Sonderveröffentlichung
Themenspecial Stadtmagazin Bensheim

Statt Frankreich diesmal Schwarzwald

Wohin im Sommerurlaub? Diese Frage stellen sich hierzulande derzeit viele. Unseren Fotografen Thomas Neu und seine Frau Cornelia zog es eigentlich immer in den Süden – in diesem Jahr wird es allerdings „nur“ der Südschwarzwald.

Sehnsuchtsort mit Blick auf die Côte d’Azur – in diesem Jahr verzichten Thomas Neu und seine Frau auf den Urlaub im Süden  

3.07.2020
Sanft rollen die Räder über die Küstenstraße. Die Fenster sind geöffnet, der Duft des Sommers liegt in der Luft und aus den Lautsprechern kommt die perfekte Begleitung für den Urlaub. Wenn wir „La Mer“ von Charles Trenet hören, sind wir angekommen in unserem Sehnsuchtsort. Wir fühlen uns wie Cary Grant und Grace Kelly in dem Hitchcock-Klassiker „Über den Dächern von Nizza“, wenn wir die wunderschöne Panoramastraße, die Grande Corniche, oberhalb von Villefranchesur-Mer entlangfahren. Enge Haarnadelkurven und prächtige Aussichten auf die Côte d’Azur. Heute Mittag werden wir uns auf unserer Lieblingsterrasse im Château von Eza ein Glas Rosé gönnen. Mit Blick auf das schimmernde Mittelmeer rund um das Cap Ferrat werden wir uns fühlen wie Gott in Frankreich. Gerade nehmen wir die letzte Kurve vor unserem Ziel, als plötzlich ein schrilles Geräusch im Ohr erklingt . . . Ich befürchte einen Tinnitus!? Nein viel schrecklicher! Der Wecker hat mich aus dem Schlaf gerissen – und aus meinem Traum vom Urlaub in Frankreich. Das hat sich alles so echt angefühlt!
      
Was soll ich sagen, in diesem Jahr ist einfach alles anders. Ja, natürlich wurden auch die Grenzen mittlerweile wieder geöffnet, aber unseren Urlaub hatten wir vorsichtshalber schon im März abgesagt. Keiner wusste, wie es weitergeht. Corona und kein Ende, und wir wollten nicht so hoch pokern und gingen auf Nummer sicher: Frankreich oder Italien erst wieder im nächsten Jahr! Dass wir in den ersten Wochen der Corona-Krise viel gewandert sind, hatte ich ja bereits im letzten Stadtmagazin beschrieben. Und natürlich ist es an der Bergstraße, im Odenwald und in der Pfalz wunderschön. Bitte nicht falsch verstehen – aber Urlaub? Da möchte man einmal im Jahr raus aus der gewohnten Umgebung, neue Eindrücke sammeln und mit schönen Erlebnissen wieder heimkehren in den gewohnten Alltagsrhythmus. Obwohl natürlich im Jahre 2020 nicht die Rede sein kann vom Alltagsrhythmus.

Nun gut – was tun, wenn die Sehnsuchtsziele nicht erreichbar sind? Wir mussten umdenken. Wir bleiben wie so viele Mitbürger im eigenen Land. Waren Sie, liebe Leser, schon einmal im Schwarzwald? Zu meiner Schande muss ich gestehen: ich bis vor kurzem noch nie. Sommerurlaub, das war für meine Frau und mich – mit wenigen Ausnahmen – stets der Süden. Uns zog es an die Cote d’Azur, in die Provence, nach Ligurien oder in die Toskana. Im Herbst, da konnte man sich eher vorstellen, in die Berge nach Bayern zu reisen, aber es war dann doch eher Südtirol oder Österreich. Aber Schwarzwald? Ist das nicht etwas für Spießer? Ich dachte sofort an Kuckucksuhren, Schwarzwaldmädels mit roten Bollen am Hut und an Schwarzwälder Kirschtorte. Sind wir dafür nicht noch zu jung? Natürlich ist das auch eine falsche Einschätzung, denn schließlich gehen wir auf die 60 zu und für jung halten uns nur noch 80-Jährige.
      
Und da in Corona-Zeiten eben vieles anders ist, fahren wir zwar im Sommer auch in den Süden, aber nur in den Südschwarzwald, genauer gesagt in das Dörfchen Hof. Fragen Sie mich nicht, wo genau das liegt, die Reise hat meine Frau organisiert, die stets ein Garant dafür ist, dass wir eine schöne Unterkunft finden. Um uns mit dem Klima im Schwarzwald vertraut zu machen und die Sitten und Gebräuche der Einheimischen zu studieren, unternahmen wir bereits eine Vortour. Die Region rund um Bad Herrenalb ist zwar noch der nördliche Bereich des Schwarzwaldes, aber man bekommt schon ein wenig das Gespür für den Menschenschlag, der dort lebt.
     
Und was soll ich sagen – wir kamen euphorisiert zurück. Schon der Erstkontakt ließ uns alle Vorbehalte über Bord werfen. Wir fanden wunderschöne Orte mit einer Vielzahl an guten Lokalen in allen Preislagen, Wanderwege und freundliche – den Hessen durchaus aufgeschlossene – Einheimische. Zurückgekehrt stellten wir beim Gespräch mit Bekannten und Freunden plötzlich fest: Man muss kein Spießer sein, um den Schwarzwald schön zu finden. Im nächsten Stadtmagazin werden wir dann unsere Reiseerfahrungen mit Ihnen, liebe Leser, gerne teilen. Bis dahin, bleiben sie gesund! Von Thomas Neu