvertreter Florian von Heißen. Der Schreibtisch ist ein erster Anwendungsfall, ein hochziehbarer Wäscheständer und ein Bett sind auch angedacht. Anderes Beispiel: Naber bietet eine Armatur, die sich um 90 Grad abkippen und damit ins Spülbecken versenken lässt. Darüber kommt ein Holzbrett, und schon wird die Spüle als Arbeitsfläche nutzbar.

    
Die Armatur von Naber lässt sichum 90 Grad abkippen und im Spülbecken absenken. Mit einem Holzbrett darüber ist die Spüle als Arbeitsfläche nutzbar die Armatur von Naber lässt sich um 90 Grad abkippen und im Spülbecken absenken. Mit einem Holzbrett darüber ist die Spüle als Arbeitsfläche nutzbar.
Die Armatur von Naber lässt sich
um 90 Grad abkippen und im Spülbecken absenken. Mit einem Holzbrett darüber ist die Spüle als Arbeitsfläche nutzbar die Armatur von Naber lässt sich um 90 Grad abkippen und im Spülbecken absenken. Mit einem Holzbrett darüber ist die Spüle als Arbeitsfläche nutzbar.
Trend 2

Mehr als ein Leben – dauerhafte Materialien

„Im Möbelbereich geht es nicht mehr darum, wie hochwertig ein Möbel ist, sondern wie langlebig“, sagte der Designer Luca Nicetto bei der Präsentation seines neuen Sofas für Rolf Benz. Denn auch diese Nachhaltigkeit ist ein Schritt zu mehr Umweltschutz, das ganz große Thema der Möbelbranche. Zwar hat das eine – die Hochwertigkeit – Auswirkung auf das andere – die Langlebigkeit –, weshalb viele Firmen verstärkt die Qualität ihrer Möbel betonen. Es geht aber auch darum, Materialien einzusetzen, die etwa ein langes Leben dank Recycling erwartet. Ein Beispiel dafür ist eine neue Matratze der Euro Comfort Group, die aus dem Material alter PET-Flaschen gefertigt wird.
      
Natur im Wohnraum: Der Hersteller Hartmann integriert die Rinde von Holz in seine Regale.
Natur im Wohnraum: Der Hersteller Hartmann integriert die Rinde von Holz in seine Regale.
Trend 3

Natur kommt sinnbildlich in den Wohnraum

Holzmöbel sind hoch im Kurs – noch mehr als schon in den vergangenen Jahren setzen Designer darauf. Aber da geht noch mehr: Hartmann zum Beispiel lässt die Rinde am Holz für das Regal dran. Und bald schon soll jeder Kunde, der ein Produkt kauft, GPSKoordinaten von dem Ort erhalten, wo der Ersatzbaum für das verwendete Material gepflanzt wurde. Ebenfalls Rinde und Moos verarbeitet die Freund GmbH zu Leuchten, Tonon hat mit Flower Design von Martin Ballendat einen Stuhl in Blütenform im Programm. Und auch sonst ist florales Muster hoch im Kurs, berichtet Trendanalyst Frank A. Reinhardt.
          
Trend 4

Nicht nur für Wohnzimmer: Einrichter gestalten Balkone

Auf den Balkonen finden sich immer hochwertigere und schickere Möbel wieder. Das geschieht so schon seit einer Weile, ganz leise und in kleinen Schritten haben aber inzwischen eine Vielzahl an Einrichtern der klassischen Wohnräume im Haus angefangen, auch noch Gartenmöbel zu produzieren. Viele Indoorlabel machen das inzwischen zusätzlich, um ein komplettes Programm anbieten zu können, erklärt Christoph Kahleyss. So können die Stammkunden einer Linie treu bleiben – drinnen wie draußen. Kahleyss ist Designer für das Label Firma Freifrau – deren eigentlich fürs Haus gedachte Schaukel gibt es jetzt auch fürs Aufhängen unter dem großen Baum im Garten.
Möbelhaus Gärtner GmbH
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