Sonderveröffentlichung
Themenspecial Stadtmagazin Bensheim

Schnelle Helfer in der Krise

Schnelle Helfer in der Krise

Wir helfen“: Die neun Jahre alte Lea Emig (l.) verteilt Flyer in der Innenstadt, Christiane Böhm (r.) übergibt Einkäufe an Jennifer Yeida, Pflegedienstleiterin des AWO-Sozialzentrums in Bensheim. Bilder: privat, Jürgen Pfliegensdörfer

8.05.2020
In der Krise zeigt sich, dass die Stadt zusammenhält: Innerhalb kürzester Zeit hat das Team Bensheim der Tour der Hoffnung Freiwillige zusammengetrommelt und unter anderem eine Einkaufshilfe auf die Beine gestellt. 

In wenigen Wochen hätte sich ein Tross von 140 Radfahrern, Helfern und Polizeikräften gemeinsam mit dem Team Bensheim der Tour der Hoffnung (TdH) eigentlich zur Tour de Pfalz 2020 eingefunden, um für krebskranke Kinder Spendengelder einzusammeln. Doch wie so viele andere Veranstaltungen fiel auch diese der Corona-Pandemie zum Opfer. Da war es für das Team überhaupt keine Frage, sich anderweitig sozial zu engagieren. „Nachdem wir so viele Jahre erfolgreich unsere Veranstaltungen durchgeführt haben und nach dem großen Erfolg 2017 mit der Tour de Riva, wollten wir auch in diesem Jahr wieder ein Zeichen und uns in Bewegung setzen“, sagt Jürgen Pfliegensdörfer, zweiter Vorsitzender von TdH Bensheim und zuständig für die Presse- und Medienarbeit.
        
Im Rahmen der Aktion „Wir sind Bergstraße“ wurden Gesichtsmasken genäht. Bild: Jürgen Pfliegensdörfer
Im Rahmen der Aktion „Wir sind Bergstraße“ wurden Gesichtsmasken genäht. Bild: Jürgen Pfliegensdörfer
Die Planungen waren bereits abgeschlossen, alle Gespräche mit den Städten und Gemeinden entlang der Strecke geführt, Sponsoren haben Zusagen zur Unterstützung geben: „Doch alles nutzt nichts, die Corona-Krise hat auch uns einen großen Strich durch die Planung gemacht. Nun haben wir uns entschlossen, die Veranstaltung um ein Jahr zu schieben und unsere frei gewordenen Ressourcen anderweitig zu nutzen“, so Pfliegensdörfer weiter. Bekannt für schnelle Entscheidungen sind die Bensheimer Ehrenamtlichen ohnehin, erfahren in der Umsetzung von Projekten sowieso. Das Team hat sich entschlossen, den ganz besonders von der Pandemie betroffenen Bürgern Hilfe in unterschiedlicher Form anzubieten. Da war es passend, dass Juliane Heiligenthal von der Nachbarschaftshilfe in Auerbach die gleiche Idee hatte. Schnell waren gemeinsame Kontakte geknüpft, Flyer wurden erstellt und ausgeteilt – und schon war die Einkaufshilfe in Gang gesetzt.

„Die vielen Helfer zeigen, dass Bensheim zusammenhält.“

Bei der Stadt Bensheim war man sehr erfreut von dieser Initiative und überließ danach der Gruppe die Helferkoordination. Helfer und Bedürftige, die sich bei der Stadt Bensheim gemeldet hatten, wurden an Pfliegensdörfer weitergeleitet, der fortan die Koordination mit Juliane Heiligenthal übernahm und die entsprechenden Personen zusammenbrachte.
      
Einkäufe für Menschen erledigen, die zur Risikogruppe gehören – das zählt zu den Hilfsangeboten in Bensheim. Bild: stock.adobe.com - Mediteraneo
Einkäufe für Menschen erledigen, die zur Risikogruppe gehören – das zählt zu den Hilfsangeboten in Bensheim. Bild: stock.adobe.com - Mediteraneo
„Unglaublich, wie groß die Hilfsbereitschaft in unserer Stadt ist. Über 100 Personen und einige Gruppen mit zahlreichen weiteren Helfern haben sich gemeldet, die für die unterschiedlichsten Aufgaben eingesetzt werden konnten“, zeigt sich Pfliegensdörfer beeindruckt von der großen Anteilnahme. Es wurden Einkäufe getätigt, Rezepte bei Apotheken oder Ärzten abgeholt, es wurden Personen betreut, die gerade aus dem Krankenhaus entlassen wurden und alleine zu Hause waren.

Gemeinsam mit der neun Jahre alten Lea Emig aus Bensheim wurden in Auerbach und Bensheim Flyer verteilt. „Lea hatte sich wie so viele andere auch direkt bei der Stadt gemeldet, denn sie wollte helfen. Das zeigt doch, wie riesig unser Potenzial an Ehrenamtlichen ist, egal wie alt oder jung man ist, man ist füreinander da“, so Juliane Heiligenthal, selbst Mutter von zwei Kindern und in der Coronazeit unter Hochdruck stehend.
     
In der Krise engagiert: Bianca Scholz und Jürgen Pfliegensdörfer. Bild: privat
In der Krise engagiert: Bianca Scholz und Jürgen Pfliegensdörfer. Bild: privat
Neben diesen vielen Hilfeleistungen konnte auch dafür gesorgt werden, dass der Bensheimer Tafel nicht die Helfer ausgingen, denn zu Beginn der Hilfsaktion wurden einige Freiwillige, die sich gemeldet hatten, an Tafel-Chefin Mariette Rettig weitergeleitet. Und nicht zuletzt konnte das Team die Aktion „Wir sind Bergstraße“ unterstützen, für die Gesichtsmasken genäht wurden. „Die Initiative von Bianca Scholz und Annalena Homa zeigt im Besonderen die Hilfsbereitschaft, und unser Team sorgte mit dafür, dass schnell und unbürokratisch selbst genähte Gesichtsmasken an Pflege- und Altenwohnheime ausgeliefert werden konnten. Sollte unsere Unterstützung auch weiterhin notwendig sein, sind wir da“, ist sich Pfliegensdörfer der Einsatzbereitschaft seiner Mitstreiter sicher.

Über das Rathaus läuft auch weiterhin die Koordination für Hilfesuchende und Menschen, die ihre Hilfe anbieten wollen – wie zum Beispiel Nachbarschaftshilfen, Erledigung von Einkäufen oder ähnliches. Die Anbieter von Hilfen sollten natürlich weder Krankheitssymptome aufweisen und selbstverständlich nicht zur Risikogruppe gehören. Für Bürgermeister Rolf Richter ist diese Hilfsbereitschaft ein überaus positiver Aspekt in dieser Krise: „Bensheim hält zusammen und sehr viele Helferinnen und Helfer beweisen das seit Wochen“, sagt der Rathauschef. Von Matthias Schaider
   
Kontakt für Hilfesuchende und Helfer
Telefon 06251/14-333
E-Mail: service@bensheim.de oder
helfen@tdh-bensheim.de
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