Sonderveröffentlichung
Themenspecial Stadtmagazin Bensheim

Zeit zum Ausmisten

Nägel mit Köpfen machen: Dieses Bedürfnis hatte unser Autor und Fotograf Thomas Neu zu Beginn des neuen Jahres. Also wurde aufgeräumt und aussortiert – und auch vor einigen alten Erinnerungsstücken nicht halt gemacht.

Text: Thomas Neu

Kaum ist der Weihnachtsbaum auf der Straße gelandet, sind die Lichterketten zusammen mit den Weihnachtskugeln wieder auf ihrem angestammten Platz auf dem Dachboden, überkommt mich alljährlich das Bedürfnis, Platz zu schaffen. Es ist an der Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen! In diesem Jahr lasse ich mich nicht wieder von sentimentalen Gefühlen abhalten und werde mich endgültig vom Überflüssigen trennen. Meine Sammelleidenschaft hat so viel Krimskrams in mein Umfeld gespült, dass die Devise für das neue Jahr lautet: Alles kommt auf den Prüfstand.

„Mit einem Teil der überflüssigen Dinge lässt sich sogar noch Geld verdienen.“

Ich habe mir sogar vor der Aufräumaktion Videos der Japanerin Marie Kondo angesehen. Sie hat Kultstatus unter Insidern der gepflegten Ordnung und verkauft ihr Wissen um das richtige Aufräumen in Buchform – und sie hat sogar eine eigene Dokusoap. Wenn man ihre Tipps hört, hat man das Gefühl, Aufräumen sei ein Teil der japanischen Kultur wie Bonsai, Ikebana und Origami. Ein Teil von Marie Kondos Aufräumphilosophie ist es, dass man alle Dinge noch einmal in die Hand nehmen und in sich reinhören soll, ob der Gegenstand einem noch Freude bereitet.

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Da man beim Aufräumen und Entrümpeln nicht nur den Müllsack bedienen sollte, sondern auch an den Geldbeutel denken kann, habe ich eine praktische App auf meinem Mobiltelefon heruntergeladen. Und so lässt sich sogar mit einem Teil der überflüssigen Dinge – die einem auch keine Freude mehr bereiten – noch Geld verdienen. Ich muss nur den Barcode an den CDs und Büchern einscannen, um zu erfahren, was man mir für den Verkauf anbietet. Gut, schnell merke ich: Reich werde ich damit nicht! Aber egal, hier heißt das Motto: „Kleinvieh macht auch Mist“. Und bevor Musik-CDs, DVDs und Bücher im Regal verstauben oder in Kisten auf dem Speicher, sollen sie mir lieber noch ein paar Euro einbringen.

Ich muss gestehen, dass ich noch vor einem Jahr lieber CDs gekauft habe und von Streamingdiensten nichts wissen wollte. Mittlerweile habe ich meine Meinung allerdings geändert und höre fast nur noch über das Internet meine Musik oder die digitalen Versionen meiner Musiksammlung am Computer und im Auto. Mit praktischen Playlisten kann ich mich ganz auf meine Lieblingsmusik konzentrieren und auch immer wieder neue Musik für mich entdecken.

Auch gekaufte DVDs und Blue Rays habe ich doch nur selten mehr als einmal ange- sehen. Ausgenommen „Casablanca“, da habe ich auch noch die VHS und DVD – und die sind alle auf der Liste „unverkäuflich“.

Alte CDs, Kompaktkameras oder Zeitschriften – alles muss raus im Hause Neu. | Bild: Thomas Neu
Alte CDs, Kompaktkameras oder Zeitschriften – alles muss raus im Hause Neu. 
| Bild: Thomas Neu
Die meisten gescannten CDs bringen noch weniger Geld als erwartet, meistens nur zwischen 15 und 80 Cent. Dann gibt es aber auch positive Ausreißer. Für eine George-Michael-CD bekomme ich tatsächlich über 7 Euro – und wer hätte Klaus Hofmann auf 5,50 Euro geschätzt?! Bei den Büchern sind selten derartige Preis zu erzielen – und leider kommt auch oft der Hinweis: „Kein Ankauf“. Nun gut, das sind dann Artikel mit einer Gnadenfrist im Hause Neu. Der digitale Scanmarathon erbringt immerhin fast 150 Euro für die Familienkasse.

„Der alte Mopedhelm sollte den Kindern bei der Fastnacht als Astronautenhelm dienen.“

Keine Gnade gibt es jedoch diesmal bei Dingen, die seit Jahren Speicherplatz im wahrsten Sinne des Wortes einnehmen. Da ist zum Beispiel mein Römer Integralhelm aus dem Jahre 1977. Ein Relikt meiner Mopedzeit, der schon zwei Umzüge mitgemacht hat und irgendwann den Kindern bei der Fastnacht als Astronautenhelm dienen sollte. Keines meiner Kinder ist je als Astronaut zur Fastnacht gegangen. Also weg damit in Richtung ZAKB. Genauso ergeht es jetzt den Tennisschlägern aus dem Zeitalter, als man noch Holz für diesen Sport verwendet. Auch das Telefunken-Kofferradio, dass ich zur Konfirmation geschenkt bekam, und der alte Stereoverstärker samt Boxen sind reif für den Elektroschrott.

Ordnung schaffen: ein Anliegen vieler Menschen zu Jahresbeginn – nicht nur von Thomas Neu. | Bild: stock.adobe. com/domoskanonos
Ordnung schaffen: ein Anliegen vieler Menschen zu Jahresbeginn – nicht nur von Thomas Neu. 
| Bild: stock.adobe. com/domoskanonos
Ein Teil der Bücher bringe ich in ein öffentliches Bücherregal, andere stelle ich in Kartons auf die Straße und bringe ein Schild „Zu verschenken“ an. Das ist auch ein guter Weg, Dinge loszuwerden, die doch zu schade für den Müll waren. Vielleicht haben so andere Menschen noch Freude damit.

Alte Kleider kommen in die Kleidersammlung – und langsam kommt das Gefühl der Befreiung auf. Natürlich gibt es immer noch Kisten auf dem Speicher, die im nächsten Jahr erst näher betrachtet werden. Man sollte sich ja Arbeit für die Zukunft lassen, da ich das Aufräumen als Teil meines guten Starts in das neue Jahr auch 2020 nicht missen möchte . . .

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