Sonderveröffentlichung
Themenspecial Stadtmagazin Bensheim

Vom Hotel zum Gästehaus

Das Hotel Präsenzhof in der Innenstadt ist ein Haus mit langer Tradition. Im Jahr 1700 soll es zum ersten Mal erwähnt worden sein. Seit 1976 ist es im Besitz der Familie Rosan, die jetzt ein neues Konzept beschlossen hat. Das Hotel wird zum Boarding-House.

Text: Gerlinde Scharf

Der Kölner Volksschauspieler Willi Millowitsch war mit Sohn Peter da. Horst Buchholz, Katja Epstein, Max Greger, Inge Meysel, Mike Krüger, Bill Ramsey und Hans-Joachim Kulenkampff haben hier genächtigt. Um nur einige der großen Stars vergangener Zeiten zu nennen, die nach ihrem Auftritt im Parktheater samt der ganzen Crew im Altstadthotel Präsenzhof ihr Nachlager aufgeschlagen und sich mit freundlichen Worten ins Gästebuch eingetragen haben.

Von Willi Millowitsch über Inge Meysel bis Mike Krüger – sie alle waren zu Gast im „Präsenzhof“.

Auch Namen und Unterschrift von Schauspieler Fritz Wepper, von Roland Kaiser, Max Mutzke und dem ehemaligen Top-Ten-Tennisspieler Goran Ivanisevic finden sich in dem dicken Wälzer, in dem es von Promis nur so wimmelt.

Heute buchen internationale Cover- Bands und Rocker, die zuvor das Musiktheater Rex zum Beben gebracht oder beim Irish Spring-Festival für ausgelassene Stimmung gesorgt haben, Handlungsreisende und Touristen Zimmer und Bett in dem Traditionshaus. „Und alle sind unheimlich nette und angenehme Gäste, höflich und zuvorkommend“, versichert Milena Rosan-Daberkow, die den Präsenzhof 1986 von ihren Eltern übernommen hat und seitdem als Geschäftsführerin leitet – seit kurzem gemeinsam mit Ehemann Fritz Daberkow.

Vom Hotel zum Gästehaus Image 1
Das Gebäude befindet sich seit 1976 im Besitz der Familie Rosan. Nicht nur das Klientel hat sich im Laufe der Jahre geändert – auch die Ansprüche der Gäste, zum Beispiel Minibar und Rezeption-Besetzung rund um die Uhr, sind größer geworden. Lohnkosten für fest angestelltes Personal und Aufwand für ein kleines Hotel mit 20 Doppelzimmern und vier Appartements haben sich vervielfacht und waren kaum noch zu stemmen: „Urlaub war seit Jahren nicht mehr drin.“

Deshalb hat sich das Ehepaar Rosan-Daberkow entschlossen, das Haus inmitten der Altstadt, das seit Jahrzehnten inhabergeführt ist, zum 1. Januar 2019 den neuen Gegebenheiten anzupassen und ihm eine neue Rechtsform zu geben. Die Familie ist optimistisch, das Traditionsgebäude unter der Bezeichnung „Gästehaus Präsenzhof“ und mit einem überarbeitenden Konzept in eine erfolgversprechende Zukunft zu führen. Schließlich soll Sohn Gian-Luca einmal in die Fußstapfen seiner Eltern treten.

Die Vorteile, die ein sogenanntes Boarding- House mit sich bringt, liegen auf der Hand: Fixe Kosten werden reduziert, ein Schlüsselsafe, der dem Gast auf schnellem Weg den Zutritt zum Zimmer mittels eines individuellen Codes ermöglicht, macht die 24-Stunden-Rezeption überflüssig. „Unsere Anmeldung ist ab sofort ab 6.30 Uhr während des Vormittags besetzt. Die rund-um-die Uhr-Anreise ist trotzdem gewährleistet“, nennen die Inhaber nur einen Aspekt von vielen anderen, der für die Neuausrichtung spricht – und Kosten spart.

„Wir sind kein Luxushotel, sondern ein ganz normales, zentral gelegenes Gästehaus.“

In dem verwinkelten Haus, das in der Vergangenheit durch An- und Umbauten mehrmals erweitert und nach und nach saniert wurde – zum letzten Mal vor acht Jahren –, steht 2019 eine weitere Modernisierung der Zimmer an. „Wir sind kein Luxushotel, sondern ein ganz normales, ruhig und zentral gelegenes Gästehaus“, rückt Inhaberin Milena Rosan-Daberkow die Vorzüge des denkmalgeschützten Präsenzhofes, der vor allem mit Gemütlichkeit und nostalgischem Charme punktet, ins rechte Licht. Angesichts der baulichen Gegebenheiten hat jedes Zimmer seinen ganz individuellen Zuschnitt – einige haben einen kleinen Balkon, andere einen bezaubernden Blick auf den Wambolter Hof. Kein Zimmer ähnelt dem anderen. Fahrstuhl und eine Tiefgarage mit acht Stellplätzen gehören zum Standard, Frühstück wird auf Wunsch serviert.

Vom Hotel zum Gästehaus Image 2
Ein prominentes Alleinstellungsmerkmal des Präsenzhofs ist seine traditionsreiche Geschichte. Das Hotel soll bereits um das Jahr 1700 erstmalig erwähnt worden sein. Ursprünglich war der Präsenzhof ein Bauernhof, der seit 1430 der Stiftung Präsenzfonds angehörte und dem Kloster Lorsch zugeordnet war. Seit dem Jahr 1871 wird er durchgängig als Gasthaus geführt.

Zwei Generationen (v.l): Ivano und Erika Rosan übergeben symbolisch den Schlüssel an Tochter Milena Rosan-Daberkow und Schwiegersohn Fritz Daberkow, die das Hotel in ein Gästehaus umwandeln. | Bilder: Thomas Neu
Zwei Generationen (v.l): Ivano und Erika Rosan übergeben symbolisch den Schlüssel an Tochter Milena Rosan-Daberkow und Schwiegersohn Fritz Daberkow, die das Hotel in ein Gästehaus umwandeln. 
| Bilder: Thomas Neu
Die Familie Rosan kommt 1974 ins Spiel. Der Vater von Milena, Ivano Rosan, der aus der Nähe von Venedig stammt, 1961 nach Deutschland kommt, in Darmstadt in einer Eisdiele arbeitet und wenig später seine große Liebe Erika heiratet, hat das Gebäude in der Innenstadt 1976 erworben. Zuvor aber hatte sich der umtriebige Geschäftsmann selbstständig gemacht und am Ritterplatz die erste Pizzeria in Bensheim eröffnet. Später zog „San Marco“ an den Griesel um. Das italienische Restaurant im „Präsenzhof“ ist übrigens an den Onkel von Milena Rosan-Daberkow, Menis Rosan, verpachtet.

Froh und dankbar ist das Inhaber-Ehepaar, dass etliche Bensheimer Firmen dem Präsenzhof seit Jahren die Treue halten – und das nicht nur während des Winzerfestes. An einen Gast erinnert sich Milena Rosan-Daberkow besonders gern: Mike Krüger, der im Restaurant von Autogrammjägern belagert wurde, floh in die Küche, um dort in aller Ruhe eine Partie Schach zu spielen. Auch Willy Millowitsch hat die Hotelfrau als angenehmen, unkomplizierten Zeitgenossen im Gedächtnis. Als feststand, dass für seinen Begleittross mit Kosmetikerin, Bühnentechniker etc. ein Zimmer zu wenig gebucht war, entschied der Volksschauspieler spontan, für eine Nacht mit Sohn Peter zusammenzuziehen. Und schon war das Problem gelöst.

Datenschutz