Sonderveröffentlichung
Themenspecial Stadtmagazin Bensheim

Sanfter sport mit Spassfaktor

Bailong Ball ist in China als eine Spielart von Qigong oder Taijiquan entstanden. Mittlerweile findet der Sport mit Ball und Schläger auch hierzulande immer mehr Anhänger. Zu ihnen gehört auch die Bensheimer Familie Ritz.

Spezial-Schläger für Bailong Ball. Bild: Thomas Neu

3.07.2020

Nein, den Wumms braucht es ebenso wenig wie Muskelkraft und Mega-Power. Stattdessen halten sanfte Schwingungen, fließende Körperbewegungen, aber eben auch Schnelligkeit, Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit sowie innere Balance den Ball im Spiel. Vorausgesetzt, man beherrscht das Spiel und traut sich, mit vollem Körpereinsatz, mit Armen, Rumpf und Beinen eigene Figuren zu kreieren und dabei das kleine, mit Sand gefüllte Rund im Auge zu behalten. Drehungen, Pirouetten, kleine artistische Einlagen, verschiedene Varianten, tiefe und hohe Vor- und Rückhand, individuelle Choreografien – alles ist möglich. Und für den Zuschauer äußerst ästhetisch und gleichzeitig athletisch anzuschauen. „Entschärfung“ heißt das Zauberwort, das sich an traditionellen chinesischen Bewegungskünsten orientiert.
  
Taiji am Neuhof
Bailong Ball nennt sich die in Europa noch wenig bekannte Sportart, die ursprünglich aus China stammt und mit einem kleinen, robusten Racket (Fänger) mit Gummibespannung und einem mit Sandkörnern gefüllten, 55 Gramm leichten Ball gespielt wird. Draufhauen bringt nichts: Feste Schläge wie beim Tennis sind allein der Konstruktion von Schläger und Ball wegen unmöglich. Vielmehr gilt es, den Ball ohne zu stocken mit sanften, kreisenden Bewegungen aufzunehmen und ihn dabei im optimalen Fall aus der Körpermitte heraus zu steuern. Was sich möglicherweise recht kompliziert anhört, ist tatsächlich einfach und leicht zu lernen. Man kann es als eine Spielart von Qigong bezeichnen oder mit einer spielerischen Variante von Taijiquan vergleichen: Typisch halt für die traditionellen chinesischen Selbstverteidigungs- und Bewegungskünste. Sogar von Bundeskanzlerin Angela Merkel existiert ein Foto, das sie im Jahr 2006 mit Racket und Ball zusammen mit dem chinesischen Premierminister in einem Park in Peking zeigt.
  
Susanne, Mike und Shannon Ritz jedenfalls beherrschen die Ballspielkunst aus dem Fernen Osten in Perfektion. 2009, drei Jahre nachdem die bis dato unbekannte Sportart von Asien nach Deutschland herübergeschwappt ist, haben sie sich zu zertifizierten Trainern beziehungsweise Übungsleitern für Bailong Ball ausbilden lassen. Und bis heute ist ihnen die Begeisterung beim und für das Spiel anzumerken – allein (Soloplay), zu zweit, in der Gruppe (Multiplay), miteinander (cooperative) oder auch gegeneinander (competitive), mit oder ohne Netz, in der freien Natur auf der Wiese, im Fürstenlager, auf einem kleinen Plateau oberhalb der Bensheimer Weinberge oder in der Halle. Bailong Ball lässt sich ebenso gut auf der Straße oder am Strand spielen. Alles ist möglich: festgelegte Bewegungsabfolgen verschiedener Figuren und Freestyle zu Musik. Abstand halten ist auch nicht schwer. Noch ein Vorteil: Racket – gibt es in zwei Größen – und Ball passen in jede Sport- oder Strandtasche. Und preisgünstig ist die Anschaffung obendrein.

„Ein Spiel für die ganze Familie, das nie langweilig wird.“

„Der Spaßfaktor ist riesig, und es werden garantiert Glückshormone freigesetzt“, verspricht Susanne Ritz, die das Studio „Taiji am Neuhof“ leitet und zudem zertifizierte Qigong- und Taiji-Lehrerin ist. Die ganzheitlichen Bewegungsabläufe beim Bailong Ball beschreibt sie als geschmeidig, rund, elegant, harmonisch und schonend für die Gelenke. Verletzungen sind so gut wie ausgeschlossen.
  
„Bailong Ball ist ein Spiel für die ganze Familie und wird nie langweilig, weil es immer für eine Überraschung gut ist. Derzeit trainieren wir zwei gemischte Gruppen, deren Mitglieder sogar aus Worms, Darmstadt und Heidelberg zu uns nach Bensheim kommen. Der Jüngste ist gerade mal 14 Jahre, die älteste Spielerin über 70 Jahre alt.“ Im Gegensatz zu Deutschland ist Bailong Ball in Frankreich, Russland, Ungarn und der Ukraine bereits weit verbreitet. Erfunden und entwickelt hat die gesundheitsfördernde Sportart der chinesische Sportdozent Professor Bai Rong. Damit sich noch mehr Menschean für das Spiel mit dem kleinen Ball begeistern, hat Susanne Ritz unter anderem schon in der Märkerwaldschule in Gronau Kurse für Schüler angeboten, war im Theaterkeller Mobile in Zwingenberg auf Werbetour und beim Sportfest der Kulturen in Heidelberg zu Gast.

In Bensheim treffen sich die Spieler – Anfänger wie Fortgeschrittene – mittwochs von 9.30 bis 10.30 Uhr und freitags vom 20 bis 21 Uhr. „Der Einstieg in laufende Kurse ist jederzeit möglich“, erklärt die Trainerin. Von Gerlinde Scharf