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Sonderveröffentlichung
Themenspecial Stadtmagazin Bensheim

Seit 20 Jahren im Einsatz für Frauen


16.07.2021
Die städtische Frauenbeauftragte Marion Vatter bietet seit 2001 Orientierung und Hilfe in vielen Lebenslagen.

Im Dezember 1993 wurde das Hessische Gesetz über die Gleichberechtigung von Frauen und Männern und zum Abbau von Diskriminierung von Frauen in der öffentlichen Verwaltung – kurz Hessisches Gleichberechtigungsgesetz – verabschiedet. An der Umsetzung im Hessischen Sozialministerium war übrigens in den Jahren von 1997 bis 2000 Bürgermeisterin Christine Klein beteiligt, die damals als Kriminalbeamtin auch die Aufgaben der Besonderen Frauenbeauftragten der Polizei im Regierungspräsidium Darmstadt innehatte.
     
Marion Vatter hat als Netzwerkerin viele Kooperationspartner. Bilder: Thomas Neu
Marion Vatter hat als Netzwerkerin viele Kooperationspartner. Bilder: Thomas Neu
In der Bensheimer Stadtverwaltung war man damals schon etwas weiter. Knapp sieben Jahre zuvor hatten die Bensheimer Stadtverordneten mehrheitlich beschlossen, die Stelle einer Frauenbeauftragten einzurichten. Im Februar 1988 nahm mit der Diplom-Pädagogin Elisabeth Straßer die erste Frauenbeauftragte der Stadt Bensheim ihre Arbeit auf. Ihr folgte im Sommer 1994 Diplomsozialpädagogin Claudia Stockert, die nach sieben Jahren die Stadtverwaltung verließ. Im Sommer 2001 – vor 20 Jahren – wurde die Verwaltungsangestellte Marion Vatter zur externen Frauenbeauftragten der Stadt ernannt.

Marion Vatter hatte 1983 ihre Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten bei der Stadt begonnen und im Ordnungsamt, im Fremdenverkehrsbüro sowie im Einwohnermeldeamt Erfahrungen gesammelt, bevor sie 1995 ins Büro für Frauenfragen kam. Zu Beginn ihrer Arbeit lag der Schwerpunkt bei der „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“. Zusammen mit dem Team Kindertagesstätten wurde der Fokus auf die Kinderbetreuung und die erweiterte Betreuung mit Mittagstisch an Kindergärten sowie die Schulkindbetreuung gelegt. 2006 wurde zusammen mit Hannelore Lehnard vom Migrationsdienst des Caritasverbandes Darmstadt der „Internationale Frauentreff“ gegründet – ein Treffpunkt, den sowohl deutsche als auch Frauen mit Migrationshintergrund gerne nutzten, um Kontakte zu knüpfen, Erfahrungen auszutauschen sowie über Probleme, Wünsche und Bedürfnisse zu sprechen.

Daraus entstanden im Laufe der Zeit eine Reihe von Initiativen und Projekten, wobei die Themenvielfalt so breitgefächert ist wie das Leben selbst: Leben mit oder nach Krebs, Depression, Suchtprobleme, Heilarbeit mit Farben, pädagogisches Tanzen, Sprachgruppen für Frauen mit Migrationshintergrund, Fahrradkurse, aber auch Sport, Stricken und Lyrik standen auf dem Programm. Auch das Kochbuch „Grenzenlos kochen“, das zum Hessentag 2014 herausgegeben wurde, ist im Internationalen Frauentreff entstanden, ebenso wie die Hausaufgabenhilfen an den Grundschulen Hemsbergschule und Kappesgärten. Einige dieser Projekte wurden ausgezeichnet: 2009 das Sonderprojekt „Frauen fest im Sattel“ von Mission Olympic, 2010 gab es den Odsett-Anerkennungpreis für den Schwimmkurs für Frauen und 2012 wurde die Hausaufgabenhilfe Hemsbergschule als „Initiative des Monats Land Hessen“ gewürdigt.
Marion Vatter versteht sich dabei als Anlaufstelle, die Ideen aufnimmt, entwickelt und in Gang setzt. Für eingespielte, laufende Projekte, wie den städtischen Eltern-Kind-Treff, eine Einrichtung für Kinder vom Säuglings- bis zum Kindergartenalter, leistete sie Koordinationsarbeit. Als Netzwerkerin kann sie auf viele engagierte Kooperationspartner in der Stadt und im Kreis zurückgreifen. Viele der initiierten Projekte sind inzwischen selbstständig geworden oder an die jeweiligen Institutionen angedockt – die Hausaufgabenbetreuung bei den Schulen, die Fahrradkurse beim städtischen Integrationsteam.

Aktuell ist Marion Vatter zusammen mit den Frauenbeauftragten im Kreis Bergstraße sowie den Arbeitskreisen gegen häusliche und sexualisierte Gewalt schwerpunktmäßig mit der Umsetzung der Istanbul-Konvention beschäftigt. Die vor zehn Jahren vom Europarat aufgelegte und 2014 in Kraft getretene Konvention verpflichtet die Vertragsstaaten zur Prävention und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt. In Deutschland trat das Übereinkommen im Februar 2018 in Kraft. Damit verpflichtete sich das Land, auf allen staatlichen Ebenen alles dafür zu tun, um Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen, Betroffenen Schutz und Unterstützung zu bieten und Gewalt zu verhindern.

„Die Pandemie wirft die Gleichberechtigung um Jahre zurück.“

Die 81 Artikel der Istanbul-Konvention enthalten umfassende Verpflichtungen zur Prävention und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, zum Schutz der Opfer und zur Bestrafung der Täter. Die Konvention zielt damit zugleich auf die Stärkung der Gleichstellung von Mann und Frau und des Rechts von Frauen auf ein gewaltfreies Leben. Eine Thematik, mit der sich die Frauenbeauftragte schon seit Jahren beschäftigt. So finden alljährlich im Rahmen der Interkommunalen Zusammenarbeit mit den Frauenbeauftragten und den Arbeitskreisen im Kreis Aktionen (Fahnenhissung, Brötchentütenaktion) zum Internationalen Tag „Nein zu Gewalt an Frauen“ am 25. November statt. Zusätzlich befeuert wurde die Thematik durch die Pandemie, durch die die Lage von Opfern häuslicher Gewalt verschlechtert wurde. „Insgesamt hat die Pandemie die Gleichberechtigung der Frauen um Jahre zurückgeworfen“, verweist Marion Vatter auf die besonderen Auswirkungen in dieser Ausnahmezeit, von denen Frauen unverhältnismäßig stark getroffen wurden. Denn immer noch liege die „Care-Arbeit“ (Sorgearbeit) hauptsächlich bei den Frauen.

Aber auch das Frauenbüro selbst litt unter den Beschränkungen der Pandemie. Gruppentreffen fanden nicht statt und das Veranstaltungsprogramm ruhte zum Teil. Einige Themen wurden als Online-Veranstaltung angeboten und dabei zeigte sich ein ausgesprochen positiver Effekt. Gerade wenn es um sensible Themen geht, sind digitale Zusammenkünfte deutlich barrierefreier und veranlassen mehr Frauen zur Teilnahme. So beispielsweise beim Online-Vortrag über emotionale Gewalt mit über 100 Teilnehmern. „Bei solch schwierigen Themen ist im Rahmen einer Videokonferenz die Anonymität gewahrt, im Gegensatz zu einer Präsenzveranstaltung vor Ort“, weiß Marion Vatter. Aufgrund dieser Erfahrung plant die Frauenbeauftragte, ihre Veranstaltungen auch künftig in Online- und Präsenzangebote aufzuteilen. Eine genaue Programmvorschau ist allerdings noch nicht möglich, da das Frauenbüro nach wie vor auf die weitere Pandemieentwicklung reagieren muss. Es bleibt abzuwarten, wie es im August nach der Sommerpause weitergeht. Jeanette Spielmann

KONTAKT

Frauenbüro der Stadt Bensheim
Hauptstraße 53,
Telefon 06251/856003,
E-Mail: frauenbuero@bensheim.de
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