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Sonderveröffentlichung
Themenspecial Stadtmagazin Bensheim

Naturerlebnis mit allen Sinnen

Das Naturschutzzentrum Bergstraße an der Erlache hat sich seit 2004 der Umweltbildung und Naturpädagogik verschrieben. Gleichzeitig ist es ein Ort der Begegnung, des Lernens und Erlebens – für Kinder und Erwachsene gleichermaßen.

Rund um das Naturschutzzentrum gibt es jede Menge zu entdecken. Bilder: Thomas Zelinger, Thomas Neu

16.07.2021
Wir verraten jetzt mal ein Geheimnis: Manchmal stellt sich Veronika Lindmayer vor, dass sie auf der neuen Schaukel am See so flott schwingt, dass sie am höchsten Punkt abspringt und quietschvergnügt im Wasser landet. Das wär’ doch mal was. Naja. Ganz so nah am Ufer steht die hölzerne Doppelschaukel nicht. Aber man wird ja wohl noch träumen dürfen. Dafür ist das Naturschutzzentrum der richtige Ort. Wenn man die vielzitierte Harmonie von Mensch und Natur in der Region irgendwo spüren will, dann ist das nordwestliche Ufer der Erlache nicht der schlechteste Platz.
Dabei sieht die Szenerie aus der Vogelperspektive zunächst einmal recht nüchtern aus: Autobahn, Golfplatz, Kieswerk. Neben den weißen Sedimentkratern wirkt das Areal am eiszeitlichen Neckarlauf wie eine etwas verlorene grüne Oase. Doch was hier gedeiht, ist keineswegs trivial. Das Zentrum ist ein Hotspot der Umweltbildung und Naturpädagogik. Ein Ort der Begegnung, des Lernens und Erlebens. Aber auch ein Pionierprojekt in Sachen Achtsamkeit und Entschleunigung. Fast könnte man meinen, diese Begriffe seien hier erfunden worden. „Der Natur hat Corona gut getan“, sagt die pädagogische Leiterin, die in einem Umfeld arbeitet, das sie in den vergangenen 16 Jahren mit aufgebaut und gestaltet hat. So bitter die Krise für die Menschen – insbesondere für die ganz jungen und ganz alten – im letzten Jahr war: Das Naturschutzzentrum hat die ruhigen Monate genutzt, um einmal ganz tief durchzuatmen. Liegengebliebenes wurde erledigt, Bildungsinhalte aufgefrischt und neue Projekte initiiert. Selbstverständliches wurde hinterfragt und neu gedacht. Manches wurde über Bord geworfen, anderes konzeptuell überarbeitet. Die Mitarbeiter haben beispielsweise viel Zeit im Garten verbracht und die Wildheit des Außenbereichs kultiviert. Es gibt eine Kräuterspirale, einen Froschteich, einen Bauerngarten sowie artenfreundliche Trockenmauern, Bienenhotels und mehrere Bienenvölker.
 
Im Garten des Naturschutzzentrums wächst und gedeiht es – das freut nicht nur Veronika Lindmayer, die Leiterin der Einrichtung an der Erlache. Bilder: Thomas Zelinger
Im Garten des Naturschutzzentrums wächst und gedeiht es – das freut nicht nur Veronika Lindmayer, die Leiterin der Einrichtung an der Erlache. Bilder: Thomas Zelinger
 
„Vielfalt – Schönheit – Nutzen“, formuliert Veronika Lindmayer den grünen Dreiklang, der zum neuen Credo geworden ist. Über die rein ästhetische Komponente hinaus ist es der Einrichtung wichtig, dass ein Garten auch für Insekten und andere tierische Gäste interessant ist. Im Dialog mit Experten ist ein Permakultur-Beet entstanden. Ein nachhaltiges Konzept für Landwirtschaft und Gartenbau, das darauf basiert, natürliche Ökosysteme und Kreisläufe in der Natur genau zu beobachten und auf kleinem Raum nachzuahmen. „Mit Wissen wächst Wertschätzung“, sagt die Gastgeberin. Und: „Emotion schafft Bewusstsein.“ Genau darum geht es auf diesem Spielplatz für kindliche Entdecker und wissbegierige Abenteurer, die hier immer etwas mehr mit nach Hause nehmen, als sie sich vorgenommen haben. Sofern die Türen offen sind.

„Vielfalt – Schönheit – Nutzen“, so lautet das Credo im Naturschutzzentrum.

Nun wird es Zeit, dass wieder Gäste kommen. Aktionstage und Kindergeburtstage, große Veranstaltungen wie das Frühlings- oder das Eiszeitfest, das in enger Kooperation mit dem Reiss-Engelhorn-Museum in Mannheim geplant war, mussten abgesagt beziehungsweise auf den Herbst verlegt werden. Die Pause hat den Durst nach Natur erheblich gesteigert. Die Anfragen häufen sich seit Frühjahr. Das Ferienspielangebot ist ausgebucht. Schulklassen klopfen an und fragen nach Terminen. „Wir haben die Preise nicht erhöht“, sagt Veronika Lindmayer ganz leise zwischen den Zeilen. Das Team ist vorbereitet und freut sich auf alle Kinder, die ihrer Sehnsucht nach Freisein und Unterricht im grünen Klassenzimmer folgen möchten. Der Hessische Tag der Nachhaltigkeit soll am 19. September zum regulären Termin gefeiert werden. Das Dinner oder Frühstück am See wird fortgesetzt und inhaltlich verfeinert. Noch bis 18. Juli läuft die Ausstellung „RaumZeit – die Zeit läuft“ mit Arbeiten des Einhäuser Künstlers Manfred Diel. Thema ist der Umgang mit der Natur. Inspiriert wurde der Maler von seiner 13-jährigen Enkelin Nela, von der ebenfalls Bilder zu sehen sind.
 
Auf dem Froschteich am Naturschutzzentrum blühen die Seerosen. Bild: Thomas Zelinger
Auf dem Froschteich am Naturschutzzentrum blühen die Seerosen. Bild: Thomas Zelinger
In der Corona-Pause reifte die Idee, die Empore im Versammlungsraum zu einer Lernwerkstatt, dem „Rohr-Zimmer“, umzugestalten. Der Name ist ein Dank an den Seniorchef des benachbarten Kieswerks, Wolfgang Rohr, der das NZB seit Jahren unterstützt. Positiv überrascht war das Team des NZB über die Aufnahme in ein Förderungsprogramm des Hessischen Umweltministeriums. Insgesamt 13 Zentren erhielten Zuwendungen im satten fünfstelligen Bereich. Das Geld soll in den Garten fließen und dort im doppelten Sinne Früchte tragen.

Mitmachen, Zuhören, Lernen, Diskutieren, Erleben: Das Programm ist vielfältig und zielgruppenübergreifend. Neben feststehenden Veranstaltungen zu bestimmten Terminen gibt es frei buchbare Angebote für Gruppen jeden Alters. An der Erlache zeigt sich die Schnittstelle zwischen Bildung, sozialem Miteinander und Naturerfahrung besonders plastisch. „Wir sind den Kinderschuhen entwachsen und haben unsere Position gefunden“, sagt Veronika Lindmayer. Man ist etabliert, aber nicht im Sinne von angepasst. Der neugierig-freche Blick ist noch immer erkennbar. Beweisen müssen die kreativen Macher nichts mehr. Längst sind es sie selbst, die Maßstäbe setzen. Die guten Ideen und Konzepte finden bisweilen auch Nachahmer. Das Original reagiert entspannt. Schließlich ist das die Motivation der Einrichtung: den Kopf erreichen und Reaktionen auslösen. „Es ist wie bei einer Pusteblume: Die Samen sollen fliegen“, so die pädagogische Leiterin.
 
Plätze zum Entspannen und zum Austoben gibt es rund um das Naturschutzzentrum in Hülle und Fülle. Bilder: Thomas Zelinger
Plätze zum Entspannen und zum Austoben gibt es rund um das Naturschutzzentrum in Hülle und Fülle. Bilder: Thomas Zelinger
 
Bei aller inneren Dynamik des NZB ist die Grundidee stets gleich geblieben:
Anspruch ist, den Menschen frühzeitig an die Natur heranzuführen und zu begeistern. Ohne erhobenen Zeigefinger. Denn dauerhafte Veränderungen entstehen nicht durch normative Zwänge, sondern durch innere Überzeugung auf der Basis eigenen Erlebens. Das Areal an der Erlache bietet unzählige Möglichkeiten, sich mit allen Sinnen der Natur auszusetzen, sie zu beobachten und mit ihr zu lernen.

Seit 2004 ist viel passiert. Selbstzufriedene Stagnation gab und gibt es nicht. Behutsam wird die Ausstattung im Außenbereich erweitert. Neben einem Trampolin, einem Wolkenkino sowie kleinen Steinrutschen, Liegen und Balancierbalken kam vor kurzem eine Schaukel hinzu. Bei den Ferienspielen im letzten Sommer hatten Kinder aus Seilen und Hölzern ein eigenes Konstrukt gebaut und an einem Baum befestigt. Im Mai wurde ein professionelles Modell geliefert. Vom Gebäude aus wirkt das Holzgerüst wie ein Fenster zum See. Aus dieser Perspektive sieht es tatsächlich so aus, als könne man von der Schaukel direkt ins Wasser springen. Thomas Tritsch
 

Kontakt

Naturschutzzentrum Bergstraße
An der Erlache 17
Bensheim
Telefon 06251/708793
E-Mail: info@naturschutzzentrum-bergstrasse.de
www.naturschutzzentrum-bergstrasse.de
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